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Andernach

Andernacher Polizei klärt auf: Unfallvideos schocken Schüler

Welche Wünsche, Hoffnungen, Träume haben Jugendliche für ihr zukünftiges Leben? Antworten dazu, wie „Familie, gesunde Kinder“, „Wohlstand, ein eigenes Haus“ oder „ein sicherer Arbeitsplatz“ schrieben Schüler der Andernacher berufsbildenden August-Horch-Schule auf kleine Kärtchen, die Polizeikommissar (PK) Pascal Gimnig an einen grünen Luftballon heftete. Unerwartet ließ er den Ballon platzen, die Wunschkärtchen flogen durch die Luft. Es sollte nicht das einzige Ereignis bleiben, das bei den 17- bis 25-Jährigen Schrecken auslöste.

Polizeikommissar Pascal Gimnig (rechts) von der PI Andernach ist Leiter des Projekts „Crashkurs“, das sich der Unfallprävention widmet. An der August-Horch-Schule schilderten Polizeihauptkommissar Frank Neuerburg (von links), Rettungssanitäter Hans Peter Mendel, Notfallseelsorger Bernhard Lademann, Uli Walsdorf (Feuerwehr Mayen) und Notfallseelsorger Rainer Gotter einen tödlichen Unfall in der Region.
Polizeikommissar Pascal Gimnig (rechts) von der PI Andernach ist Leiter des Projekts „Crashkurs“, das sich der Unfallprävention widmet. An der August-Horch-Schule schilderten Polizeihauptkommissar Frank Neuerburg (von links), Rettungssanitäter Hans Peter Mendel, Notfallseelsorger Bernhard Lademann, Uli Walsdorf (Feuerwehr Mayen) und Notfallseelsorger Rainer Gotter einen tödlichen Unfall in der Region.
Foto: Winfrried Scholz

„So wie dieser Luftballon können eure Lebensträume in Sekunden zerplatzen, wenn ihr Opfer eines Verkehrsunfalls werdet“, erklärte der Kommissar zum Auftakt des Projekts „Crashkurs“, das die Andernacher Polizeiinspektion (PI) zusammen mit den Feuerwehren, der Notfallseelsorge und den Rettungsdiensten zunächst an Schulen in ihrem Dienstbereich durchführt. Das 2011 in Nordrhein-Westfalen entstandene Projekt wurde auch in die Polizeiausbildung unseres Landes übernommen.

Verkehrsunfälle durch junge Fahrer auf Fünfjahreshoch

Nach seinen Worten gehören junge Fahrer zwischen 15 und 24 Jahren zu Hauptunfallverursachern. So ist im Bereich der PI Andernach die Anzahl von Verkehrsunfällen, bei denen Jugendliche Mit- oder Hauptverursacher waren, von 587 im Jahr 2015 auf einen Fünfjahreshöchstwert von 638 gestiegen. Dabei gab es 59 Verletzte. Ursache sind nicht nur zu schnelles Fahren, sondern auch zu dichtes Auffahren, Drogenkonsum und immer mehr auch das Handy.

Was bei den insgesamt rund 220 Schülern sichtlich Wirkung hinterließ, waren die Schilderungen von tatsächlichen Unfällen, bei denen Gleichaltrige getötet oder verletzt wurden. Unmittelbar als Helfer Beteiligte schilderten ihre Empfindungen bei dem schweren Unfall bei Kottenheim, wo 2014 vier Tage vor Weihnachten eine 20-Jährige getötet und zwei gleichaltrige Männer schwer verletzt worden waren. Die Angehörigen hatten zugestimmt, dass dieser Fall im Rahmen des Kurses behandelt werden konnte.

Retter schildern ihre Hilflosigkeit

Der damals diensthabende Polizeihauptkommissar Frank Neuerburg berichtete, während der Fahrt hatte er bereits erfahren: „In dem brennenden Auto ist noch eine Person. Da kommen wir nicht mehr ran.“ Einziger Trost war: Später wurde gutachterlich ermittelt, dass die junge Frau bereits vor Brandausbruch tot oder bewusstlos war. Der hauptberufliche Rettungssanitäter Hans Peter Mendel erklärte: „Es ist fürchterlich, wenn man nicht mehr helfen kann.“ Viele Helfer, auch Profis, könnten nach einem solchen Ereignis lange Zeit nicht mehr eingesetzt werden. Eine unersetzliche Hilfe leisten heute auch die Notfallseelsorger.

Schon nach wenigen Sätzen war es bei den Schülern mucksmäuschenstill geworden. Bereits zuvor waren Videos von tödlich verlaufenen Unfällen im vorderen Westerwald gezeigt worden. Sichtlich mitgenommen und überwiegend wortlos verließen die jungen Menschen später die Aula.

Von unserem Mitarbeiter Winfried Scholz

Mayen-Andernach
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