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Mendig

Leidenschaft für Vulkane: Heinz Lempertz tritt in die zweite Reihe

Melanie Schröder

Wer Heinz Lempertz kennt, weiß: In ihm brodelt es. Über seine Leidenschaft braucht man den Mendiger nicht lang befragen, denn sie durchdringt jeden Satz, den er über einen entscheidenden Teil seines Lebenswerkes verliert – die Deutsche Vulkanologische Gesellschaft (DVG) und das Dr.-F.-X.-Michels-Institut in Mendig.

Und das klingt dann so: „Unsere Teilnahme an der Expo 2000 war einfach sagenhaft“, „Diese Sammlung an Mineralien ist der Wahnsinn“, „Mit diesem Werkzeug sind die Lavakeller in Mendig entstanden, können Sie das glauben?“ oder: „Es ist ein Wunder, dass ein Verein, der mit sieben Mitgliedern gegründet wurde, heute 650 zählt.“

Auf sein quirliges Naturell angesprochen, reagiert Lempertz besonnen: „Nun ja, ein Vulkanologe, der nicht sprudelt, das würde doch gar nicht passen.“ Wie wahr. Wer seine Silberhochzeit aneinandergekuschelt auf dem Stromboli in Italien feiert, dessen Herz schlägt eindeutig für Vulkane.

Seit 30 Jahren hat sich der heute 75-Jährige dem Eifeler Vulkanismus verschrieben und im Ehrenamt von Mendig aus internationale Forschungsarbeit angestoßen. Natürlich nicht im Alleingang, wie er betont. Jetzt sei es für ihn an der Zeit, Platz zu machen. Aus dem Vorstand der DVG ist er bereits im November zurückgetreten, um das Amt in jüngere Hände zu geben. „Aber ich höre nicht auf. Wenn man so eine Sache 30 Jahre begleitet, kann man nie ganz aufhören.“ Nur die erste Reihe muss es für ihn eben nicht mehr sein.

Dort stand er schließlich auch lang genug. Und Schuld daran war eine einzige schicksalshafte Begegnung in den 1980er-Jahren. „Eigentlich habe ich mich für Geologie nie besonders interessiert, aber dann habe ich Dr. Hans-Ulrich Schmincke getroffen, einen der weltweit bedeutendsten Vulkanologen“, erinnert er sich an das erste Treffen mit dem heutigen Ehrenvorsitzenden der DVG. Bei einem Bier saßen sie zusammen, als das Feuer des Wissenschaftlers auf Lempertz übersprang. „Er hatte die Vision von einem Vulkanpark in Mendig nach dem Vorbild des Vulkanmuseums in der Auvergne in Frankreich.“

Lempertz blickt heute stolz auf das Erreichte zurück

Sie fuhren hin, kehrten begeistert zurück und die Geschichte nahm ihren Lauf: 1987 erfolgte der Eintrag der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft ins Amtsregister. Das Jahr 2017 steht somit unter dem Stern des 30-jährigen Vereinsbestehens. Selbstverständlich blickt Lempertz heute stolz auf das Erreichte zurück. Dabei mag einem die Vergangenheit manchmal allzu unwirklich vorkommen. Denn in den 1980er-Jahren war das Wissen über die Vulkanologie überschaubar. „Anfang der 80er gab es einen einzigen 16-mm-Film über Vulkane, und wir waren froh, wenn wir eine Postkarte mit einer Vulkanansicht in den Händen halten konnten.“ Der Wissensaustausch genoss von daher stets oberste Priorität im Wirken des Vereins. Der erste Mainzer Vulkanologenkongress, den die Gesellschaft 1991 ins Leben rief, gilt nach Lempertz als Meilenstein in puncto internationaler Zusammenarbeit. Errungenschaften für die Region wie der Lava-Dome in Mendig oder Terra Vulcania in Mayen stünden zudem für sich.

Als Aufgabe bezeichnet es der Ehrenvorsitzende Lempertz nach wie vor, das Wissen über die Vulkane zu bewahren, weiterzugeben und zu vertiefen. Um diesem Ziel gerecht werden zu können, regte er 2013 die Gründung des Dr.-F.-X.-Michels-Institutes an, dessen Leitung er auch weiterhin inne hat.

Wertvolle Mineraliensammlung ist Herzstück des Instituts

Das Institut soll die Gesellschaft in die Zukunft führen. Dort finden unter anderem Vorträge und Schulungen für Hobby-Vulkanologen, Studenten und Fachexperten aus aller Welt statt. Zudem werden in den Räumen Mineralien, Werkzeuge und Fachliteratur archiviert. Das besondere Herzstück des Anwesens: das alte Museum des Ingenieurs Dr. Michels mit einer wertvollen Mineraliensammlung, in das das Institut am 1. April einen Einblick gewährt. Wenn man Lempertz nach einem letzten persönlichen Höhepunkt im Wirken der Gesellschaft fragt, antwortet dieser sofort: Erst im Herbst wurde ein Wissenschaftsbeirat begründet, der die vulkanologische Forschung verschiedenster Fakultäten in ganz Deutschland vernetzen soll. Sieben Mitglieder hat der Beirat bereits; Geologen, Mineralogen, Geografen, Physiker, Biologen sowie Umweltmediziner arbeiten in diesem Projekt Seite an Seite. Noch vor dem Vereinsjubiläum hat sich die DVG mit dieser Initiative also selbst ein Geschenk gemacht.

Und weitere sollen folgen. Wenn es nach Lempertz geht, dann soll die Zukunft vor allem eins bereithalten: weiterhin viele inspirierende Begegnungen.

Die Termine der DVG sind im Internet unter der Adresse www.vulkane.de zu finden.

Von unserer Redakteurin Melanie Schröder

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