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    Zeugnis der Vergangenheit: Das Barbara-Denkmal aus künstlerischer Perspektive (2)

    In der Wilhelminischen Epoche – der Zeit vor Ausbruch des ersten Weltkrieges – wurden viele Denkmäler im Zeichen von "Hurra-Patriotismus" und spürbarer Kriegseuphorie errichtet. Auch in Koblenz und Umgebung. Die Erbauer des Barbara-Denkmals verfolgten allerdings einen anderen künsterischen Ansatz.

    Von Anton Steer

    Das schöne deutsche Wort "Denkmal" – im Sinne von "denke doch einmal" – ist ein ausdrucksstarker Begriff, der zur Nachdenklichkeit anregen möchte. Auch der international gebräuchliche Begriff "Monument", aus dem lateinischen "monere" abgeleitet, bedeutet "mahnen, erinnern und bewusst machen".

    Von Aristoteles bis Heidegger sagen Berufene, dass "richtiges Denken" auch durch die Ästhetik überlieferter Kunstwerke gefördert werden kann. Diese Aufforderung, richtiges Denken durch das Betrachten eines Kunstwerkes – wie zum Beispiel eines Denkmals – zu fördern, gibt den Anstoß dafür, sich Zeit zu nehmen, inne zu halten und sich zu fragen, was das Werk denn eigentlich darstellen, welche Idee es übermitteln will.

    Anton Steer ist der Ehrenvorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Barbara-Denkmals.
    Anton Steer ist der Ehrenvorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Barbara-Denkmals.
    Foto: Reinhard Kallenbach

    Zudem erzählen alte Denkmäler auch oft von den Lebensbedingungen einer vergangenen Zeit, die sich über ihre eigenen wichtigen Ereignisse den nachfolgenden Generationen mitteilen will. Sogar die zeitgenössische Kunst baut auf den Erfahrungen, Erkenntnissen und auf dem Erarbeiteten früherer Werke auf. Demnach haben Denkmäler auch ihr etwas zu übermitteln, weil sie in einer traditionsgebundenen Beziehung zu unserer Zeit stehen. In diesem Sinne machen Denkmäler Geschichte bewusst.

    Das Barbara-Denkmal als Kunstwerk

    Das Koblenzer Barbara-Denkmal wurde geschaffen vom Münchner Bildhauer und späteren Professor an der Kunstakademie in Karlsruhe, Georg Schreyögg (1870-1934). Es besteht aus drei Figuren, deren beherrschende Figur die der heiligen Barbara ist. Sie steht im Zentrum erhöht auf einer verzierten Brunnensäule, inmitten eines Brunnenbeckens. Ihr zu Füßen ruhen die allegorischen Figuren "Krieg" und "Frieden".

    Dieses stolze Brunnendenkmal fügte sich auf harmonische Weise in das Ensemble des damaligen Kaiser-Wilhelm-Rings ein und war dennoch ein eigenständiges Kunstwerk von besonderer Bedeutung. Kunstgeschichtlich steht es im zeitlichen Schnittpunkt mehrerer Entwicklungen jener Umbruchzeit.

    Bauarbeiten am Barbara-Denkmal: Ein Steinsockel wird aufgestellt.
    Bauarbeiten am Barbara-Denkmal: Ein Steinsockel wird aufgestellt.
    Foto: Anton Steer

    Die Beschreibungen in den damaligen Zeitungen zeigen, dass in der Phase der Errichtung allein schon die äußere Form des Barbara-Denkmals großes Interesse weckte. Das stabile ausladende Fundament war beeindruckend. Auch dass die Skulpturen auf Fernsicht angelegt waren, weil sie eine klare Umrisslinie besaßen und auf ausladende Bewegungen verzichteten. Die Postamente von "Krieg" und "Frieden" waren betont antiklassizistisch geformt; sie trugen übrigens Bronzetafeln mit den Namen von gefallenen Soldaten.

    Die kanonische Unterteilung in Sockelplatte, Kubus und Deckprofil wurde weggelassen. Dadurch machte das Fundament einen geschlossenen, harmonischen Eindruck. Man weiß auch, dass die Skulpturen des Denkmals nach den Maßgaben der "Hildebrandschule" so gestaltet sind, dass die Form des ursprünglichen Steinblocks zu erkennen ist, beziehungsweise die sogenannte "steingerechte Form" hat. Der Künstler war offensichtlich an klassischen Vorbildern geschult, weil Aufbau und die Darstellung des Denkmals insgesamt von naturnaher Sachlichkeit geprägt sind.

    Aus dem Kreis der Kunsthistoriker erschien in der damaligen Zeitschrift "Kunst für Alle" eine Kurzbesprechung, die heute noch zugänglich und hilfreich für das Erkennen und Verstehen der Gedanken des Schöpfers dieses Denkmals ist. Sie erschien im Jahre 1908, das heißt ein Jahr nach der Einweihung des Denkmals: "Die in München bereits heimisch gewordene tektonische Plastik findet nun allerorten Anerkennung; es zeigt sich, dass die Prinzipien: künstlerische Wertung und Gestaltung der örtlichen Situation, innige Verbindung von Architektur und Plastik (...) auch immer künstlerische Wirkung gewährleisten. Der neuerdings in Koblenz errichtete Barbara-Brunnen, ein Werk des Münchner Bildhauers Georg Schreyögg, bestätigt es (...) es fehlt die übliche Germania mit Schwert und Krone, es fehlt auch der sterbende Krieger, die brüllenden Löwen, die fliegenden Adler, die üblichen Wappenschilder (...); doch weist die Hauptfigur des Brunnens auf das Waffenhandwerk hin." Diese Kritik ist gezeichnet mit den Initialen A.H., die vermutlich für Adolf von Hildebrand stehen.

    Der Künstler und sein Werk

    Georg Schreyögg hatte vorwiegend in Süddeutschland zahlreiche bildhauerische Werke geschaffen, beispielsweise die "Flora" in Karlsruhe, die Marmorfigur "David" in Freiburg im Breisgau und die bekannte "Kreuzigungsgruppe" auf dem Waldfriedhof in München. Sein Werk war dabei teilweise stark religiös geprägt. Er gehörte zu jenen Künstlern, die in ihren Arbeiten versuchten, den Hinweis auf zeitlose geistige Werte aufzunehmen und zum Ausdruck zu bringen. Nach einer gründlichen Ausbildung war er Meisterschüler in München geworden. Sein Talent wurde rasch erkannt. Ein Privatstipendium von Prinzregent Luitpold erlaubte ihm einen Aufenthalt in Italien.

    Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule in München war er Mitarbeiter bei der Erstellung der Reliefs am Theater in Meran. Sein Stil wurde stark vom Neoklassizismus beeinflusst. Die italienische Hochrenaissance regte ihn zudem immer wieder bei seinem Schaffen an. Er war der berühmten "Hildebrand-Schule" zugehörig und wirkte am Wittelsbacher Brunnen in München unter der Leitung von Adolf von Hildebrand mit. Seitdem war er ein ausgewiesener Anhänger der engen Verbindung von Bildhauerei und Architektur.

    Bauarbeiten am Friedrich-Ebert-Ring: Die Barbara wird zusammengestzt.
    Bauarbeiten am Friedrich-Ebert-Ring: Die Barbara wird zusammengestzt.
    Foto: Anton Steer

    In oben erwähnter Zeitschrift "Kunst für Alle" erschien im Jahr 1916 eine Kurzbesprechung vom Kunsthistoriker Ludwig Segmiller zu Schreyöggs Wirken. Nach einer längeren Würdigung seiner Werke und der Widersprüchlichkeit des damaligen Kunstschaffens, trifft er folgende Feststellungen: "Allmählich beginnt man sich im Chaos der Erscheinungen ("der Zeit", Anmerkung des Verfassers) zurechtzufinden und zu erkennen, dass der absolute Nihilismus der Form doch recht weit entfernt von Kunst ist.

    Das bewies nicht zuletzt (die kürzlich geschlossene) Ausstellung der Neuen Münchner Secession. So wendet sich das Verständnis auch jenen Künstlern wieder zu, die ohne an impressionistischen Übungen hängen geblieben zu sein, sich trotz aller Gegenbewegungen nach wie vor zur Form bekennen.

    Auch Georg Schreyögg, der bekannte Karlsruher Bildhauer, steht inmitten jener Strömungen und Gegenströmungen als einer der das seelische Moment mit der Schönheit der plastischen Gestaltung zu verbinden strebt. (...) (zwei Quellen brachten ihm) in gewissem Sinne Vertiefung und Befreiung. Vertiefung in Hinsicht auf Klarheit und Größe des Ausdrucks, Befreiung in Bezug auf Formgebung. Beide Quellen, aus denen der Künstler schöpfte, verstärkten in ihm die Abneigung gegen das Formlose."

    Die Ausschreibung und ihre Auswahlkriterien

    Das Barbara-Denkmal wurde anno dazumal im Rahmen eines Künstlerwettbewerbs ausgeschrieben, an dem sich fünf Künstler beteiligt haben. Ihre Entwürfe bewegten sich mehrheitlich auf dem damals üblichen Pfad der Heldenverehrung. Den Wettbewerb gewann Georg Schreyögg. Sein Entwurf traf offensichtlich die Vorstellungen der Auftraggeber, die drei wesentliche Ansprüche enthielten:

    • als Kunstwerk seiner Zeit in Abstimmung mit den baulichen Gegebenheiten
    • als Friedensdenkmal durch die Art der Darstellung von allegorischen Figuren
    • als stilvolle Form des Gedenkens an die in den Einigungskriegen gefallenen Regiments-Kameraden

    Dass diese Forderungen im Schreyögg’schen Konzept erfüllt wurden, kann man aus den damaligen Stellungnahmen zu den eingereichten Entwürfen, an der die Koblenzer Bürger rege teilgenommen haben, in den Medien erkennen. Sein Entwurf erfuhr die allgemeine Zustimmung. Die "Coblenzer Zeitung" kommentierte es beispielsweise als eine besonders gute Idee, "die heilige Barbara als Hauptfigur zu verwenden. Das Denkmal erhält dadurch ein fantasievolles Gepräge."

    Und stellte weiter fest, die beiden Figuren "Krieg" und "Frieden" "geben dem Denkmal eine große künstlerische Bedeutung. Insgesamt muss man es dem Künstler hoch anrechnen, dass er einen Entwurf geschaffen hat, der nichts mit üblichen Kriegerdenkmälern zu tun hat und der trotzdem ein würdiges Soldatendenkmal ist". Die Menschen damals wussten also genau welche Art der Darstellung für sie wichtig und richtig war.

     Das Barbara-Denkmal wird wieder errichtet: Die Figur "Frieden". 
     Das Barbara-Denkmal wird wieder errichtet: Die Figur "Frieden". 
    Foto: Anton Steer

    Diese kurz gefassten Kernpunkte der damaligen Bewertung erteilten damit jeder Verherrlichung des Krieges und jeder martialischen Darstellung – die damals an anderen Orten durchaus üblich war – eine Absage. Sie gaben vielmehr einen Hinweis darauf, dass ein ehrendes Gedenken für die Gefallenen dem Frieden verpflichtet sei und die Kunst dies darzustellen vermag.

    Der Fachmann im Denkmalausschuss, Baudezernent Müller, hatte im März 1906 dem Gesamtausschuss der Stadt folgende Stellungnahme vorgetragen: "Es ist Herrn Schreyögg gelungen, einen Entwurf zu schaffen, der dem Platz, auf dem das Denkmal errichtet werden soll, voll gerecht wird und sich besonders gut in die Gartenanlagen der Ringstraße einfügen wird. (...) Der Aufbau des Schreyögg’schen Entwurfes ist darin besonders glücklich zu nennen." Diese Rede wurde am 15. März 1906 in der "Coblenzer Zeitung" veröffentlicht.

    Gedanken zur Restaurierung

    Aus der im Jahr 2010 vorgefundenen Lage ergab sich die Frage, welchem Leitgedanken die Restaurierung dieses sehr stark beschädigten, historisch interessanten Denkmals folgen sollte. Als Orientierung dienten Beispiele aus den fünfziger und sechziger Jahren, wo in manchen Städten wertvolle Denkmäler der "autogerechten Stadt" weichen mussten, bis man später entdeckte, dass auch Kunstwerke der Vergangenheit nicht nur der Attraktivität einer Stadt, sondern auch ihrer Erinnerungskultur dienen können.

    Für Koblenz war diese Frage deshalb lösbar, weil die Denkmalteile noch zahlreich vorhanden waren und es auch an fruchtbaren Anregungen nicht mangelte. Demnach war der Leitgedanke, dass die Gegenwart behutsam mit den Zeugen der Vergangenheit umzugehen habe, um ihre Wurzeln nicht zu verlieren.

    Wie das Barbara-Denkmal als Kunstwerk konkret zu reparieren sei, war im Vertrag mit der Stadt bereits festgelegt: Herstellen der Originalform unter Verwendung aller vorhandenen Teile. Auch der Denkmalschutz verfolgte diese Linie. Unabhängig davon galt es aber auch aktuelle (kunst-ästhetische) Theorien zu berücksichtigen, die mit Mehrheit sagen, dass das Alte und Beschädigte auch alt und beschädigt erscheinen soll, mit allen Spuren des Erlebten, und wären es "Risse und Wunden", wie Georg Dehios schrieb.

    Demnach werden heutzutage die Alters- und Beschädigungsspuren eines Denkmals nur noch entfernt "wenn sie stark als störend empfunden werden". Aufgrund dieser Vorgaben folgte der Verein der Linie, alle vorhandenen Teile in ihrer Originalform zu verwenden und dabei diese "ästhetische" Forderung zu berücksichtigen. Fehlende Teile wurden deshalb nur dort ergänzt, wo ihr Fehlen stört – aus statischen oder ästhetischen Gründen. Ein paar kleinere Wunden wurden als Zeugen der Denkmal-Biografie belassen.

    Bauarbeiten am Friedrich-Ebert-Ring: Das Fundament ist fertig.
    Bauarbeiten am Friedrich-Ebert-Ring: Das Fundament ist fertig.
    Foto: Anton Steer

    Nicht unerwähnt bleiben darf die rege Anteilnahme von Koblenzer Bürgern am Projekt, die der Verein bei seinen Informationsveranstaltungen erfahren hat. Sie führte dazu, dass für die Wiedererrichtung des Denkmals zahlreiche alternative Vorschläge eingingen. So wurde beispielsweise der Gedanke eingebracht, nur die drei Figuren zu renovieren und sie dann auf drei Betonsäulen in moderner Gestalt aufzustellen.

    Ein weiterer interessanter Gedanke war, die drei Skulpturen auf einen durchgehenden Betonsockel zu stellen und dadurch Alt und Neu miteinander zu verbinden. Der interessanteste Vorschlag umgab die Barbara-Figur mit 28 Stelen; diese sollten die europäischen Staaten symbolisieren. Leider konnten diese interessanten Anregungen nicht in der Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt werden, weil – wie bereits dargestellt – der Leihvertrag der Stadt den Verein an die Originalform gebunden hatte.

    Die Bedeutung des Denkmals

    Das Anliegen der Auftraggeber war offensichtlich, aus den Schrecken der erlebten Kriege die richtigen Lehren zu ziehen, sie an nachfolgende Generationen weiter zu geben und insbesondere das Opfer ihrer gefallenen Kameraden nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Mit dem Barbara-Denkmal ist es dem Künstler gelungen ein eindrucksvolles, das heißt ethisch und ästhetisch überzeugendes und in seiner Aussage eindeutiges Kunstwerk zu schaffen.

    Er ist damit nicht nur dem Anliegen seiner Auftraggeber, sondern auch seiner Berufung als Künstler und Mahner gerecht geworden, ein Zeichen gegen die martialische Stimmung seiner Zeit zu setzen. Aus heutiger Sicht wäre seine Botschaft fast schon als visionär zu bezeichnen.

    Die ganze Botschaft des Denkmals ist daran zu erkennen, dass die Figur der heiligen Barbara das Kanonenrohr mit ihrer rechten Hand verschließt, die Figur "Frieden" einen Lorbeerkranz, die Figur "Krieg" ihr Schwert in der Scheide hält. Die Friedensmahnung dieses Denkmals ist unübersehbar. Sie ist für alle Zeit gültig und zeigt, dass Kunst sie unmissverständlich darzustellen und Werte zu vermitteln vermag. 

    Die interessierten Menschen wollen die Geschichte verstehen und ihre sichtbaren Zeichen auch deuten. Das Barbara-Denkmal kann Anstöße geben für das Gedenken an die Opfer aller Kriege und an die, durch alle Zeiten hindurch drängende Frage, wie der Frieden erhalten werden kann. Dies berührt ethische Grundfragen des Menschen. Die Dimension der Verantwortung, die in diesen Entscheidungen liegt, ist für alle Generationen ungeheuer groß.

    Dabei gilt es die Erfahrungen aus der eigenen Geschichte einzubeziehen. Sie bieten jeder Generation die Chance, neue Erkenntnisse zu gewinnen und verpflichten sie gegebenenfalls förmlich dazu, neue Wege zu gehen. Diese Chance sollten freie Bürger eines demokratischen Rechtsstaates ergreifen. Deshalb ist der Gedanke wohl richtig, dass dieses Barbara-Denkmal, das aus der Vergangenheit kommt, auch eine Funktion für zukünftige Generationen erfüllt.

    Das Barbara-Denkmal kehrt zurück: Die Figur "Frieden" wird auf ihren Sockel gesetzt.
    Das Barbara-Denkmal kehrt zurück: Die Figur "Frieden" wird auf ihren Sockel gesetzt.
    Foto: Anton Steer

    Das Denkmal macht mit künstlerischen Mitteln noch weiteres bewusst. Die Wiedererrichtung des Barbara-Denkmals scheint auch besonders deshalb gerechtfertigt zu sein, weil seine Kernaussage etwas mit Frieden in Freiheit zu tun hat. Es ist deshalb mehr als lediglich ein Ort der Rückschau oder der Erinnerung. Es sollte vielmehr Mahnung und Wegweiser dafür sein, wie diese Grundwerte menschlichen Lebens zu sichern seien. 

    Die Bedeutung des Denkmals liegt demnach auch darin, künftigen Generationen Hinweise für die Bewältigung existentieller Fragen bis hin von Krieg und Frieden zu geben. Es ist spannend zu erleben, wie bei Gesprächen über das Denkmal vor allem jüngere Menschen Fragen stellen zur Rolle unseres Landes in der modernen globalisierten Welt. Als Kurzantwort dazu festzustellen, die Rolle und Selbstverständnis unseres Landes sei beschrieben in dem kurzen Satz in der Präambel des Grundgesetzes der sagt, dass die Bundesrepublik gewillt ist als "gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen" wird durchaus akzeptiert.

    Aber sie fragen auch nach weiteren Erklärungen. Sie sehen, dass dieses Kunstwerk bedenkenswerte Aussagen macht und dem Betrachter deutliche Hinweise gibt. Es verweist im übrigen auch, insbesondere durch die Mätyrerfigur der heiligen Barbara, auf bis zum heutigen Tag gültige Tugenden hin, die gesondert bedacht werden sollten. Besonders deutlich sind schon bei erster Betrachtung Tapferkeit, Standfestigkeit und Treue zu eigenen Überzeugungen.

    Rolle in Gegenwart und Zukunft

    Kunst verweist auch auf schwierige Fragen. Die Tatsache beispielweise, dass der Bürger unseres Landes in den Widersprüchlichkeiten der globalisierten Welt immer wieder die Verletzlichkeit des Friedens erleben muss, wirft die Frage auf, wie weit er selbst bereit ist die Freiheit und damit unsere Grundrechte zu verteidigen. Aber die Lösung dieser Aufgabe mit friedlichen Mitteln stößt, aller Erfahrung nach, oft genug an ihre Grenzen. Nur zur Verteidigung der Grundwerte kann ein verantwortliches Handeln – zum Beispiel den Einsatz von Streitkräften als "ultima ratio" – erforderlich machen. Auch auf die Problematik solcher Entscheidungen, diesen Gedanken vermag dieses Kunstwerk hinzuweisen.

    Die Bedeutung dieses Denkmals wird durch die angewandten künstlerischen Mittel unterstrichen. Das Barbara-Denkmal ist durch seine künstlerische Darstellung zu einem wertvollen Zeugnis einer für die heutige Generation vergangenen Zeit geworden. Es ist aber in jedem Fall auch ein Hinweis darauf, die Wiederholung historischer Tragödien zu vermeiden. Dies ist eine Wegemarke für die Verpflichtung aller, ihren Beitrag zur Friedenserhaltung zu leisten.

    Insgesamt entspricht das restaurierte Denkmal dem ursprünglichen ethischen und ästhetischen Konzept des Künstlers. Die Achtung vor dem Überlieferten in Verbindung mit den friedenserhaltenden Gedanken der Gegenwart geben Hinweise für die mögliche Rolle des Denkmals in der Zukunft. Was einst Kunst gewesen ist war bei dessen Wiederherstellung zusammen zu bringen mit dem, was sie heute ist, um damit nach Form und Inhalt wieder Gelegenheit für eine Aussage zu schaffen, die uns unmittelbar betrifft. Die individuelle Bereitschaft und die Aufgeschlossenheit des Betrachters ermöglichen dann jeweils eine eigene Erkenntnis und Erfahrung. Weiterlesen

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