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Extreme Wetterphasen: Wie das Hin und Her unsere Landwirtschaft beeinflusst

Katrin Steinert

Im Winter nass und warm, dann starker Frost bis minus 14 Grad im Februar und März – und im April von jetzt auf gleich Hitze ohne Regen: Die extremen Wetterphasen machen den Ackerbauern in unserer Region zu schaffen. Vor allem der Raps kommt mit den heftigen Schwankungen kaum klar. So schimmern die sonst sattgelben Felder vielerorts etwas grünlich, weil die Knospen unterschiedlich schnell reifen, je nach Lage und Bodenstruktur.

Sonst sattgelb blühende Rapsfelder schimmern grünlich: Die Wetterwellen hinterlassen ihre Spuren.
Sonst sattgelb blühende Rapsfelder schimmern grünlich: Die Wetterwellen hinterlassen ihre Spuren.
Foto: Heinz Israel

Der starke Regen vom Wochenende hat den Feldern zwar gut getan, aber weitere Niederschläge müssen folgen. Ackerbauexperte Alfons Weinand vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Westerwald-Osteifel schätzt, dass die Ertragseinbußen bei Raps im Kreis Mayen-Koblenz bereits jetzt stellenweise bei rund einem Drittel liegen. Geerntet wird er Ende Juli, Anfang August.

Landwirt Tobias Fuchs aus Kehrig verdeutlicht: „Aus dem Winter direkt in den Sommer. Das ist schon heftig, und das stecken die Pflanzen nicht so schnell weg.“ Der Kreisbauernverbandsvorsitzende baut selbst Raps an. Er hat beobachtet, dass die Pflanzen durch den milden Winter schon früh begannen, sich zu entwickeln. Dann kamen die krassen Frosteinbrüche, die die Pflanzen beutelten. Danach dann direkt Temperaturen von mehr als 20 Grad. Fuchs erklärt, was daran problematisch ist: „Die Hitze gibt der Pflanze das Signal, du musst Knospen produzieren, du musst blühen.“ Aber viele waren nach dem Frost noch gar nicht bereit dazu, ihre Kraft in die Knospenbildung zu stecken. Um zu überleben, warfen sie ihre Knospen ab oder brauchen nun einfach länger, um zu blühen.

Tobias Fuchs
Tobias Fuchs
Foto: Heinz Israel

Dabei fehlt ihnen an vielen Stellen Wasser. Die lange Trockenheit im April und Mai setzt den Pflanzen vor allem dort zu, wo der Boden sandig ist und nicht tief gründet. Denn die Erde speichert dort kaum Wasser. Und das verdampft bei Hitze schnell. Tobias Fuchs erklärt: „Bei Temperaturen von 28 Grad, wie wir es in den vergangenen Wochen hatten, verdunstet an einem einzigen Tag so viel Wasser, wie sonst bei 15 Grad in einer Woche.“ Künstlich Wasser auszubringen, sei bei den großen Ackerflächen nicht wirtschaftlich; und es gebe auch keine entsprechenden Wasservorräte dafür. Bei speziellen kleineren Anbauflächen, wie etwa Erdbeerfeldern, werde das aber gemacht.

Ackerbaufachmann Alfons Weinand weiß, dass viele Kulturen mit einem blauen Auge durch den Frost und die Trockenheit gekommen sind. Aber der Winterweizen zeigt bereits stellenweise Trockenschäden, wo der Boden zu trocken ist: „Die Spitzen sind dann ganz braun“, sagt er. Da milderte der Starkregen vom Wochenende zwar die Lage etwas, aber es gibt dennoch bereits irreparable Schäden. „Welche Qualität geerntet wird, weiß man aber erst, wenn der Mähdrescher drüberfährt.“ Bis Ende Juli, bis zum Erntestart, kann das Wetter noch vieles bewirken – zum Guten und zum Schlechten.

Dem Wein geht es bislang gut, sagt Siegmund Lawnik vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Mosel. Der Weinbauexperte meint, dass der Frost den Reben in diesem Jahr nicht geschadet hat. Die Trockenheit sei aber schon ein Thema – allerdings nicht so schlimm wie im Ackerbau. „Die Reben haben viel tiefere Wurzeln“, erklärt Lawnik. In tieferem Boden sei auch mehr Wasser gespeichert. Dennoch kam der große Regen am Wochenende genau richtig. „Durch das warme Frühlingswetter ist die Vegetation enorm vorangekommen.“ Eine längere Trockenperiode könnte jetzt problematisch werden. „Irgendwann ist die Reserve im tieferen Boden erschöpft. Dann wären wir genauso dran wie die anderen auch.“ Fürs Wachsen brauchen die Pflanzen viel Wasser.

Die Entwicklung war in den Wingerten durch die Kälte im Februar und März verzögert, mittlerweile sei der Rückstand aber mehr als wettgemacht. Lawnik rechnet sogar mit einer zwei Wochen früheren Blüte, die in guten Weinlagen bereits schon Ende Mai, Anfang Juni beginnen könnte. Aber dazu braucht es eben auch Regen. Lawnik blickt optimistisch in die Zukunft: „Es soll ja immer mal wieder was runterkommen.“

Von unserer Redakteurin Katrin Steinert

Das sagt der Experte zum Wetter 2018: Krasse Sprünge

Diplom-Meteorologe Jürgen Schmidt, Geschäftsführer von Wetterkontor, meint, dass das Wetter in diesem Jahr bislang von krassen Sprüngen gezeichnet ist: warmer Januar, kalter Februar und März, warmer trockener April. Dabei begann das Jahr bereits konträr: „Der Januar war extrem warm“, sagt Schmidt. Der Monat war fast 4 Grad wärmer als das 30-jährige Mittel, auf das Schmidt sich in seinen Angaben bezieht (1981-2010).

Der Februar war dann 3 Grad zu kalt und extrem trocken. „Es fiel nur ein Drittel des Niederschlags.“ Auch der März lag 10 Prozent unter der normalen Niederschlagsmenge. Der April war wiederum 3,1 Grad zu warm und trocken. Die letzten zwei Wochen im April kam nur rund die Hälfte des üblichen Niederschlags runter. Beim großen Regen am Wochenende wurden in Andernach 17,3 Liter pro Quadratmeter gemessen, in Montabaur 14,7 Liter und in Bad Neuenahr 19,4 Liter. So einen großen Niederschlag wird es in den die kommenden Wochen aber erst einmal nicht geben, eher örtliche Schauer, schätzt Schmidt. Generell meint der Meteorologe einordnend: „Es wird immer gewisse Abweichungen geben.“ Der Trend gehe aber zu immer milderen Wintern. 

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