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    Hoch hinaus: Erkletterte Inklusion im Kandi-Turm

    Sie wollen alle hoch hinaus: Zehn Kinder stürmen den Andernacher Kandi-Turm, um zu klettern. Das Besondere an dem Kurs: Beeinträchtigter und nicht beeinträchtigter Nachwuchs übt gemeinsam an den steilen Wänden.

    Das Team, die Eltern und vor allem die Kinder freuen sich über den inklusiven Kletterkurs im Andernacher Kandi-Turm. Mit im Bild: Kandi-Turm-Chefin Helga Pellenz (2. Reihe, 1. von links), Projektleiterin Mareike Nelles (2. von links), Heilpädagogin Nicole Ling (2. Reihe, 2. von links), Trainer Lukas Hertz (2. Reihe, 3. von links), Ergotherapeut Christopher Nink (2. Reihe, rechts) und Alfred Langen von Special-Olympics Rheinland-Pfalz, die für die Verwaltung der Spendengelder zuständig ist (hinten links).  Fotos: Katharina Demleitner
    Das Team, die Eltern und vor allem die Kinder freuen sich über den inklusiven Kletterkurs im Andernacher Kandi-Turm. Mit im Bild: Kandi-Turm-Chefin Helga Pellenz (2. Reihe, 1. von links), Projektleiterin Mareike Nelles (2. von links), Heilpädagogin Nicole Ling (2. Reihe, 2. von links), Trainer Lukas Hertz (2. Reihe, 3. von links), Ergotherapeut Christopher Nink (2. Reihe, rechts) und Alfred Langen von Special-Olympics Rheinland-Pfalz, die für die Verwaltung der Spendengelder zuständig ist (hinten links). Fotos: Katharina Demleitner
    Foto: kde

    Von unserer Mitarbeiterin Katharina Demleitner

    Das Konzept des Inklusionsangebotes beweist dabei nicht nur, welche Fähigkeiten trotz aller Einschränkungen in den Teilnehmern stecken. Die Erfolge stärken auch Motorik und Selbstwertgefühl - und vor allem haben alle Kinder richtig viel Spaß. Kein Wunder, dass die Kurse, die das sechsköpfige Team seit knapp einem Jahr anbietet, förmlich überrannt werden.

    Jan setzt den linken Fuß auf den ersten Tritt, seine Hände fassen die Griffe. Der 14-Jährige ist körperbehindert. "Bis nach oben komme ich auf jeden Fall", ist er sich sicher. Und behält Recht: Strahlend winkt der Jugendliche von der Decke der Kletterhalle. "Erst war Jan skeptisch, aber jetzt ist er total begeistert", berichtet Mutter Daniela Dobias. Sie ist froh, ein Sportangebot für ihren Sohn gefunden zu haben, denn "in normalen Sportvereinen ist das extrem schwierig". Beim Klettern muss Jan beide Hände bewegen, er stärkt seine Motorik, wozu er sonst wenig Gelegenheit hat.

    Dass sich Laura bewegt, ist auch für Stefanie Krummenauer entscheidend. Ihrer Tochter fehlt die Muskelspannung und das Sättigungsgefühl. "Der Kletterkurs vermittelt ihr, dass sie etwas kann, gleichzeitig baut sie enorm Druck ab", hat Lauras Mutter beobachtet. Entscheidend fürs Mitmachen sei, dass die Pubertierende Vertrauen hat: "Das Team ist einfach toll."

    Zuständig für die Kinder ist Trainer Lukas Hertz. Ihm zur Seite stehen Heilpädagogin Nicole Ling und Ergotherapeut Christopher Nink. "In dem Kurs geht es weniger um sportliche Leistung als vielmehr um pädagogische und therapeutische Aspekte", erklärt Projektleiterin Mareike Nelles. Gesunde und beeinträchtigte Kinder unterstützen sich gegenseitig, um die selbst gesteckten Ziel zu erreichen.

    "Anfangs sind die Kinder meist skeptisch, da kommen auch mal krasse Aussagen, aber am Ende fassen sie Vertrauen", berichtet Nelles von gesunden Kindern, die sich am Ende doch von beeinträchtigten Jungen oder Mädchen an der Wand sichern lassen. Was beeinträchtigte Kinder alles schaffen können, halten oft sogar Therapeuten für unmöglich, "aber auch Rollstuhlfahrer können klettern", betont Trainer Lukas Hertz.

    "Einer hat mich immer so geknuddelt, das mochte ich nicht", erzählt Tim. Inzwischen hat der gesunde Siebenjährige in dem Kurs jedoch einen körperbehinderten Freund gewonnen. "Berührungsängste gibt's hier keine, und die beeinträchtigten Kinder machen unheimliche Fortschritte", sagt Tims Vater Michael Schmitt. Eben der Abbau von Hemmschwellen war für ihn der Grund, seinen Junior für den Inklusionskurs anzumelden: "Das Konzept ist super."

    Auch Hella Wilbert will ihrem gesunden Sohn vermitteln, "dass beeinträchtigte Kinder ganz normal sind". Zudem komme Tobias der fehlende Leistungsdruck im Kurs zugute: "Das Team achtet sehr auf die Kinder, keiner geht verloren." Und: Es macht dem Siebenjährigen enorm Spaß.

    Die sportliche Leistung ist im Kurs nicht entscheidend.
    Die sportliche Leistung ist im Kurs nicht entscheidend.
    Foto: kde

    Krummenauer ist "dankbar und glücklich", dass es in Andernach eines der höchst raren Inklusionsangebote in der Region gibt: "Die Kinder freuen sich alle so, wenn sie ihr Ziel erreicht haben." Wenn am Ende des Kurses die Urkunden überreicht werden, sind Eltern und Nachwuchs gleichermaßen stolz. "Da gibt es auch mal Tränen", weiß Nelles, deren Anmeldelisten übervoll sind. Gestartet hat das Projekt, das auf Spenden angewiesen ist, im April 2015. "Wir hoffen, dass wir noch lange weitermachen können", sagt Kandi-Turm-Geschäftsführerin Helga Pellenz.

    Weitere Informationen gibt es im Netz unter www.kandi- turm.de. Der nächste Kurs findet vom 24. Februar bis 27. April statt und ist bereits weitgehend ausgebucht. Im Anschluss wird es aber weitere Kletterkurse geben. Alles Wichtige dazu findet sich ebenfalls auf der Internetseite des Kandi-Turms.

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