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    Mendig

    Rekord: Moslems bilden in Mendig größte Deutschlandflagge

    Von seinen Wangen laufen die Regentropfen auf seinen Anorak, doch Ibtisaan Ahmad ist das egal. Aus Köln ist der 15-Jährige am Wochenende auf den Mendiger Flugplatz gekommen, um dort mit mehr als 6000 anderen Muslimen aus ganz Deutschland den gemeinsamen Glauben zu stärken – und um die bisher größte aus Menschen nachgestellte Deutschlandflagge zu bilden.

    Anfang Oktober bildeten mehr als 6000 junge männliche Muslime der Ahmadiyya in Mendig eine deutsche Flagge. Anschließend gab es harsche Kritik.  Foto: Ahmadiyya-Muslim-Jugendorganisation
    Anfang Oktober bildeten mehr als 6000 junge männliche Muslime der Ahmadiyya in Mendig eine deutsche Flagge. Anschließend gab es harsche Kritik.
    Foto: Ahmadiyya-Muslim-Jugendorganisation

    Im strömenden Regen stehen Helfer auf der Landebahn des Mendiger Flugplatzes, zeichnen mit Kreide die Stellen ein, wo später die Menschen die deutsche Flagge nachbilden wollen. Hinter ihnen steht eine Hebebühne, von der aus später das Foto der menschlichen Flagge geschossen werden soll. Ibtisaan wartet mit seinen Freunden am Rand. Gerade kommt er vom Mittagsgebet in der Zeltstadt, die die Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation, eine der größten in Deutschland, auf dem Flugplatz errichtet hat. „Der Islam ist mir so wichtig, wie ich mir selbst wichtig bin“, erzählt der Junge.

    Seit Freitag ist er in Mendig, hat auf dem dreitägigen Treffen schon Fußball mit anderen Teilnehmern gespielt, ein Survivaltraining mitgemacht, Rednern zugehört. Die Aktion „Muslime zeigen Flagge“ soll nun der Höhepunkt sein – auch für Ibtisaan. „Das zeigt, dass der Islam zu Deutschland gehört“, meint der Kölner. Er selbst hat wegen seiner Religionszugehörigkeit immer wieder Anfeindungen erlebt, erzählt er – obwohl er sich selbst integriert fühlt.

    „Wir stehen für Loyalität und Gesetzestreue, unsere Aktion soll dafür ein Bekenntnis sein – gegen Gewalt und Hass“, erklärt nun Iftikar Malik, Pressesprecher der Ahmadiyya-Jugendorganisation, der dem Gespräch zugehört hat. Eigentlich wollte er verhindern, dass unsere Zeitung mit Besuchern sprechen kann – er hatte stattdessen Mitglieder des Organisationsteams zusammengetrommelt. Einer von ihnen ist Shahzad Ahmad, der für den reibungslosen Ablauf des Flaggenfotos verantwortlich ist. „Das ist natürlich ein logistischer Großaufwand“, erklärt der Frankfurter. „Gerade bei diesem Wetter – aber davon lassen wir uns nicht aufhalten.“ Denn für ihn sei dieses Symbol eine Herzensangelegenheit, gerade jetzt, wo der Ruf der Muslime leide, sagt er.

    Eine klare Positionierung der Muslime – und damit auch eine Abgrenzung gegen radikalisierte Muslime – wünschen sich an diesem Tag viele der Menschen zwischen 15 und 40 Jahren, die aus 24 Regionalverbänden der Ahmadiyya-Verbände nach Mendig gekommen sind. Man kennt sich, denn das dreitägige Festival veranstaltet der Islamverband bereits zum 38. Mal, erstmals aber in Mendig – vorher fand es viele Jahre lang auf dem Messegelände in Karlsruhe statt.

    Auf dem Weg zum Rekord: Auch von Wind und Regen ließen sich die Teilnehmer nicht von ihrer Aktion abhalten.  Foto: Raphael Markert
    Auf dem Weg zum Rekord: Auch von Wind und Regen ließen sich die Teilnehmer nicht von ihrer Aktion abhalten.
    Foto: Raphael Markert

    Doch in Mendig sind die von den 1600 ehrenamtlichen Helfern aufgestellten Fußball- und Basketballfelder an diesem Samstag leer. Nicht erst, seit die meisten Teilnehmer in Richtung Landebahn strömen, um dort Schilder in den Farben Deutschlands in die Höhe zu recken. „Natürlich ist das Wetter enttäuschend“, gibt Malik zu. Trotzdem ist er mit der Zahl der Besucher zufrieden. Manche von ihnen bleiben nur einen Tag, andere übernachten in den ehemaligen Kasernengebäuden am Rande des Flugplatzes.

    Frauen haben zu dem Festival übrigens keinen Zutritt – „das liegt an unserem Selbstverständnis“, erklärt Malik. Denn man befürchte, dass sich die unterschiedlichen Geschlechter gegenseitig vom Beten und der religiösen Reflexion ablenken könnten. So sind es nur Männer, die am Samstagnachmittag im Regen zu Tausenden die Flagge der Bundesrepublik nachstellen, um ein Zeichen für Deutschlands Grundwerte zu setzen.

    Von unserem Mitarbeiter Raphael Markert

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