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    Andernach

    Protestler nennen Minister „Märchen-Peter“

    Vor der Mittelrheinhalle halten vor Kälte bibbernd rund ein Dutzend Demonstranten ihre Plakate hoch. Wo Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hinkommt, muss er mit Protest rechnen. Doch die Auseinandersetzungen haben längst nicht mehr die Schärfe früherer Jahre. Bevor Altmaier den Saal betritt, geht er mit der Andernacher CDU-Bundestagsabgeordneten Mechthild Heil vor die Halle, begrüßt jeden Demonstranten mit Handschlag und diskutiert eine Viertelstunde lang in der Kälte. Da juckt ihn auch wenig, dass er auf den Plakaten als Märchen-Peter oder Panikminister bezeichnet wird.

    Als Bundesumweltminister Peter Altmaier in der Andernacher Mittelrheinhalle sprechen will, wird er von Demonstranten empfangen.
    Als Bundesumweltminister Peter Altmaier in der Andernacher Mittelrheinhalle sprechen will, wird er von Demonstranten empfangen.
    Foto: Winfried Scholz

    Geschickt dreht Altmaier den Spieß um und bittet die Demonstranten, die er den Grünen zuordnet, ihn im Bundesrat bei der Energiewende zu unterstützen und auch die SPD zu überzeugen, die sich oft noch viel zu störrisch zeige. Die Energiewende mit erneuerbaren Energien nachhaltig zum Erfolg zu führen, dafür wirbt Altmaier leidenschaftlich in seiner anschließenden gut 90-minütigen Rede, in der er ohne Manuskript auch viele Details und Zahlen parat hat. 250 Zuhörer lauschen ihm.

    Altmaier ist ein Politik-Junkie: „Ganz komische Gefühle im Magen“ bereiten ihm dabei nicht Demonstranten oder seine Oppositionslieblingspolitiker Jürgen Trittin und Sigmar Gabriel, die immer mal ihr Fett wegbekommen. Komische Gefühle im Magen hat der saarländische Genussmensch nach eigenen Worten, wenn er eineinhalb Stunden nichts zu essen bekommt. Für die Kernenergie hat Altmaier wenig Sympathie. Er kämpft dafür, dass der so entstandene Strom durch Strom aus Sonne, Wind und Biogas ersetzt wird. Er betont: „Und zwar so, dass Wohlstand, Wachstum und Umwelt in gutem Zustand erhalten bleiben. Sonst wird uns die Energiewende niemand in der Welt abkaufen. Wenn wir erfolgreich sind, dann werden uns auch andere Nationen folgen, und dann leisten wir dadurch den größten Beitrag zur CO2-Minderung in der Welt.“

    Altmaier spricht auch die Probleme an, die man als Chancen begreifen solle. Noch sei erneuerbarer Strom zu teuer. „Aber erinnern Sie sich, was die ersten Farbfernseher oder Flachbildschirme gekostet haben?“ Man müsse kreative Kräfte freisetzen, um durch bessere Technologien erneuerbaren Strom billiger zu machen, und wirksame Stromspeicher entwickeln. Er nennt Beispiele, wo in Deutschland bereits daran erfolgreich geforscht und gearbeitet wird.

    Zur erfolgreichen Energiewende gehöre auch, dass alle 16 Länder konstruktiv mitmachen, etwa beim Netzausbau. „Wir brauchen drei große Leitungen vom Norden in den Süden. Und es kann nicht sein, dass jedes neue Windrad mit Blumen und Sekt gefeiert wird und der Netzausbau zum Schmuddelkind der Energiewende wird.“ Mit seiner Strompreisbremse will Altmaier den Anstieg der Abgabe für regenerative Energien auf maximal 2,5 Prozent jährlich begrenzen. Zum Beispiel durch schrittweises Zurückführen der Subventionen.

    Eine halbe Stunde lang beantwortet er nach seinem Vortrag Fragen. Als Gastgeschenk überreicht Mechthild Heil ihm eine Eule aus Basalt. Beim Rausgehen sagt der Minister leise: „Jetzt habe ich heute sechs Stunden geredet.“ Da besteht Gefahr für komische Gefühle im Magen. Winfried Scholz

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