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Drohende Afrikanische Schweinepest: Sollen Jäger noch mehr Wildschweine töten?

Zu viel Wild – das ist der Vorwurf, den insbesondere Land- und Forstwirte gegenüber der Jägerschaft erheben. Ein Thema, das kirre macht. Zumal wenn die Afrikanische Schweinepest unsere Region erreichen sollte – dann ist auch die kommerzielle Schweinezucht akut bedroht. Wodurch sich Michael Horper, selbst Schweinezüchter, zur Aussage hinreißen lässt, „dass der eine oder andere Tierschützer jetzt mal das Maul halten muss“. Mehr Abschuss vonseiten der Jägerschaft, am besten ohne große Schranken, das schwebt dem Präsident des Bauern- und Winzerverbandes vor.

Gut 4000 Sauen sollen bis zum Ende des Jagdjahres auf die Schwarte gelegt worden sein. Allerdings fordern insbesondere Landwirte, dass noch mehr Schwarzwild erlegt wird.
Gut 4000 Sauen sollen bis zum Ende des Jagdjahres auf die Schwarte gelegt worden sein. Allerdings fordern insbesondere Landwirte, dass noch mehr Schwarzwild erlegt wird.
Foto: dpa

In der Debatte zwischen Land- und Forstwirten sowie der Jägerschaft sind unkonventionelle Methoden, um insbesondere dem Schwarzwild Herr zu werden. Manches greift herrschende Regeln an. Wir haben damit Kreisjagdmeister Marcus Schuck konfrontiert.

1Bisher durften Nachtzielgeräte nicht eingesetzt werden. Jetzt fordern Landwirte und Grundstückseigentümer das Verbot aufzuheben. Was bringt das?

Für Marcus Schuck ist das nicht zielführend. „Die Wildschweine sind nicht blöd, die stellen sich darauf ein.“ Konkret: Die Sauen tummeln sich nur dort, wo sie sich sicher fühlen. Werden sie an bestimmten zentralen Stellen bejagt, ziehen sie sich an die Ränder zurück, wo sie laut Schuck „hohe Schäden“ verursachen. In Sonderfällen, zum Beispiel in einem konzertierten Einsatz von Drohnen und Nachtzielgeräten in Weinbergen, sollten sie seiner Auffassung nach zum Einsatz kommen.

2Für die Zeit der Jagd will der Landesjagdverband laut Vize Kurt Schüler die Verkehrsstraßen sperren lassen, um intensiver jagen zu können. Sinnvoll?

„Diese Forderung ist irreal und würde ein Straßenchaos auslösen.“ Marcus Schuck sieht keinen Bewegungsspielraum in der Frage. Bei 200 Revieren im Kreis und jeder Menge Jagdveranstaltungen zwischen Oktober und Juni wären ständig irgendwelche Sperrungen zu umfahren. Interessanter ist für ihn die Frage, wie die Straßen besser gesichert werden. Da müsse der Landesbetrieb Mobilität „seine Zäune besser kontrollieren“, bevor es zu Unfällen kommt.

3Was hält Schuck davon, dass eine Abschussprämie wie im Rhein-Lahn-Kreis (10 Euro pro erlegtem Frischling) ausgelobt wird?

„Das kann man knicken“, äußert sich Schuck kritisch. Der Anreiz sei für viele Jäger zu gering. Man habe Kosten für die Beprobung und fürs Wegschicken. 50 Euro seien da eher passend – so viel gibt es im Übrigen seit Kurzem für die Beprobung von Fallwild, also Wild, das durch Unfälle oder andere Gewalteinwirkung getötet wurde.

4Um den Anreiz zur Jagd zu erhöhen, sollen Jagdhunde mit qualifizierter Ausbildung von der Hundesteuer ausgenommen werden. Gut so?

Gute Jagdhunde sind ein Segen. „Wir sind so froh, dass wir Jagdhunde haben, die das Wild aus Dornenhecken scheuchen“, sagt Schuck. Aber: Regelmäßig kommen Hunde zu Schaden, das kostet enorme Summen, erläutert der Besitzer von zehn Jagdhunden. Diese Hunde sollten den Blinden- und Polizeihunden gleichgestellt werden, also nicht steuerpflichtig sein.

5Wie hat sich die Zahl der Wildschweine im Kreis Mayen-Koblenz entwickelt?

Um die 4000 Stück werden bis zum Ende des Jagdjahres geschossen sein – eine rekordverdächtige Zahl. Marcus Schuck zufrieden: „Der Schwarzwildbestand ist bei uns sehr zusammengeschrumpft.“

Von unserem Chefreporter Thomas Brost

Mehr Bejagungsschneisen einrichten

Sogenannte Bejagungsschneisen sind im Kreis bereits hier und da durchgesetzt worden.

Das sind Flächen am Rande von Mais- oder Rapsschlägen, die von der Bebauung mit Nutzpflanzen ausgenommen werden, damit sie besser einsehbar sind. Die Krux bis zum 1. Januar dieses Jahres: Nahm ein Bauer von seinem Maisfeld, das beispielsweise 1 Hektar groß war, 100 Quadratmeter weg, strich die EU die komplette Prämie für die Fläche. Das ist jetzt anders. Deswegen möchte der Kreisjagdverband im Verein mit den Landwirten jetzt „endlich mehr Bejagungsschneisen einrichten“, wie Kreisjagdmeister Schuck betont. 

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