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Mayen

Bahnhofs-Idee für Mayen: Züge sollen auf der Eich halten

Bekommt Mayen in einigen Jahren eine neue Bahnstation? Diese Möglichkeit bringt der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Nord im Zuge einer sogenannten Stationsoffensive ins Gespräch. Aus seiner Sicht besteht grundsätzlich die Absicht, Mitte der 2020er-Jahre einen zusätzlichen Haltepunkt einzurichten. Politik und Verwaltung in Mayen reagieren mit gemischten Gefühlen auf das Vorhaben.

Halten hier in einigen Jahren Züge: Am Bahnübergang über die Straße "Auf der Eich" soll ein neuer Haltepunkt entstehen.  Foto: Andreas Walz
Halten hier in einigen Jahren Züge: Am Bahnübergang über die Straße "Auf der Eich" soll ein neuer Haltepunkt entstehen.
Foto: Andreas Walz

Von unserem Redakteur Hilko Röttgers

"Mayen-Brückentor" soll der Haltepunkt heißen – wobei der Name ein wenig irreführend ist. Denn die Station soll voraussichtlich am Bahnübergang über die Straße "Auf der Eich" entstehen. Vom Brückentor bis dorthin sind es rund 300 Meter die steile Straße "Auf der Eich" hinauf.

Nach jetzigem Planungsstand ist laut SPNV vorgesehen, einen Haltepunkt mit barrierefrei erreichbaren Bahnsteigen, einem Wetterschutz und einem Fahrkartenautomaten einzurichten. Eine Anzeigetafel soll die Reisenden über die aktuelle Verbindung informieren. Der Bau des Haltepunkts würde während des laufenden Betriebs erfolgen, was laut SPNV meist eine Bauzeit von einem Jahr bedeutet.

Schätzungen gehen davon aus, dass das Vorhaben rund 700.000 Euro kosten wird. Diese Summe, die sich auf den Bau des Haltepunkts bezieht, teilen sich die Deutsche Bahn und das Land Rheinland-Pfalz, wobei die konkrete Aufteilung noch nicht feststeht. Sollten weitere "bauliche Maßnahmen im städtebaulichen Umfeld erforderlich" sein, müsste sich an diesen Kosten auch die Kommune beteiligen, teilt der SPNV Nord auf Anfrage mit. "Dazu wird es jedoch noch bilaterale Abstimmungen mit den betroffenen Kommunen geben."

Dass Mayen zwischen dem Ost- und dem Westbahnhof einen weiteren Haltepunkt braucht, hat die Deutsche Bahn gemeinsam mit dem SPNV und dem Land Rheinland-Pfalz anhand einer Analyse der Siedlungsstruktur ermittelt. Danach erwartet der SPNV für den Haltepunkt "Mayen-Brückentor" eine tägliche Nachfrage von 500 Reisenden. Durch den zusätzlichen Haltepunkt ergebe sich zudem eine qualitative Verbesserung des Angebots durch kürzere Wege. Neue Kunden würden so besser erreicht, teilt der SPNV mit.

Für das Vorhaben sieht der SPNV eine hohe Umsetzungswahrscheinlichkeit. "Sollten jedoch bei der weiteren Konkretisierung unvorhergesehene Schwie-rigkeiten im Detail eintreten, könnte von den Planungen abgesehen werden", heißt es auf Anfrage. Solche Probleme könnten sich etwa "hinsichtlich der fahrplantechnischen Machbarkeit, der Plangenehmigung, der Finanzierung oder bei der baulichen Umsetzung" ergeben.

Die Stadt Mayen steht dem Vorhaben positiv gegenüber. "Ein zusätzlicher Haltepunkt wird die Anbindung der Stadt weiter verbessern und die Möglichkeiten für unsere Bürger, den ÖPNV zu nutzen, noch attraktiver machen", sagt Oberbürgermeister Wolfgang Treis. Allerdings hält die Stadt einen Haltepunkt in der Finstingenstraße für geeigneter, "da er insbesondere für mobilitätsbeeinträchtigte Fahrgäste einfacher zu erreichen ist." Entscheidend sei zudem, ob und in welcher Höhe Kosten für Mayen anfallen.

Positiv äußert sich auch Bernhard Mauel (CDU). "Neue Haltepunkte sind willkommen, weil das die Nutzung steigern kann." Mauel gibt aber zu bedenken, dass die Platzverhältnisse am geplanten Standort beengt sind. Und über die Kosten könne man erst reden, wenn Summen genannt werden. "Dann wird man weitersehen."

Für Ekkehard Raab (FDP) könnte ein neuer Haltepunkt positive Impulse für die Innenstadt ergeben. Daher "stehen wir einer solchen innenstadtnäheren Haltestelle positiv gegenüber, obwohl ein ordentliches Gefälle zu überwinden ist". Allerdings befürchtet Raab negative Auswirkungen auf die Nutzung des Ostbahnhofs.

Die Grünen begrüßen das Vorhaben zwar grundsätzlich. "Allerdings", schränkt Natascha Lentes ein, "ergibt ein Haltepunkt an der geplanten Stelle keinerlei Sinn." Die Zuwegung aus der Stadt sei bei der vorhandenen Steigung "nicht mehr als barrierefrei zu bezeichnen". Sofern ein dritter Haltepunkt umgesetzt werden sollte, sei ein Haltepunkt an der Finstingenstraße wesentlich geeigneter.

Kritisch äußert sich auch Helmut Sondermann (SPD): "Ich war ein bisschen amüsiert. ,Auf der Eich‘ ergibt ein Bahnhof wenig Sinn. Der Standort ist weder kundenfreundlich noch barrierefrei." Und zum Nulltarif sei der Haltepunkt wohl auch nicht zu haben. "Da muss man ein großes Fragezeichen in den Raum stellen."

Das sieht Hans-Georg Schönberg (FWM) genauso: "Ich sehe nicht, was ein Bahnhof ,Auf der Eich‘ bringen soll. Wir sollten uns lieber auf den Ostbahnhof konzentrieren."

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