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Mendig

Interview: Der Lava-Dome in Mendig feiert seinen zehnten Geburtstag

Insgesamt haben schon mehr als 600 000 Menschen den Lava-Dome in Mendig besucht. Daran, dass das Museum gebaut wurde, hat Mendigs früherer Stadtbürgermeister Achim Diensberg einen großen Anteil. Die RZ hat mit ihm zurückgeblickt.

Mendigs ehemaliger Stadtbürgermeister ist einer der Väter des Lava-Domes, der sich zu einer touristischen Institution entwickelt hat. Das Vulkan-Museum feiert in diesen Tagen sein zehnjähriges Bestehen.
Mendigs ehemaliger Stadtbürgermeister ist einer der Väter des Lava-Domes, der sich zu einer touristischen Institution entwickelt hat. Das Vulkan-Museum feiert in diesen Tagen sein zehnjähriges Bestehen.
Foto: Hilko Röttgers

Der Lava-Dome in Mendig feiert seinen zehnten Geburtstag. Das Vulkan-Museum hat sich zu einer der wichtigsten touristischen Einrichtungen der Region entwickelt. Insgesamt haben schon mehr als 600 000 Menschen den Lava-Dome besucht. Daran, dass das Museum gebaut wurde, hat Mendigs früherer Stadtbürgermeister Achim Diensberg einen großen Anteil. Die RZ hat mit ihm zurückgeblickt und über die Entstehung des Lava-Domes gesprochen.

Herr Diensberg, als ehemaliger Stadtbürgermeister von Mendig sind Sie einer der Väter des Lava-Domes. Wie ist die Sache damals entstanden?

Ich bin 1999 ins Amt gekommen. Da waren die ersten Ideen schon da, dass man etwas machen müsste, um mit dem Tourismus ein weiteres Standbein für Mendig zu schaffen. Der Lava-Dome war dann eine Idee von Frank Neideck [Leiter der Stabsstelle Tourismus bei der Verbandsgemeinde Mendig] und mir. Wir haben in die Zukunft geblickt, eine Vision entwickelt und etwas ausgeheckt.

Klingt eigentlich ganz einfach …

Ganz so einfach war es natürlich nicht. Es war anfangs problematisch, weil die Grundstücksfrage nicht geklärt war. Unsere erste Überlegung war, das Museum im Hof Michels einzurichten. Wir waren mit den Verhandlungen schon so weit, dass wir beim Notar saßen. Da wurden dann aber plötzlich weitere Forderungen gestellt. Deshalb haben wir die Verhandlungen abgebrochen.

Also brauchten Sie einen neuen Plan.

Der neue Plan sah vor, ein städtisches Gelände zwischen Brauerstraße und Laacher-See-Straße zu nutzen. Dort hatte aber der Tennisclub Mendig seine Plätze. Also haben wir eine Vereinbarung getroffen: Die Stadt baut dem Verein neue Plätze und kann dafür das Grundstück nutzen. Und da steht der Lava-Dome jetzt auch.

Von der Idee eines Vulkan-Museums waren sicher nicht alle Mendiger von Anfang an überzeugt, oder?

Das stimmt. Da war ja die Frage: Was kostet so ein Ding? Da waren wir schnell bei zwei, zweieinhalb Millionen Euro. Und die Leute haben gesagt: Das kann der Diensberg doch nicht machen! Das ist verrückt, als Kleinstadt so ein Risiko einzugehen. Widerstand gab es später auch bei der Außengestaltung. Da sollte sich das Thema Vulkanismus widerspiegeln. Also habe ich Lava-Rot als Farbe vorgeschlagen. Das gab im Stadtrat einen Zirkus! Da musste man dann versuchen, die Leute mit Argumenten zu überzeugen. Und das hat ja auch geklappt. Die wichtigen Beschlüsse wurden, nachdem man vorher kontrovers diskutiert hat, einstimmig gefasst. Und man muss auch sehen, dass die Personen, die an dem Projekt gearbeitet haben, ein gutes Verhältnis hatten. Das war bei Jörg Lempertz [VG-Bürgermeister], Heinz Lempertz [Deutsche Vulkanologische Gesellschaft], Frank Neideck und mir der Fall. Wir haben nicht gegeneinander gearbeitet, sondern an einem Strang gezogen. Das hat super geklappt.

Hatten Sie keine Bedenken, dass sich Mendig mit so einem Projekt übernehmen könnte?

Natürlich war das damals für eine kleine Stadt wie Mendig eine Riesengeschichte. Aber: Ohne den Mut zu haben, so etwas anzugehen, passiert auch nichts. Und wir waren nicht leichtfertig. In der Bauphase war ich zwei-, dreimal die Woche am Bau, um zu sehen, wie es vorangeht. Und ich hatte wöchentlich einen Termin mit dem Architekten, um auch zu prüfen, dass uns die Kosten nicht weglaufen. Das hat geklappt. Am Ende hatten wir Mehrkosten von gerade einmal 2,2 Prozent.

Aber das bedeutet ja nicht, dass der Lava-Dome als Museum funktioniert, dass die Leute die Einrichtung auch annehmen.

Mir war klar, dass es funktioniert, wenn wir etwas machen, dass es so noch nicht gibt. Wir wollten kein Museum, in dem die Leute an Vitrinen vorbeigehen. Wir wollten, dass die Besucher den Vulkanausbruch erleben können. Und daran haben wir gearbeitet, zusammen mit einer Stuttgarter Firma. Das war eine tolle Mannschaft, ganz junge Leute. Wir hatten ein super Verhältnis. Und Frank Neideck war ein Ass darin, solche Ideen zu entwickeln. Er ist auch oft nach Stuttgart gefahren, um diese Dinge direkt mit der Firma zu besprechen. Und die jungen Leute haben das toll umgesetzt. Das war unser Kind, das hat uns Spaß gemacht! Außerdem hatten wir in Mendig schon ein gutes Fundament mit der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft. Die DVG war als Verein im Hof Michels tätig und hatten damals schon 15 000 bis 20 000 Besucher im Jahr. Darauf konnten wir aufbauen. Auch auf die Erfahrung mit dem Thema, die die DVG hat. Das kam uns bei den Führungen zugute, die die Mitglieder der DVG übernommen haben. Das hat alles wunderbar funktioniert, und wir waren froh, dass wir die DVG hatten.

Jetzt wird der Lava-Dome zehn Jahre alt. Fühlen Sie sich im Nachhinein bestätigt?

Jetzt zeigt sich, dass der Lava- Dome ein enormer Gewinn für die Region ist. Nicht nur wegen der inzwischen 600 000 Besucher und der eingenommenen Eintrittsgelder. Sondern auch, weil dadurch viele neue Kunden nach Mendig gekommen sind, die vielleicht noch ins Brauhaus gehen oder in die Innenstadt und dort auch noch Geld ausgeben. Heute ist kein Mensch mehr gegen den Lava-Dome. Der würde auch sofort gesteinigt.

Also ist alles in bester Ordnung?

Grundsätzlich finde ich: Es ist gelungen. Vielleicht hätte man in der Weiterentwicklung noch etwas mehr machen können, um den Lava-Dome attraktiv zu halten. Da ist ein bisschen Stillstand. Vielleicht könnte die Show auch noch ein bisschen spektakulärer sein, zum Beispiel mit Schwefelgeruch. Aber dann müsste man eine Absauganlage einbauen, und das wäre mit hohen Kosten verbunden, also kann ich verstehen, dass man da Nein sagt.

Mit welchem Gefühl betrachten Sie den Lava-Dome heute?

Ich freue mich immer, wenn ich da vorbeigehe und sehe, dass es so gut läuft.

Das Gespräch führte unser Redakteur Hilko Röttgers.

Abwechslungsreiches Programm zum Geburtstag

Seinen zehnten Geburtstag feiert der Lava-Dome am Wochenende, 1. und 2. August, mit einem abwechslungsreichen Programm. An beiden Tagen gibt es auf alle Tagestickets 25 Prozent Rabatt. Am Lava-Dome wird eine kleine Kirmes aufgebaut mit Karussell, Western-Grill, Crêperie, Süßwarenstand, Luftballonwettbewerb, Kinderschminken und Spielemobil. Auf der Museumslay öffnet eine Glückshufeisenschmiede, im Hof Michels wird ein Edelsteinwaschen angeboten, und die Deutsche Vulkanologische Gesellschaft erwartet ebenfalls an beiden Tagen die Besucher in ihrem Franz-Xaver-Michels-Institut mit viel Interessantem rund um den Verein und den Vulkanismus. Das Vulkan-Museum kann zwischen 10 und 17.30 Uhr besichtigt werden. Führungen durch das Basaltlavabergwerk sind um 12, 13.30, 15 und 16.30 Uhr. Weitere Infos unter www.lavadome.de

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