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Andernach

Andernacher Nachbarschaften erledigen Stadtaufgaben

Die 17 Andernacher Nachbarschaften gehören seit Jahrhunderten zum traditionellen Gut der Bäckerjungenstadt Andernach. Die RZ widmet ihnen eine Serie. Heute geht es um die Entstehung und Organisation.

Die Beiträge stammen von einem rührigen Nachbarn: Heinz Wessels. Heute geht es um die Entstehung und Organisation.

Nachbarschaften gibt es in vielen Städten des Rheinlandes. Gegründet in den Wirren vergangener Jahrhunderte, waren sie meist Zweckgemeinschaften, die füreinander einstanden. Die Entstehung und Entwicklung der Nachbarschaften in Andernach verlief nach anderen Prämissen. Andernach lag an der Schnittstelle des Trierer und des Kurkölnischen Machtbereichs. Während die Koblenzer und die Mayener zu Trier gehörten, war Andernach die Südflanke des Kölner Kurfürstentums. Die Nachbarschaften sind dabei Teil einer Gesellschaftsordnung, die Kriege und gesellschaftliche Umbrüche überstand.

Das alte Andernach hatte ursprünglich 13 Nachbarschaften. Sie waren gegliedert in Wohnviertel innerhalb der Stadtbefestigung. Diese Viertel waren nicht identisch mit den Verteidigungsbezirken der Stadt. Sie waren gemäß der politischen Ordnung in der Stadt organisiert und ihre Ämter entsprechend benannt: ein Spiegelbild der städtischen Organisation im Kleinen. Aus der Versammlung "Gelog" (Andernacher Platt: Gelage) wurde der Schöffenstuhl gewählt, der dann den Amtmann bestimmte – auf Lebenszeit. Wählbar waren nur Hausbesitzer.

Die Gewalten unterhalb des Amtmannes lagen beim Schultheiß (Ordnung) oder Prokurator (Stellvertreter des Amtmannes) sowie dem Protokollarius oder Sekretanus, die in den Chroniken meist Gerichtsschreiber genannt wurden. Nachbarschaften mit einem Brunnen hatten einen Brunnenmeister. Das jüngste Nachbarschaftsmitglied diente der Gemeinschaft als Knecht. Der Schöffenstuhl entsprach in seiner Ordnung der alten Stadtverfassung. Sie bezog sich auf die Schöffenordnung des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg für die Stadt Andernach vom 15. September 1171. Diese war bis ins 19. Jahrhundert verbindlich. Nach der alten Stadtverfassung betrauten Bürgermeister und Stadtrat die Leitung der Nachbarschaften damit, kommunale Aufgaben zu übernehmen.

Die Aufgaben: Überwachen, Säubern, Ausbauen und Reparieren der Straßen, Schlichten von kleinen Streitfällen, Eintreiben von Bußgeldern, Bekämpfen von Bränden und Hilfe bei Hochwassergefahr. Wichtig war das Halten des Feuers. Umlaufend musste der rechte Nachbar für eine Nacht das Feuer halten. Die Brunnenmeister hatten für Ordnung und Sauberkeit der Brunnen zu sorgen, beim Verpachten an Herbergen und Gasthöfen musste das Brunnengeld kassiert werden. Hinzu kam das karitative Engagement der Nachbarn füreinander.

Einmal im Jahr trafen sich die Nachbarn, um neue Mitglieder aufzunehmen und Wahlergänzungen zum Schöffenstuhl vorzunehmen. Der Rat verkündet seine Direktiven, und der Gerichtsschreiber verlas das Protokoll des vergangenen Jahres. Er erstattete Bericht über die finanziellen Verhältnisse der Nachbarschaft.

Die Gemeinschaft wurde durch das intensive Zusammenleben in den schmalen Ecken und Winkeln Andernachs gefördert. Die Frömmigkeit tat ein Übriges. So gab es gemeinsame Gottesdienste und die geschlossene Teilnahme an Prozessionen, Taufen, Hochzeiten und Begräbnissen. Die Nachbarn unterstützten sich bei Unglücksfällen und der Pflege von Kranken. Der Rat zog die Nachbarschaften aber auch zu polizeilichen Maßnahmen und Verteidigungszwecken heran: Es wird berichtet, dass Andernacher während des Dreißigjährigen Krieges die Verteidigungsanlagen vor Koblenz im Kampf gegen die Schweden mitbauten. Die Nachbarschaften waren Zweckgemeinschaften, die sich und das Wohl Andernachs im Blick hatten. kaf

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