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Maifeld

Das Maifeld auf dem Rad erleben

Seit 25 Jahren gibt es nun bereits den Maifeld-Rad-Wanderweg. Auch nach einem Vierteljahrhundert befindet sich die Strecke im Wandel.

Auf ebener Strecke fahren: Das macht den Radweg nicht nur für Profis und Ambionierte attraktiv.
Auf ebener Strecke fahren: Das macht den Radweg nicht nur für Profis und Ambionierte attraktiv.
Foto: Heinz Israel

Von unserer Redakteurin Anne Fuhrmann

Fast geräuschlos gleitet der Mann im Trikot mit dem Rennrad vorüber. Kaum ist er aufgetaucht, ist er hinter der nächsten Kurve bereits verschwunden. Einige Meter weiter am Mertlocher Wasserspielplatz geht es dagegen lauter zu, wo sich eine kleine Familie zur Rast niedergelassen hat und die Kinder die Spielgeräte gerade in Beschlag genommen haben. Wenn sich das Wetter am Wochenende und in den Abendstunden von seiner schönsten Seite zeigt, herrscht meist ein reges Treiben. Radfahrer, Jogger, Inlineskater, Spaziergänger und andere Hobbysportler und Erholungssuchende nehmen die Strecke rege in Anspruch. Seit 25 Jahren gibt es nun bereits den Maifeld-Rad-Wanderweg. Auch nach einem Vierteljahrhundert befindet sich die Strecke im Wandel.

Auf einer ehemaligen Bahntrasse, auf der früher Güter- und sogar Personenzüge rollten, herrscht seit 1989 ein bunter Freizeitverkehr. Für die Radfahrer wurde eine zwei Meter breite Fahrbahn gebaut, für Wanderer ein ein Meter breiter Fußweg. Der durchgängig asphaltierten Strecke zwischen Polch und Münstermaifeld sind in den 90er-Jahren weitere Teilstücke gefolgt – nach Ochtendung und nach Mayen. Sie befinden sich zum Großteil auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde (VG) Maifeld und werden von ihr unterhalten. Rund 25 000 Euro hat die VG in den Vorjahren im Durchschnitt unter anderem dafür gezahlt, dass Hecken, Bäume und Büsche entlang der 25 Kilometer langen Strecke im VG-Gebiet so gepflegt werden, dass sie nicht zur Gefahr für die Nutzer des Radwegs werden oder den Weg zuwuchern. "Regelmäßig müssen Stellen von Gebüsch freigeräumt werden, damit die Radler die ruhige Landschaft genießen können", erklärt Büroleiter Helmut Führ. Immer wieder werden außerdem Ausbesserungen vorgenommen. "Wir mussten zum Beispiel die Seitenstreifen mehrfach erneuern", sagt er.

Bislang wurden solche Arbeiten von den Mitarbeitern der Komm Aktiv erledigt. Weil der Vertrag Ende des Jahres ausläuft, muss sich die Verbandsgemeinde schon jetzt um private Anbieter kümmern. Eine Ausschreibung wird derzeit vorbereitet. Doch wer auch immer den Zuschlag erhält: "Es wird aller Voraussicht nach erheblich teurer als bisher", meint Führ.

Zum 1. Januar wurde die Zuständigkeit für den Weg auf die Verbandsgemeinde Maifeld übertragen. Zuvor waren verschiedene Maifeldgemeinden, auf deren Gemarkung der jeweilige Streckenteil liegt, offiziell verantwortlich, denn die Orte hatten die Grundstücke von der Bahn abgekauft. Doch ein Streit um die Sicherungspflicht einer maroden Brücke auf Pilliger Gebiet (die RZ berichtete) setzte die Überlegungen in Gang, die gesamte Strecke in VG-Hand zu bündeln. "Jetzt haben wir eine eindeutige Regelung."

Ab dem kommenden Jahr soll der Radwanderweg noch offensiver als in der Vergangenheit beworben und vermarktet werden. "Es ist schließlich auch ein Stück weit ein touristisches Angebot", sagt Führ. Durch die Anbindung an das neue Museum in Münstermaifeld werde der Weg künftig sogar noch aufgewertet. Dieses Potenzial gelte es zu nutzen.

In Zukunft soll der Weg deshalb auch verschönert werden. "Es ist Zeit, ihn neu zu möblieren", kündigt der Büroleiter an. Bänke und Papierkörbe, die in regelmäßigen Abständen entlang der Strecke aufgestellt wurden, sind in die Jahre gekommen und sollen in einheitlichem Design erneuert werden.

Außerdem soll der Rad-Wanderweg künftig auch noch stärker als bisher touristische Ziele miteinander verbinden. Nutzer der Strecke sollen auf lohnende Zwischenstopps aufmerksam gemacht werden. Deshalb sei geplant, neue entsprechende Hinweise zu platzieren. Davon könnten der Weg und andere Ausflugsziele profitieren. "Einen Schilderwald wollen wir aber vermeiden", erklärt Führ.

Einen Aufschwung erhofft sich die Verbandsgemeinde auch davon, dass der Weg bis Bassenheim verlängert werden soll. Damit sollen noch weitere Streckennetze erschlossen werden und die Routen übers Maifeld auch für Touristen interessant werden, die längere Strecken bevorzugen.

Viel los war am Maifelder Rad-Wanderweg schon vor vielen Jahren, wie eine mehr als 20 Jahre alte Aufnahme beweist, die Radfahrer am Ochtendunger Bahnhof zeigt.
Viel los war am Maifelder Rad-Wanderweg schon vor vielen Jahren, wie eine mehr als 20 Jahre alte Aufnahme beweist, die Radfahrer am Ochtendunger Bahnhof zeigt.
Foto: Heinz Israel

Erweiterung wird noch auf sich warten lassen

Ochtendung/Bassenheim. Jahrelang wurde darum gerungen, nun ist sie zum Greifen nah: Die Erweiterung des Maifelder Rad-Wanderwegs vom alten Ochtendunger Bahnhof bis nach Bassenheim ist ein Thema, das die kommunalen Gremien in Zukunft beschäftigen wird. Nach der von den Verbandsgemeinden Maifeld und Weißenthurm ersehnten Freistellung der Strecke von Bahnzwecken hatte zwar die Bahninitiative Biko Widerspruch erhoben und rechtlichen Beistand ersucht. Doch nachdem die Initiative ihre Klage im Juni zurückgezogen hat, ist nun der Weg für die weiteren Planungen frei (die RZ berichtete). Schon in Kürze sollen jetzt die weiteren Schritte eingeleitet werden.

Rückblick: Bereits 2010 hatten die Gemeinden Ochtendung und Bassenheim einen notariellen Vertrag unterschrieben, der ihnen den Grunderwerb der stillgelegten Bahntrasse zwischen beiden Orten sicherte. Festgehalten worden war, dass der Vertrag jedoch nur dann wirksam wird, wenn die Freistellung der Strecke von Bahnbetriebszwecken rechtskräftig ist. Doch ein entsprechender Bescheid ließ mehrere Jahre auf sich warten. Erst im September 2013 traf ein solches Schreiben bei den Verwaltungen ein. Und dennoch stockte das Vorhaben weiterhin, denn die Bahninitiative wollte ihre Hoffnung auf eine Reaktivierung der Bahnstrecke zunächst nicht kampflos aufgeben und zögerte mit ihrem Widerspruch heraus, dass die Pläne umgesetzt werden. Doch weil sich die Klage inzwischen erledigt und der Bescheid nun Bestandskraft hat, kann schon bald der Kaufpreis gezahlt werden.

"Mit der Verbandsgemeinde Maifeld werden die weiteren Schritte in enger Kooperation abgestimmt", teilt die Verbandsgemeinde Weißenthurm auf RZ-Anfrage mit. Schon in Kürze sollen die zuständigen kommunalen Gremien die weitere Vorgehensweise zum Ausbau beraten. Mit Zuschussgebern wie dem Land und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises seien bereits Gespräche geführt worden, heißt es aus Weißenthurm.

Auch auf dem Maifeld wird nun die Veranlassung gesehen, die Pläne zügig voranzutreiben. Allerdings schätzt Büroleiter Helmut Führ, dass sich der Baubeginn mindestens bis 2016 verschiebt. "Eine Prognose, wann die Erweiterung fertig ist, ist schwierig", sagt er. Schließlich gebe es vorher mehrere Finanz- und Rechtsfragen zu klären, zum Beispiel die, wer als Bauherr fungiert, wann Fördergelder fließen und wie der Ausbau konkret ausgestaltet wird. "Ziel ist es, im Laufe des Jahres 2015 alle Genehmigungen und Förderanträge zu erledigen", erläutert er. Solche Details müssten zuerst abgestimmt werden, bevor die Ausschreibung beginnen kann.

Mit der Erweiterung nach Bassenheim verlängert sich der Maifelder Rad-Wanderweg um 6,1 Kilometer. Eine Berechnung aus dem Jahr 2007 kommt auf Gesamtkosten von 1,6 Millionen Euro, wovon rund 900 000 Euro auf die VG Weißenthurm entfallen würden, da in deren Gebiet der längste Teil der Strecke liegt. Ausgegangen wurde von einer Förderung von rund 80 Prozent, die den Eigenanteil um diesen Beitrag reduzieren würde. Bei diesen Zahlen handelt es sich allerdings nur um eine grobe Schätzung, die überholt sein dürfte. Eine neue Kalkulation auf Basis konkreterer Pläne scheint daher unumgänglich. afu

Die wichtigsten Jahreszahlen

1904 Die Bahnstrecke zwischen Koblenz-Lützel und Mayen-Ost über Polch wird für den Verkehr freigegeben.

1913 Der Bau der Zugstrecke zwischen Polch und Münstermaifeld beginnt. Sie wird drei Jahre später eröffnet.

1961 Fast 70 Jahre lang diente die Verbindung zwischen Polch und Münstermaifeld nicht nur dem Gütertransport. Der unwirtschaftliche Personenverkehr wird im Oktober nun allerdings eingestellt.

1978 Die seitens der Bundesbahn ins Gespräch gebrachte Schließung der unrentablen Strecke Koblenz-Mayen wird von Kommunalpolitikern scharf kritisiert.

1983 Der letzte Personenzug verkehrt im Dezember zwischen Koblenz und Mayen-Ost. Zwischen Koblenz und Ochtendung sollen weiterhin Güterzüge rollen.

1986 Hinter dem Bahnhof Kerben enden nun die Gleise, sie wurden zwischen dort und Mayen-Ost bereits abgebaut. Auch die Schienen zwischen Polch und Münstermaifeld sind entfernt. Polch hat mittlerweile das alte Bahnhofsgebäude erworben. Hans Baulig, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Maifeld, äußert die Idee, die stillgelegte Trasse in einen Radweg umzuwandeln. Zwischen Kerben und Ochtendung sind noch geringfügige Gütertransporte unterwegs. Auch zwischen Ochtendung und Koblenz fährt der Güterverkehr noch.

1988 Der Ausbau des Rad-Wanderwegs beginnt im Sommer. Die ersten zehn Kilometer zwischen Polch und Münstermaifeld werden befestigt. Eine Verlängerung bis nach Ochtendung wird im Juli beschlossen, weil der Güterverkehr zwischen Kerben und Ochtendung im September eingestellt wird. Dort beginnt der Rückbau der Gleise.

1989 Der Rad-Wanderweg Maifeld wird im Mai offiziell seiner Bestimmung übergeben. Zunächst kann nur die Strecke zwischen Münstermaifeld und Polch genutzt werden. Auf der Teilstrecke zwischen Kerben und Nettesürsch geht der Ausbau derweil weiter. Im April des Jahres hat die Bahn außerdem schon damit begonnen, die Gleise zwischen Kerben und Ochtendung zu entfernen.

1990 Im Frühjahr wird der zweite, bereits fertiggestellte Abschnitt von Polch nach Nettesürsch und Kerben eingeweiht.

1992 Der Radweg ist auf eine Länge von 26 Kilometern angewachsen. Er führt nun auch vom Polcher Ortsteil Nettesürsch bis nach Mayen.

2001 Der Gemeinderat Ochtendung stimmt für eine Entwidmung der Bahnstrecke Koblenz-Ochtendung. In Vor- und Folgejahren gibt es immer wieder Bemühungen, die Trasse zu reaktivieren.

2010 Ochtendung und Bassenheim kaufen die Bahntrasse zwischen beiden Gemeinden.

2013 Das Eisenbahnbundesamt stellt den Abschnitt zwischen Ochtendung und Bassenheim von Bahnzwecken frei. Die Bahninitiative Biko legt Widerspruch ein.

2014 Die Biko zieht im Juni wegen fehlender Erfolgsaussicht ihre Klage gegen die Entwidmung zurück.

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