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Andernach

Letzter Gottesdienst im November: Andernacher Kirche St. Albert schließt bald für immer ihre Pforten

Martina Koch

Die letzten Monate der Kirche St. Albert haben begonnen: Der große Basaltaltar hat seinen angestammten Platz an der Stirnseite der Andernacher Hallenkirche bereits verlassen – er wird derzeit zu einem neuen Altar für die Michaelskapelle umgearbeitet, wo die Gemeindemitglieder künftig ihre Vorabendmessen feiern werden. Unsere Zeitung hat mit Pastor Stefan Dumont über den Abschied von dem Gotteshaus und den Neubeginn in St. Michael gesprochen.

Am letzten Sonntag im November kommen die Gemeindemitglieder ein letztes Mal zu einem Gottesdienst in St. Albert zusammen – keine 70 Jahre nachdem das Gebäude geweiht wurde.
Am letzten Sonntag im November kommen die Gemeindemitglieder ein letztes Mal zu einem Gottesdienst in St. Albert zusammen – keine 70 Jahre nachdem das Gebäude geweiht wurde.
Foto: Martina Koch

Auf den Weggang aus St. Albert bereitet Pastor Dumont seine Gemeinde bereits seit einigen Monaten behutsam vor: Bei den „Weißt-du-noch-Abenden“, zu denen der Pfarrgemeinderat mehrmals eingeladen hatte, kamen die Gläubigen zusammen, um ihre Erinnerungen an die Zeit in der 1954 geweihten Kirche zu teilen. Beim jüngsten Abend Ende August standen die aufwendig gestalteten Fenster, für die einst viele Gemeindemitglieder gespendet hatten, im Zentrum. 60 Menschen versammelten sich zu dem Vortrag in der Kirche. Es handelte sich um einen der seltenen Momente, in denen die Abschiedsstimmung greifbar war: „Ansonsten merkt man kaum was davon, das ist eigentlich schade“, bedauert Dumont.

An den Dimensionen von St. Albert lässt sich ablesen, wie stark sich das Gemeindeleben in den vergangenen Jahrzehnten wandelte: Einst stand der langgezogene Raum voller Kirchenbänke, auf denen zu drei Gottesdiensten an den Wochenenden Gläubige Platz nahmen. „So voll bekommen wir die Kirche nicht mehr, da muss man realistisch sein“, sagt Dumont. Im März vergangenen Jahres fiel die Entscheidung, den Bistumszuschuss für die Pfarrkirche St. Albert auf die Michaelskapelle zu übertragen, um die aufwendige und kostspielige Sanierung in Angriff nehmen zu können.

St. Michael wurde vor rund 800 Jahren als Friedhofskapelle errichtet und gehört neben dem nordöstlichen Wehrturm zu den beiden erhaltenen Gebäuden der Abtei St. Thomas zu Andernach. Rund 50 Gläubige finden in der Kapelle Platz – mehr kommen bei den Vorabendmessen in St. Albert momentan auch nicht zusammen. „Das Ausweichquartier ist wie ein Sechser im Lotto“, betont Dumont. Die Gemeinde bleibt dadurch erhalten und wird weiter in gewohnter Runde Gottesdienste feiern können.

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Umnutzung von Kirchen: Was geht und was gar nicht?

Im November wird in der Andernacher Kirche St. Albert der letzte Gottesdienst gefeiert. Dann wird die Kirche profaniert. Dieses Schicksal ereilt heute immer mehr Gotteshäuser. Und dann stellt sich die Frage: Was geschieht mit den Gebäuden? Die Umnutzungsmöglichkeiten sind vielfältig. Aber was geht? Und was gar nicht?

Eine Umnutzung als Urnenstätte finde ich okay.
18%
35 Stimmen
Als Kunstraum oder Galerie könnte ich mir die alte Kirche vorstellen..
31%
60 Stimmen
Eine Umnutzung als Restaurant oder Diskothek käme für mich infrage.
13%
25 Stimmen
Eine Umnutzung als Jugendherberge finde ich sinnvoll.
4%
8 Stimmen
Kirchen sollten Kirchen bleiben. Eine Umnutzung fände ich merkwürdig.
17%
34 Stimmen
Für besinnliche Zwecke kann die ehemalige Kirche ruhig genutzt werden. Laute Musik oder Partys fände ich aber unangemessen.
17%
34 Stimmen

Dennoch fällt dem Pastor der Abschied nicht leicht: „Dass man selbst auch Kirchen schließen muss, habe ich vor 20 Jahren nie erwartet.“ Die jetzt anstehende Profanierung von St. Albert zeigt nicht zuletzt, dass selbst in einer traditionsreichen Institution wie der katholischen Kirche in einigen Bereichen inzwischen eine gewisse Schnelllebigkeit eingekehrt ist: „Eine Kirche wie St. Albert, die man auf Jahrhunderte denkt, hat auf einmal eine Halbwertszeit von gerade mal 70 Jahren.“

Voraussichtlich am Sonntag, 25. November, wird die Gemeinde ein letztes Mal zu einem Gottesdienst in St. Albert zusammenkommen. Viel länger wäre das Gebäude auch kaum nutzbar: Die Heizung ging vor zwei Jahren kaputt, provisorische Lösungen zur Beheizung des Raums überzeugten nicht. Deswegen wird die Gemeinde ihrer Pfarrkirche noch vor Einbruch des Winters einen würdigen Abschied bereiten.

Weihbischof Jörg Michael Peters kommt aus diesem Anlass nach Andernach, und der Kirchenchor von St. Albert singt ein letztes Mal in „seiner“ Kirche. Pastor Dumont rechnet damit, dass viele Gemeindemitglieder die Möglichkeit nutzen werden, sich von dem Gotteshaus zu verabschieden.

Zum Abschluss des Gottesdiensts wird das bischöfliche Dekret verlesen, mit dem die Kirche profaniert wird. Das liturgische Gerät wird im Anschluss in einer Prozession aus St. Albert getragen und in die nur wenige hundert Meter entfernt liegende Michaelskapelle gebracht. Danach gibt es für die Gottesdienstbesucher die Möglichkeit, im Pfarrsaal des Thomas-Becket-Hauses noch etwas Zeit miteinander zu verbringen.

Die Einweihung der Michaelskapelle soll schließlich zu einem anderen Zeitpunkt, voraussichtlich am zweiten Dezemberwochenende, gefeiert werden. „Beide Kirchen haben es verdient, dass man da nichts vermengt“, betont Pastor Dumont.

Mehr zur Zukunft des Kirchengebäudes von St. Albert lesen Sie in einer der kommenden Ausgaben.

Von unserer Redakteurin
Martina Koch
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