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    Mayener Archäologin macht spektakuläre Entdeckung

    Die römische Geschichte muss in Teilen neu geschrieben werden. Das liegt an den Forschungsergebnissen von Dr. Sibylle Friedrich.

    Mayen/Weißenthurm - Die römische Geschichte muss in Teilen neu geschrieben werden. Das liegt an den Forschungsergebnissen von Dr. Sibylle Friedrich.

    Die Archäologin, die in der Forschungsstelle Vulkanismus, Archäologie und Technikgeschichte (VAT) auf dem Mayener Grubenfeld arbeitet, hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Keramik befasst, die zu Beginn des ersten Jahrtausends in einer römischen Siedlung bei Weißenthurm gefertigt wurde. Friedrich fand heraus, dass diese sogenannte Urmitzer Ware über einen wesentlich längeren Zeitraum produziert wurde als bisher angenommen. Um nun weitere Fragen zu klären, fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ein Folgeprojekt in den kommenden drei Jahren mit insgesamt 245 000 Euro.

    Die Urmitzer Ware ist in der Archäologie von großer Bedeutung. Besonders häufig wurde sie am Kastell Niederbieber entdeckt, das um das Jahr 185 entstand. Daher ging die bisherige Forschung davon aus, dass die Produktion bei Weißenthurm in etwa zur selben Zeit begann und bis zum Fall des Limes im Jahr 260 andauerte. Da sich die Urmitzer Ware überdies von anderen Keramiken deutlich unterscheidet und deshalb leicht zu identifizieren ist, haben Archäologen sie als sogenanntes chronologisches Leitfossil verwendet: Sie nutzen die Keramik, um Fundstellen zeitlich einzuordnen. Entdeckten Archäologen bei einer Grabung beispielsweise Krüge und Teller, die in der Weißenthurmer Töpferei hergestellt worden waren, stand für sie fest, wann die Römer am Grabungsort präsent waren – nämlich in der Zeit zwischen den Jahren 185 und 260.

    Diese vermeintliche wissenschaftliche Tatsache lässt sich nach den Erkenntnissen von Sibylle Friedrich nun nicht mehr aufrechterhalten. In ihrem Forschungsprojekt „Die Töpfereien von Weißenthurm“ befasste sie sich eingehend mit den Funden, die bei Grabungen nahe der Kapelle „Am guten Mann“ in den Jahren 1974 und 1975 gemacht worden waren. Seinerzeit hatten Archäologen das Gebiet untersucht, bevor der Bau des Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich begann. Rund 35 Jahre später machte sich Friedrich daran, diese Funde genau zu analysieren.

    Dabei gelangte sie zu dem Ergebnis, dass die Produktion in der Weißenthurmer Töpferei deutlich vielfältiger gewesen ist als bisher angenommen. In Weißenthurm wurde nicht nur Kochgeschirr produziert, die klassische Urmitzer Ware, die vor allem das römische Militär verwendete. Die Archäologin stieß bei ihrer Analyse der Funde auch auf glattwandige Krüge und feine Trinkbecher, die eine zivile Nutzung nahelegen. „Die Produktpalette wurde erweitert. Das ist ein absolutes Novum“, berichtet Friedrich.

    Hinzu kommt, dass Archäologen bei neueren Funden im In- und Ausland Keramik aus Weißenthurm entdeckt haben, die zum einen auf ein Fortbestehen der Produktion noch im 4. Jahrhundert hindeuten. Zum anderen war nicht klar, dass die Urmitzer Ware eine so weite geografische Verbreitung hatte und in mehrere römische Provinzen exportiert wurde.

    So hat das abgeschlossene Forschungsprojekt über die Töpfereien neben bahnbrechenden Erkenntnissen auch viele neue Fragen aufgeworfen: In welchen Zeitraum wurde in Weißenthurm tatsächlich produziert, wann begann der Export, wer waren die Abnehmer? Diese und andere Fragen mehr soll nun das Folgeprojekt klären, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft für drei Jahren mit annähernd einer Viertelmillion Euro fördert.

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