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Andernach

Immerather Dom nach Andernacher Vorbild erbaut: Der Mariendom verliert sein Pendant

Martina Koch

Vielen Andernachern, die in den vergangenen Tagen die überregionalen Nachrichten verfolgten, ist es aufgefallen: Der Immerather Dom in Nordrhein-Westfalen, der Anfang der Woche abgerissen wurde, weil der Braunkohle-Tagebau Garzweiler erweitert wird, ähnelte dem Andernacher Mariendom auf frappierende Art und Weise.

So sah die Fassade des Immerather Doms kurz vor dem Abriss aus. Der Architekt hatte sich beim Entwurf der Kirche am Andernacher Mariendom orientiert.
So sah die Fassade des Immerather Doms kurz vor dem Abriss aus. Der Architekt hatte sich beim Entwurf der Kirche am Andernacher Mariendom orientiert.
Foto: dpa/Henning Kaiser

Das ist laut dem Historiker Dr. Rudolf Schmidt aus Köln, der sich an unsere Zeitung wandte, keineswegs ein Zufall: Sein Urgroßonkel Erasmus Schüller plante den Bau der Kirche als Architekt und orientierte sich beim Entwurf der neoromanischen Basilika am Andernacher Mariendom: „Auch wenn sich der Bau in seinen Details deutlich unterschied, war das Vorbild Andernach unverkennbar“, erklärt Schmidt.

Erasmus Schüller
Erasmus Schüller
Foto: privat

Besonders die Doppelturmfassade beider Bauwerke ähnelt sich stark. Dabei trennen beide Kirchen rund acht Jahrhunderte: Um 1200 ließ der Erzbischof und Kurfürst von Trier Johann I. die heutige Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Andernach errichten. Die Arbeiten an dem später als Immerather Dom bekannten Bauwerk begannen ab 1888. Die Kirche erhielt eine Fassadenverkleidung aus Tuffstein – ein Baustoff, der seinerzeit auch im Andernacher Mariendom verbaut worden war.

Dem Architekten Erasmus Schüller, der sich bei seinem Entwurf vom Andernacher Dom inspirieren ließ, brachte der Auftrag indes kein Glück: In der Familie kursiert die Geschichte, dass er sich beim Baustellenbesuch auf dem zugigen Gerüst eine Lungenentzündung zuzog. Er starb daraufhin im Alter von nur 29 Jahren und erlebte die Fertigstellung des Immerather Doms im Jahr 1891 nicht mehr mit.

Als Landmarke im niederrheinischen Tiefland zwischen Mönchengladbach und Erkelenz war der Immerather Dom weithin bekannt, entsprechend betroffen reagierten die Bewohner der Region, als die Kirche nach rund 120 Jahren dem Tagebau weichen musste. Bereits im Oktober 2013 wurde der Immerather Dom feierlich entwidmet, die Bewohner des Örtchens wurden umgesiedelt.

Rudolf Schmidt, dessen Vorfahre den Dom entwarf, fuhr Anfang der Woche nach Immerath, um den Abriss mitzuverfolgen. Zunächst waren für die Arbeiten zwei Wochen einkalkuliert worden, am Ende ging alles rasend schnell, berichtet der Kölner: „Drei Jahre wurde an dem Dom gebaut, am Ende reichte ein Arbeitstag, um ihn dem Erdboden gleichzumachen.“ Wie viele Menschen aus der Region so ließ auch Schmidt der Anblick der Abrissbagger, die sich an den Türmen des Doms zu schaffen machten, nicht kalt: „Da verschwindet ein Stück Familiengeschichte.“

Von unserer Redakteurin Martina Koch

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