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Kell

Pilgerweg von Andernach nach Limburg geschaffen: Keller wandeln auf Spuren ihres Heiligen Lubentius

Martina Koch

Klaus Schumacher und Manfred Schlich aus Kell sind erfahrene Pilger: Zusammen nahmen sie bereits den Jakobsweg in Angriff und wanderten über den bekanntesten europäischen Pilgerweg bis ins spanische Santiago de Compostela, indem sie sich über mehrere Jahre verteilt nach und nach die einzelnen Streckenabschnitte vornahmen. An einem gemeinsamen Abend stellten sie sich vor einiger Zeit bei einem Bier eine Frage: „Warum gibt es eigentlich in Deutschland keine bekannten Pilgerwege?“ Kurzerhand beschlossen sie, selbst einen ins Leben zu rufen.

Klaus Schumacher (von links), Küster Dieter Patron und Manfred Schlich hat es der heilige Lubentius, der das Christentum nach Kell brachte, angetan.
Klaus Schumacher (von links), Küster Dieter Patron und Manfred Schlich hat es der heilige Lubentius, der das Christentum nach Kell brachte, angetan.
Foto: Martina Koch

Sie mussten nicht lange überlegen, welchem Heiligen sie die Wegstrecke widmen sollen: Lubentius, dessen Namen die Pfarrkirche ihrer Heimatgemeinde trägt, hat es den Pilgern angetan. Es gibt neben der Lubentiuskirche in Kell lediglich zwei weitere Kirchen, die dem Missionar geweiht sind, brachten sie in Erfahrung: in Kobern-Gondorf sowie in Dietkirchen an der Lahn. Also beschlossen sie, die Wirkstätten des heiligen Lubentius mit einem Wanderweg zu verbinden: Über rund 150 Kilometer führt der Lubentiusweg vom Andernacher Höhenstadtteil aus an die Mosel nach Kobern-Gondorf und von dort über Dieblich, Lahnstein, Bad Ems, Nassau und Diez bis in den Limburger Stadtteil Dietkirchen, wo die sterblichen Überreste des Heiligen bestattet sind.

Wer auf Lubentius' Spuren wandeln will, kann damit gleich zu Beginn der Strecke in der Keller Pfarrkirche beginnen. Der im vierten Jahrhundert geborene Heilige hat diese zu Lebzeiten nie betreten – die ältesten Bereiche des Sakralbaus entstanden Mitte des 18. Jahrhunderts. „Doch Lubentius ist sogar körperlich bei uns“, weiß Schlich. Die Gemeinde ist im Besitz einer Reliquie des Heiligen. Vermutlich handelt es sich dabei um einen Fingerknochen.

KIn der Keller Lubentiuskirche ist der Heilige in einem Fenster dargestellt, außerdem gibt es eine Reliquie in Form eines Fingerknochens.
KIn der Keller Lubentiuskirche ist der Heilige in einem Fenster dargestellt, außerdem gibt es eine Reliquie in Form eines Fingerknochens.
Foto: Martina Koch

Lubentius wurde vom Trierer Bischof Maximin als Seelsorger nach Kobern geschickt und soll von dort aus den christlichen Glauben auch nach Kell gebracht haben: „Wir Keller sagen: Er hat uns missioniert“, erzählt Egon Kulmus, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats. Ein Bildnis des Heiligen ist in einem Fenster im hinteren Teil der Kirche zu sehen, ansonsten erinnert in Kell, wo Lubens lange ein gängiger Vorname war, nicht viel an den Missionar.

Der Küster der Pfarrkirche, Dieter Patron, der sich ausführlich mit dem Wirken des Heiligen beschäftigte, bedauert dies: „Lubentius kommt mir hier zu kurz.“ Bei dem Heiligen, der der Überlieferung nach nicht nur in Kobern und Umgebung, sondern auch entlang der Lahn missionierte, muss es sich um eine interessante Persönlichkeit gehandelt haben, ist auch Pfarrgemeinderatsvorsitzender Kulmus überzeugt: „Dass er zu Zeiten des Römischen Reichs einfach den Rhein überquerte, um zu missionieren – das war damals nicht ungefährlich.“ Der Lubentiusweg führt die Pilger zu den Wirkstätten des Heiligen von der Mosel über den Rhein bis an die Lahn und ermöglicht es den Wanderern dabei, die vielfältigen Mittelgebirgslandschaften der Region zu erkunden: „Wir kamen aus der Eifel, gingen in den Hunsrück, von dort aus in den Westerwald und gelangten schließlich zu den Ausläufern des Taunus“, beschreibt Schlich, der die Strecke gemeinsam mit einigen Pilgerfreunden erstmals vor zwei Jahren in Angriff nahm.

Vermutungen nach könnte es sich auch bei dem Gemälde auf der Rückseite des Altarseitenflügels um ein Abbild des Heiligen handeln.
Vermutungen nach könnte es sich auch bei dem Gemälde auf der Rückseite des Altarseitenflügels um ein Abbild des Heiligen handeln.
Foto: Martina Koch

Für die Ausgestaltung des Wegs brauchten die erfahrenen Wanderer nicht lange: „Die Strecke hatten wir innerhalb einer Woche festgelegt“, erzählt Schumacher. Von Kell geht es zunächst über vorhandene Wanderwege an die Mosel. Ziel ist die Lubentiuskirche in Kobern, wo ebenfalls eine Reliquie des Heiligen – in diesem Fall in Form einer Segenshand – zu bewundern ist.

Hinter Lahnstein führt der Pilgerweg größtenteils über den Lahnhöhenweg in Richtung Limburg. Das Teilstück zwischen Mosel und Lahn bereitete den Pilgern allerdings etwas Kopfzerbrechen, da die Strecke nicht mitten durch die Großstadt Koblenz führen sollte: „Der Abschnitt von Kobern nach Lahnstein war etwas schwieriger zu finden“, erinnert sich Schlich. Die Pilger entschieden sich für eine Variante, die über den Remstecken um Koblenz herum, führt: „Der Abschnitt ist fordernd, aber auch schön“, beschreibt Schlich.

Die bei ihrer ersten Tour über den Lubentiusweg gesammelten Eindrücke haben die Pilger in Wort und Bild auf der Internetseite www.lubentiusweg.de verewigt, in der Hoffnung, dass sich dadurch noch weitere Wanderer dazu anregen lassen, auf den Spuren des Heiligen zu wandeln. Dort finden sich auch Karten, in denen die Strecke detailliert dargestellt ist. Lubentius' Leichnam soll seine letzte Reise an die Lahn im Übrigen von Kobern aus in einem unbemannten Kahn zurückgelegt haben. „Er schwamm gegen den Strom. Das passt ja auch ganz gut zu uns Kellern“, schmunzelt Schlich.

Von unserer Redakteurin
Martina Koch

Geübte Wanderer können den Lubentiusweg in sechs Etappen bewältigen

1. Etappe: Die Auftaktetappe führt von Kell über Miesenheim und Bassenheim nach Kobern-Gondorf. Ziel ist die dortige Lubentiuskirche. Die Etappe ist 26,3 Kilometer lang.

  • 2. Etappe: Von Kobern-Gondorf geht es über Dieblich und den Remstecken nach Koblenz auf das Oberwerth und von dort über den Rhein nach Lahnstein. Die Streckenlänge beträgt 20 Kilometer.
  • 3. Etappe: Von Lahnstein aus gelangen die Pilger über Friedrichssegen und Frücht nach Bad Ems. Dabei legen sie 16,6 Kilometer zurück.
  • 4. Etappe: Von Bad Ems führt der Lubentiusweg über einen oberhalb der Lahn gelegenen Höhenweg über Scheuern nach Obernhof. Die Strecke ist 23,1 Kilometer lang.
  • 5. Etappe: Von Oberhof wandern die Pilger nach Balduinstein, dabei führt die 19,2 Kilometer lange Strecke größtenteils durch oberhalb der Lahn gelegene Wälder.
  • 6. Etappe: Von Balduinstein geht es über Diez und Limburg nach Dietkirchen, wo die Pilger nach 17,6 Kilometern ihr Ziel erreichen: die Lubentiusbasilika mit der Grabstätte des Heiligen. mko
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