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Andernach/Region

Es hätte noch schlimmer kommen können: Experten warnen vor Extremhochwasser

Wie es scheint, haben die meisten Anwohner an Rhein und Mosel beim aktuellen Hochwasser noch mal Glück gehabt. Wie die Hochwassernotgemeinschaft Rhein, deren Vorsitzender der Andernacher Oberbürgermeister Achim Hütten ist, in einer Pressemitteilung erklärte, handelte es sich zwar um das höchste Hochwasser seit sieben Jahren, es lag aber am Mittelrhein dennoch nur knapp über einem zweijährlichen Ereignis. Der Verkehr war zum Teil stark eingeschränkt, Campingplätze mussten geräumt werden, aber nur wenige Keller liefen voll.

Hochwasserschutzanlagen, wie die Schutzwand entlang der Andernacher Konrad-Adenauer-Allee oder der Deich in Neuwied, haben sich bewährt. Dennoch sollte das derzeitige Hochwasser laut Hochwassernotgemeinschaft als Warnung gesehen werden. Auch am Rhein ist nach Expertenmeinung ein Extremhochwasser möglich.

So bereitet man sich in den Städten und Gemeinden darauf vor, Vorkehrungen für eine Hochwasserkatastrophe zu treffen, wie sie statistisch gesehen nur alle 200 Jahre eintritt, und entwickelt Schutzkonzepte. Andernach hat bereits ein Ingenieurbüro mit der entsprechenden Planung beauftragt, teilt Hütten auf Anfrage unserer Zeitung mit. Im Frühjahr sollen auch die betroffenen Bürger informiert und beteiligt werden.

Fest steht laut Pressemitteilung der Notgemeinschaft, dass im Hochwasserschutz, insbesondere dank der länderübergreifenden Zusammenarbeit entlang des Rheins, schon sehr viel erreicht wurde. Durch die Umsetzung des Aktionsplans „Hochwasser“ der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) und der Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie sind schon deutliche Verbesserungen zu erkennen. Sowohl in der Hochwasserrückhaltung als auch der begleitenden Maßnahmen zur Verbesserung der Hochwasservorhersage.

Trotzdem besteht aus Sicht der Hochwassernotgemeinschaft, die ihren Sitz in Mainz hat, die dringende Notwendigkeit, den Hochwasserschutz und insbesondere die öffentliche und private Hochwasservorsorge am Rhein, aber auch in den Einzugsgebieten, auszuweiten. „Wer gut vorgesorgt hat, muss weniger bangen, wenn ein Hochwasser oder kurzfristig ein Starkregenereignis droht“, heißt es in der Mitteilung. Der technische Hochwasserschutz hat Grenzen. Das müsse allen Beteiligten bewusst sein. Gerade Starkregen wird in den kommenden Jahren immer öfter zum Problem werden, weiß Hütten: „Im Zuge des Klimawandels steigt das Hochwasserrisiko“, erklärt der Vorsitzende der Hochwasserschutzgemeinschaft und stützt sich dabei auf eine aktuelle Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

Um die Schadensfolgen, zum Beispiel hinter Hochwasserschutzanlagen, zu minimieren, sind weitere Anstrengungen notwendig. Die Ausweitung der Hochwasservorsorge auf alle Bereiche ist eine der Zielvorgaben der EU-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie. Alle Beteiligten, Verantwortliche und Bürger sind darin gefordert, die Hochwasservorsorge voranzubringen. Im Falle eines Falles ist die Anzahl der Betroffenen schließlich hoch, gibt Hütten zu Bedenken: „Bei einem 200-jährlichen Hochwasser vertreten wir als Notgemeinschaft 1,2 Millionen Menschen entlang des Rheins.“ In Rheinland-Pfalz wurden in den vergangenen Jahren Hochwasserpartnerschaften an fast allen größeren Flüssen und Flussabschnitten gebildet, in denen Maßnahmen des Hochwassermanagements festgelegt und umgesetzt werden. In „Örtlichen Hochwasserschutzkonzepten“ werden mit Verwaltungen und Bürgern Hochwasserschutzlösungen für einzelne Ortschaften erarbeitet.

Neben der öffentlichen Hand sind auch die Betroffenen aufgefordert, im eigenen Interesse Hochwasservorsorge zu betreiben, um Schäden möglichst gering zu halten. Da Starkregen und Hochwasser infolge des Klimawandels eine Dauergefahr darstellen, die schnell die Existenz bedrohen kann, lohnt sich laut Hochwassernotgemeinschaft auf jeden Fall eine Elementarschadenversicherung.

mko

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