40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Mayen/Andernach
  • » Nachbarschaften in Andernach: Obere Kirchstraße spielt Schlüsselrolle
  • Aus unserem Archiv
    Andernach

    Nachbarschaften in Andernach: Obere Kirchstraße spielt Schlüsselrolle

    Die 17 Andernacher Nachbarschaften gehören seit Jahrhunderten zum traditionellen Gut der Bäckerjungenstadt. Heute geht es um die Obere-Kirchstraßen-Nachbarschaft.

    Die Nachbarschaft Obere Kirchstraße nimmt eine Schlüsselrolle in der Geschichte der Kernstadtnachbarschaften ein.
    Die Nachbarschaft Obere Kirchstraße nimmt eine Schlüsselrolle in der Geschichte der Kernstadtnachbarschaften ein.
    Foto: honorarfrei

    Die Beiträge stammen von einem rührigen Nachbarn: Heinz Wessels.

    Andernach. Die 17 Andernacher Nachbarschaften gehören seit Jahrhunderten zum traditionellen Gut der Bäckerjungenstadt. Die RZ widmet ihnen eine Serie, um die einzelnen Gruppen in ihrer Entstehung nachzuzeichnen. Die Beiträge stammen von einem rührigen Nachbarn: Heinz Wessels. Heute geht es um die Obere-Kirchstraßen-Nachbarschaft.

    Sie nimmt eine Schlüsselrolle in der Geschichte der ursprünglich 13 Andernacher Kernstadtnachbarschaften ein. Sie lag innerhalb der umwehrten Stadt und umfasste das Gebiet vom Mariendom (einschließlich des Klosters der Servitessen) bis zur Stadtbefestigung in süd-westlicher Ausdehnung. Zusätzlich gehörten zu ihr jene Bürger, die außerhalb des ummauerten Stadtbezirkes wohnten, wie die Müller (Mühlen), Bauchmüller, Hackenmüller, Thomasmüller und Ölmüller. Sie betrieben an den in die Stadt fließenden Gewässern ihre Mühlenwerke. Die große räumliche Ausdehnung der Nachbarschaft war entscheidend dafür, dass man zwei Schultheiße wählte: einen für die Gemeinschaft in der Stadt und einen für die Nachbarn außerhalb der Mauern.

    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als sich die Stadt weiter entwickelte, sind durch Zellteilungen der Oberen-Kirchstraßen-Nachbarschaft die großen Gemeinschaften außerhalb des alten Stadtgebietes entstanden: wie die Johannes- und die St.-Martin-Nachbarschaft, später dann die Martinsberg-Nachbarschaft.

    Die ersten urkundlichen Erwähnungen der Nachbarschaft stammen aus einer Steuerliste von 1670/71. Dort wird sie mit den Kernstadtnachbarschaften erwähnt. Weiteres Material fehlt. Lückenlose schriftliche Aufzeichnungen gibt es erst ab dem Chronikbuch von 1715. Ein viel früheres Bestehen ist wahrscheinlich, da in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges viele Aufzeichnungen verloren gingen.

    Aber schon die übergroße Ausdehnung des Nachbarschaftsgebietes im 17. Jahrhundert führte zu einer einzigartigen Sitte. Am Fastnachtsmontag, einen Tag nach dem Gelog mit Schultheißenwahl, holte der alte Schultheiß mit seinem Knecht den Lastesel des Bauchmüllers aus dem Stall. Zusammen mit dem neuen Knecht ritt der neue Schultheiß die Grenzen des Nachbarschaftsareals ab; nach dem Motto: "Schaut her: Wir sind die Neugewählten.'' Diese Sitte wird im Nachbarschaftsbuch 1737 erstmals erwähnt und als alter Brauch bezeichnet. In den Jahren, in der das Eselreiten ausfiel, bezahlte der Bauchmüller der Nachbarschaft beim Gelog anderthalb Maß Wein.

    Mit Rechtsstreitigkeiten zwischen der Kreynborner- und der Oberen-Kirchstraßen-Nachbarschaft beginnt 1715 das älteste Nachbarschaftsbuch der Oberen Kirchsträßer. Es dokumentiert das Geschehen bis 1831. Die an die Obere-Kirchstraßen- angrenzende Kreynborner-Nachbarschaft (identisch mit der heutigen St.-Quirinus-Nachbarschaft) führte einen Rechtsstreit wegen eines steinernen Brunnentroges. Dieser sollte gemeinsam bezahlt werden, weil beide ihn nutzen. Der Streit eskalierte, sodass die Kreynborner vor der Stadt ihr Recht einforderten. Diese ordnete an, sich zu einigen und den Kreynbornern den pflichtigen Anteil zu zahlen. Der Notar Richard Sachs stellte darüber einen Ratsschein aus. Wendelin Sattler, Amtmann der Kreynborner und selbst Notar, fertigte eine beglaubigte Abschrift für die Obere Kirchstraße an, die sich heute noch als Original im Chronikbuch von 1715 befindet. Man musste also zahlen.

    Die Nachbarschaft der Oberen Kirchstraße ist heute eine engagierte Gemeinschaft mit einem rührigen Schöffenstuhl, dem seit 2012 Jürgen Altenhofen als Amtmann vorsteht. Das Jahresprogramm umfasst Veranstaltungen, Ausflüge und Informationsfahrten. Alle zwei Jahre findet das stadtbekannte Sommerfest statt, bei dem sich die Nachbarschaft einbringt. Ein wichtiges Ziel der Nachbarschaft ist es heute, Neubürger zu integrieren und den Kontakt unter den Anwohnern zu vertiefen. Für das Kreuz am Kastanienbaum ist die Nachbarschaft verantwortlich und sie unterstützt finanziell die Fördervereine der evangelischen und der katholischen Kirche, des Krankenhauses und zweier Andernacher Altenheime. kaf

    450 Mitglieder

    Die Nachbarschaft zählt heute 450 Mitglieder. Kontakt zum Amtmann: Jürgen Altenhofen, Auf der Schmitt 32 a, Tel. 02632/444 24, E-Mail: michael.j@obere-kirchstrassen-nachbarschaft.de

    Andernach: Fischgassennachbarschaft trotzte dem Hochwasser Andernacher Nachbarschaften: In der Rheinstraße war immer was los St.-Genoveva-Nachbarschaft in Andernach wurde auch Keks genannt Nachbarschaften in Andernach: Burgtornachbarschaft ist schon 500 Jahre alt Mehrere Nachbarschaften in Andernach schlossen sich zur Eisengasse-Kramgasse-Kreuzmarkt-Nachbarschaft zusammenweitere Links
    Mayen-Andernach
    Meistgelesene Artikel
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    Anzeige
    Mayen: 725 Jahre Stadt
    epaper-startseite
    Regionalwetter
    Mittwoch

    10°C - 20°C
    Donnerstag

    12°C - 20°C
    Freitag

    12°C - 17°C
    Samstag

    11°C - 16°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige