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Mayen

Ein Obstbaum zur Geburt? Es gibt Kritik an der Idee der Mayener Grünen

Hilko Röttgers

Die Mayener Grünen möchten, dass die Stadt frisch gebackenen Eltern zur Geburt ihres Nachwuchses einen Obstbaum schenkt. Das wäre nicht nur ein schöner Willkommensgruß für die neugeborenen Mayener Mitbürger, argumentieren die Grünen, sondern würde zugleich auch der Natur nützen. Dieser Vorschlag ist allerdings nicht unproblematisch.

Frisch gebackene Eltern sollen zur Geburt einen Obstbaum vond er Stadt geschenkt bekommen. Die Idee der Mayener Grünen stößt jedoch auch auf Kritik.
Frisch gebackene Eltern sollen zur Geburt einen Obstbaum vond er Stadt geschenkt bekommen. Die Idee der Mayener Grünen stößt jedoch auch auf Kritik.
Foto: rzGrafik

Bis zu 10.000 Euro stehen im Mayener Etat für die sogenannten Geburtsbäume bereit. Die Rechnung der Grünen geht so: Pro Jahr kommen im Stadtgebiet rund 200 Kinder zur Welt. Damit das Alter des Geburtsbaums immer dem des Kindes entspricht, sollten maximal einjährige Bäume verschenkt werden. Die kosten nicht mehr als 50 Euro pro Stück, sagen die Grünen. Das ergibt am Ende – falls alle Eltern das Geschenk annehmen – den genannten Betrag. Das Geld ist im Haushalt aber noch mit einem Sperrvermerk versehen und kann erst abgerufen werden, wenn ein abschließender Beschluss vorliegt.

Ob es dazu kommt, war nun zunächst Thema im Umweltausschuss. Dort bezeichneten zwar gleich mehrere Ausschuss-Mitglieder den Plan der Grünen grundsätzlich als „charmante Idee“. Doch es gab auch Einwände.

Ein Kritikpunkt: die Kosten. „Bei unserem desolaten Haushalt sind mir 10.000 Euro zu viel“, sagte Axel Zimmermann (FDP). Grünen-Fraktionschefin Natascha Lentes wies darauf hin, dass das lediglich der Maximalbetrag sei. „Es ist doch fraglich, ob wirklich alle Eltern das Angebot abrufen“, sagte Lentes.

Kritik gab es auch an der Umsetzung. Geplant ist, dass Eltern einen Gutschein bei der Stadt beantragen können, für den sie bei einer Baumschule in Mayen einen Geburtsbaum erhalten. Den Baum können sie dann im eigenen Garten oder, falls der nicht vorhanden ist, auf einer Fläche pflanzen, die die Stadt zur Verfügung stellt. In jedem Fall sollen die Eltern auch die Pflege der Bäume übernehmen.

Vorbild Freiburg: Wo es Geburtsbäume schon gibt
Die Idee, Eltern mit einem Baum zu beschenken, haben sich die Mayener Grünen in Freiburg abgeschaut. Dort bekommen Eltern von Neugeborenen seit dem 1. Dezember 2015 einen Gutschein für einen Apfel-, Birn- oder Kirschbaum. Den Geburtsbaum können sie bei der Stadtgärtnerei bestellen und abholen, heißt es auf der Internetseite der Stadt Freiburg. Die Geburtsbäume haben einen Stammumfang von 6 bis 8 Zentimetern bei einer Höhe von bis zu 2 Metern und werden im Topf überreicht. Beim Abholen erhalten die Eltern eine Informations- und Pflegeanleitung. Die Stadt Freiburg bittet die Eltern, den Geburtsbaum im eigenen Garten zu pflanzen oder ihn auf dem Balkon im Topf wachsen zu lassen und damit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Bäume, die trotz Bestellung nicht abgeholt werden, kommen in den freien Verkauf oder werden anderweitig genutzt.

Gerade die Pflege der Bäume hielten viele Ausschuss-Mitglieder aber für problematisch – insbesondere dann, wenn sich die Eltern nicht wie geplant darum kümmern. Müsste in so einem Fall der städtische Betriebshof in die Bresche springen? Das lehnten mehrere Ausschussmitglieder ab. Die Frage der Pflege konnte der Umweltausschuss nicht klären. Vor diesem Hintergrund bezeichnete Bürgermeister Rolf Schumacher den Vorschlag als „nicht zu Ende gedacht“. Er wies darauf hin, dass gerade Obstbäume anfangs viel Wasser brauchen. „Wer wässert sie?“, wollte Schumacher wissen. Und: „Was passiert, wenn Eltern wegziehen?“ Max Göke (CDU) brachte einen weiteren Einwand vor: „Die Bäume werden 80 Jahre alt“, sagte er. Man könne nicht erwarten, dass sich die Eltern so lang um ihren Geburtsbaum kümmern. „Das muss man realistisch betrachten.“ Und Bernhard Mauel (CDU) bat die Verwaltung zu klären, wer die Verkehrssicherungspflicht für die Bäume trägt.

Hinzu kommt, dass die vorgeschlagene städtische Fläche für die Anpflanzung der Geburtsbäume als nicht geeignet kritisiert wurde. Nach den Plänen der Stadtverwaltung sollen die Bäume aus ökologischen Gesichtspunkten insbesondere als Begrünung von Ackerrandstreifen dienen. Dafür komme vor allem eine Fläche zwischen Alzheim und der A 48 infrage. Das hielt Margot Bechtoldt (FWM) für nicht sinnvoll. Der Ackerrandsteifen sei lediglich 1,50 Meter breit – zu schmal für die Obstbäume, sagte Bechtoldt, die auch Vorsitzende der Mayener Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) ist.

Die Grünen bedauerten es, dass ihr Antrag „so zerredet“ werde, wie Natascha Lentes sagte. „Wir reden hier nur vom ungünstigsten Fall“, kritisierte sie. Eltern, die das Angebot eines Geburtsbaums annähmen, hätten doch ein Interesse an der Sache und würden sich deshalb auch um die Bäume kümmern, argumentierte die Grüne. Sie betonte die positiven Effekte der Geburtsbäume, die zum Beispiel als Lebensgrundlage für Insekten dienen. Zudem habe der Stadtrat das Geld schon im Haushalt bereitgestellt. „Die Sache ist es wert, dass wir sie ausprobieren.“ Lentes‘ Fraktionskollege Matthias Kaißling sagte: „Dass man diesen Vorschlag komplett ablehnt, kann ich nicht verstehen.“

Komplett abgelehnt wurde der Vorschlag indes noch nicht. Vielmehr soll über den Antrag der Grünen nun am Dienstag, 7. März, der Haupt- und Finanzausschuss entscheiden.

Von unserem Redakteur Hilko Röttgers

Und das gibt es anderswo

Kreis MYK. Dass frisch gebackene Eltern zur Geburt des Kindes ein Geschenk von ihrer Kommune bekommen, ist im Kreis MYK keine Seltenheit. Geburtsbäume werden dort zwar noch nicht verteilt – damit wäre Mayen im weiten Umkreis Vorreiter. Über Aufmerksamkeiten in anderer Form dürfen sich Väter und Mütter aber zum Beispiel in den Verbandsgemeinden (VG) Mendig und Pellenz und im Maifeld-Ort Mörz freuen. Und in Oberfell an der Mosel gab es vor einigen Jahren sogar eine wertvolle Überraschung.

Schon seit zehn Jahren gibt es in der VG Mendig die Initiative „Familienfreundliche Verbandsgemeinde“. Damit soll der Familienförderung in der Politik der VG eine größere Rolle spielen. Dass hinter dem Titel mehr steckt als nur schöne Worte, zeigt sich etwa am Umgang mit den neugeborenen Einwohnern der Verbandsgemeinde. Für sie und ihre Eltern richtet die VG sogenannte Willkommensabende aus. Dort bekommen die Eltern nicht nur die umfangreiche Broschüre „Willkommen im Leben – willkommen in der Verbandsgemeinde Mendig“, sondern es gibt für den Nachwuchs auch ein Willkommensgeld von 100 Euro, ein Tuch mit dem eingestickten Namen des Kindes und diverse Gutscheine.

Die VG Pellenz hat ein vergleichbares Projekt: „Angekommen – angenommen in der Verbandsgemeinde Pellenz“ heißt es. Das Projekt bündelt Infos unterschiedlicher Träger und stellt sie jungen Familien zur Verfügung. Eltern von Neugeborenen erhalten zur Geburt zudem einen Glückwunsch der VG, auch im Namen der Projektträger Caritasverband und Familienbildungsstätte in Andernach. Verbunden ist dies mit einem Angebot für einen Begrüßungsbesuch durch einen geschulten Ehrenamtlichen. Die jungen Familien erhalten eine Begrüßungstasche mit Geschenken, Gutscheinen und wichtigen Infos von Kindergärten, Kinderärzten, Krabbelgruppen und Kursen für Eltern und Kind.

Einige Monate ist es her, dass in Mörz die Einwohnerzahl von 211 auf 212 gestiegen ist. Das nahmen die Interessengemeinschaft Mörz und weitere Gratulanten zum Anlass, das mittlerweile schon fest etablierte sogenannte Mörzer Kindergeld zu überreichen. Dabei richtet sich die Höhe des „Willkommensgrußes der Dorfgemeinschaft“ immer nach der jeweiligen Einwohnerzahl des Ortes zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes. Dementsprechend gab es für die Eltern einen Scheck über 212 Euro.

Noch mehr „Kindergeld“ zahlte aus eigener Tasche vor einigen Jahren der im Jahr 2015 verstorbene ehemalige Ortsbürgermeister von Oberfell, Horst-Josef Meurer. Für jedes Neugeborene überbrachte er den glücklichen Eltern eine Babyprämie von stolzen 1000 Euro. 

Mayen-Andernach
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