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Mayen

Diskussion um Mayener Rathaus geht weiter: Geschichtsverein meldet sich zu Wort

Hilko Röttgers

In das Alte Rathaus in Mayen soll ein Bierhaus einziehen. Doch die gastronomische Nutzung des Gebäudes ist umstritten – und das nicht zum ersten Mal. Schon 1990 gab es ähnliche Pläne, und damals wie heute stoßen sie beim Geschichts- und Altertumsverein (GAV) Mayen auf deutliche Ablehnung.

Bereits vor 27 Jahren wurde über die gastronomische Nutzung des Alten Rathauses diskutiert.
Bereits vor 27 Jahren wurde über die gastronomische Nutzung des Alten Rathauses diskutiert.
Foto: Archiv Hilko Röttgers

Der GAV betont den besonderen Wert des Alten Rathauses als Kulturdenkmal für Mayen. „Kulturdenkmäler sind Zeugen unserer eigenen Geschichte und dienen der Bildung und Erziehung“, hebt der GAV mit Blick auf das Denkmalschutzgesetz hervor. „Diese Wirkung entfalten die Denkmäler am stärksten dann, wenn sie noch immer ihrem ursprünglichen Zweck dienen.“

Das sieht der GAV beim Alten Rathaus als gegeben an. Trotz seiner wechselhaften Geschichte sei das Gebäude bis heute „im besten Sinne des Wortes ein Rathaus geblieben“. Denn gegenwärtig ist mit der Tourist-Info immer noch eine Abteilung der Mayener Stadtverwaltung in dem Gebäude untergebracht. Die aktuelle Nutzung stimmt also auch 300 Jahre nach dem Bau des Alten Rathauses noch mit dessen ursprünglicher Bestimmung überein – für den GAV ein hohes Gut.

Genauso hatte der Geschichts- und Altertumsverein auch schon vor gut 27 Jahren argumentiert, wie unsere Zeitung am 20. September 1990 berichtete. Unter der Überschrift „Das Alte Rathaus soll auch Rathaus bleiben“ hieß es damals in der Rhein-Zeitung, dass der GAV die symbolische Bedeutung des Gebäudes erhalten wolle. Sollte eine Gastronomie dort einziehen, wäre das ein „Bruch mit der eigenen Geschichte“, heißt es in dem Artikel. Und weiter: „Das in einem solchen Fall seiner ursprünglichen Zweckbestimmung entzogene Gebäude verkümmere zur bloßen Hülse einer x-beliebigen Nutzung.“

Das Alte Rathaus Mitte im Jahre 1846 nach einer Zeichnung Bernhard Gruebers.
Das Alte Rathaus Mitte im Jahre 1846 nach einer Zeichnung Bernhard Gruebers.
Foto: Repro: Eifelbibliothek

So sieht es der GAV auch heute noch, wie dessen Vorsitzender Hans Schüller mitteilt. „Wir können unsere damalige Stellungnahme eins zu eins wieder verwenden. An unserer Bewertung hat sich rein gar nichts geändert“, betont Schüller. Eine gastronomische Nutzung des Alten Rathauses ist in seinen Augen „eine nicht hinnehmbare Geschichtsklitterung“, sagt der GAV-Vorsitzende.

Und noch ein Argument führt der GAV an: Das Alte Rathaus stehe wie kein anderes Kulturdenkmal in symbolischer Weise für die selbstbestimmte, selbstverwaltete Stadtgemeinde. Das 1717/18 errichtete barocke Rathaus sei ein Paradebeispiel dieses bürgerlichen, selbstbewussten Ausdrucks, erklärt der GAV mit Verweis auf die Historie.

Noch eine Ansicht vom Mayener Rathaus. Diese ist aus dem Jahr 1854.
Noch eine Ansicht vom Mayener Rathaus. Diese ist aus dem Jahr 1854.

Nach den Zerstörungen Mayens in den Kriegen am Ende 17. Jahrhunderts wurde beim Wiederaufbau die Burg 1700 zu einer zeitweiligen Residenz des Landesherrn und zum kurtrierischen Amtssitz schlossartig umgebaut. Dazu gehörte auch die Öffnung und Aufweitung des Marktplatzes um den heutigen oberen Markt. So wirkte die Burg wie eine dreiflügelige Schlossanlage in den Platz hinein.

In diesem Ensemble manifestierte sich der absolutistische Anspruch des Landesherrn, dem sich die Bürgerschaft beim Bau des eigenen Hauses, das Alten Rathauses, bewusst widersetze. Denn der neue Bau wurde nicht etwa zum Platz hin, sondern zur seitlichen Straße ausgerichtet, abgewendet vom Schloss. Burg, Marktplatz und Rathaus bilden ein einzigartiges Spannungsfeld von Anspruch und Widerspruch. „Dieses Wirkungsfeld ist einzigartig im historischen Städtebau Deutschlands“, sagt Hans Schüller, der deswegen fordert: „Auch der Markt bedarf dringend einer Unterschutzstellung als Denkmalzone.“

Von unserem Redakteur Hilko Röttgers

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