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    Bienensterben hat fatale Folgen für Mensch und Natur – Tiere haben es in akkuraten Gärten schwer

    Artenarme und ausgeräumte Landschaften, blumenarme Wiesen und „Betongärten“ erschweren Bienen zunehmend das Sammeln von Pollen und Nektar aus einem abwechslungsreichen Blüten- und Pflanzenangebot. Dabei sind Bienen für den Menschen und seine Umwelt wichtig. Jeder Gartenbesitzer hat es in der Hand, den Bienen das Leben zu erleichtern.

    Von wegen Nahrungsschwund: Im Garten von Maike Frings finden die für die Blütenbestäubung so wichtigen Bienen genügend Pollen.
    Von wegen Nahrungsschwund: Im Garten von Maike Frings finden die für die Blütenbestäubung so wichtigen Bienen genügend Pollen.
    Foto: Elvira Bell

    Davon sind Gartenplanerin Maike Frings und Wolfgang Seul, der Gärtnermeister der Stadt Mayen, überzeugt. Und sie haben auch Tipps für einen bienenfreundlichen und naturnahen Garten parat. Während der Garten früher fast ausschließlich zur Selbstversorgung diente, wird er heute eher als Erholungsort mit hochwertigen Lounge-Sitzgruppen und zurechtgeschnittenen Buchsbäumen zur Schau gestellt. In so manch geschottertem Garten würden die Bienen glatt verhungern. Noch viel schlimmer: Die fleißigen Tierchen finden in den „Betonoasen“ für ihren Nachwuchs keine Nahrung. „Die Lage in den geschotterten Gärten ist für die Honigbiene – insbesondere in den größeren Städten – dramatisch“, bedauert Wolfgang Seul.

    Was kann der Einzelne tun, um den Bienen zu helfen? Ein bienenfreundlicher Garten oder ein Balken mit üppigen Blüten und Küchenkräutern, die wahre Delikatessen für die Bienen sind, könnte ihnen das Leben erleichtern. Bienenfreundliches Gärtnern ist, wie Maike Frings sagt, gar nicht so schwer. Sie ist ehrenamtliche „Obfrau für Bienenweide“ und steht den Imkern, die im Imkerverband Rheinland organisiert sind, beratend zur Seite. „Das Schöne am bienenfreundlichen Garten ist, dass man dafür keine Opfer bringen muss. Die Gartenbesitzer profitieren mindestens ebenso wie die Insekten von der Blütenfülle rund ums Jahr, die von den ersten Schneeglöckchen bis zu den Astern im Spätherbst andauert“, so Frings. Bei der Pflanzenauswahl sollte man eher auf Arten und Sorten zurückgreifen, die züchterisch wenig bearbeitet wurden wie etwas Pfingstrosen mit einer einfachen Blüte oder Diptam. Wenn man diese an einem passenden Standort pflanzt, kann man sich laut Frings jahre- oder jahrzehntelang an den Blüten erfreuen. Diese Pflanzen müsse man nicht aufwendig pflegen – „ganz anders als beim als pflegeleicht geltenden Schottervorgarten, der einem jede Unaufmerksamkeit mit Algen, Moos und Laubablagerungen quittiert“, so Frings.

    Um eine große Blütendichte zu bekommen, die von den Bienen als lohnende Trachtquelle erkannt wird, verwendet man am besten mehrere Exemplare einer Staudenart. „So gelingt die harmonische Beetgestaltung durch Pflanzgrüppchen leichter, als wenn man eine Vielzahl unterschiedlicher Einzelstücke zusammenfügt“, berichtet die in Mendig lebende Hobbyimkerin.

    Skeptisch ist Frings, wenn in manchen Baumärkten bienenfreundliche Stauden angepriesen werden. Es gibt Tausende von gartentauglichen Staudenarten und -sorten, ist sie überzeugt. Ein großer Teil davon zieht Honigbienen an. „Wenn man sich auf die kleine Zahl der beworbenen Bienenmagneten verlässt, bringt man sich selbst um ungezählte Möglichkeiten, seinen Garten mit Pflanzen zu gestalten, die bienenfreundlich sind, aber nicht so gut vermarktet werden. Ein paar sichere Bienenpflanzen wie die Kornelkirsche oder die Fetthenne gehören sowieso in jeden Garten“, sagt Frings und fährt fort: „Bei vielen anderen lohnt sich das Experiment. Man macht schließlich nichts falsch, wenn neben der Honigbiene auch Wildbienen oder Schmetterlinge in den Garten finden – denn beide sind wie die Honigbiene Opfer der ausgeräumten Landschaft geworden.“ Dicht am Leben ist die Stadt Mayen. Mit dem Projekt „Bienenfreundliches Mayen“ will sie die Lebensgrundlage der bestäubenden Insekten auf vielfältige Art und Weise nachhaltig verbessern. Wolfgang Seul schätzt daher die Trachtpflanzen für die Bienen in ganz besonderem Maße. „Wir haben in sehr vielen Bereichen nicht nur das Pollen- und Nektarangebot verbessert, sondern auch das Stadtbild geprägt, wie etwa am Burgberg oder am Treppenaufgang am Forum.“ Ein Herzensanliegen ist es dem Mittfünfziger, die Bienenfreundlichkeit in den nächsten Jahren weiter voranzutreiben. „Die Lebensqualität in einer grünen Stadt, die Verbindung von städtischem und privatem Grün, die muss funktionieren.“ Unter anderem wurden für die summenden Bewohner der Stadt an vielen Stellen bereits bienenfreundliche Gewächse angepflanzt und Gründächer angelegt. Krokusse und Narzissen, Wildtulpen in ihrer Urform, Kornblumen, Natternkopf, Ringelblume, Phazelia und viele andere Sorten bilden laut Seul ein hervorragendes Angebot an Nektar und Pollen für Bienen.

    Von unserer Mitarbeiterin Elvira Bell

    Deshalb sind Bienen für Natur und Mensch so wichtig

    Bienen produzieren nicht nur wohlschmeckenden Honig, sondern erfüllen in unserem Ökosystem eine äußerst wichtige Aufgabe. So sind 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge von der Bestäubung durch die Honigbiene abhängig. Würde die Biene aussterben, hätte das fatale Folgen für Mensch und Natur.

    Ohne Bienen würden viele Pflanzenarten nicht bestäubt und die Vielfalt würde verloren gehen. Weltweit gehört die Honigbiene zu den wichtigsten Bestäubern. Sie nimmt nach Rind und Schwein den dritten Platz der wichtigsten Nutztiere ein. Dem Nobelpreisträger Albert Einstein wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“

    Bienenfreundliche Gartenträume aus der Stadtbücherei

    In der Stadtbücherei Mayen gibt es einige Ratgeber-Bücher, die helfen, seine Gartenträume zu erfüllen. Einen eigenen Schwerpunkt in den weit über 200 Büchern zum Thema „Garten“ bildet der Interessenkreis „Bienenfreundlich“ mit Anleitungen und Anregungen zur Unterstützung von Bienen, Hummeln und anderen wichtigen Insekten. Noch bis September wird der Eigenbestand der Stadtbücherei durch einen Leihbestand des Landesbibliothekszentrums erweitert: 20 Bücher, die zu den „Bestleihern Garten“ des Vorjahres zählen, teilt die Stadtverwaltung mit.

    Die Bücherei ist geöffnet am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 14.30 bis 18 Uhr, am Mittwoch und Samstag von 10 bis 13 Uhr und am Freitag von 10 bis 16 Uhr.

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