40.000
Aus unserem Archiv
Winningen/Kobern-Gondorf

Wird Skywalk über dem Uhlen Realität? Was sich seit dem Wettbewerb in Winningen getan hat

In Andernach wird derzeit über einen Skywalk am Krahnenberg diskutiert. In Winningen war eine solche Aussichtsplattform bereits vor rund einem Jahr ein Thema. Damals hatten – wie in Andernach – Studenten der Hochschule Koblenz ihre Modelle für einen Skywalk über dem Uhlen präsentiert und zur Wahl gestellt. Nicht nur das von der Jury ausgewählte Modell, sondern auch die Idee an sich, stieß in Winningen auf große Zustimmung. Doch was ist aus der Idee eigentlich geworden?

So könnte der Skywalk über dem Uhlen aussehen: Mit dem Modell "Weinaromen" gewannen Janis Berresheim und Charline Helf den Wettbewerb. Visualisierung: Hochschule Koblenz
So könnte der Skywalk über dem Uhlen aussehen: Mit dem Modell "Weinaromen" gewannen Janis Berresheim und Charline Helf den Wettbewerb. Visualisierung: Hochschule Koblenz

In Vergessenheit geraten ist das Projekt zwar keineswegs, wie Ortsbürgermeister Eric Peiter im Gespräch mit der RZ betont, richtig weitergekommen ist man aber bislang noch nicht. Allerdings gibt es dafür auch Gründe. Denn im Uhlen läuft derzeit eine Flurbereinigung, bei dem die Einträge in den Katasterbüchern der Realität angepasst werden. Das heißt: Bei der Flurbereinigung wird klar festgelegt, wo im Weinberg die Grenzen zwischen den Flächen der Winzer verlaufen. Das war bislang nicht der Fall. Zwar wussten die Winzer in der Praxis, wo die Grenzen liegen. Dies entsprach aber oft nicht dem Katastereintrag. Darüber hinaus haben die Winzer noch die Möglichkeit, Flächen zu tauschen – im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens ohne Notar.

Gemeinde benötigt Flächen

Mit dem Skywalk hat dies insofern zu tun, weil die Gemeinde für den Weg dorthin Flächen benötigen würde. Denn der Platz, den man für den Skywalk ins Auge gefasst hat, liegt nicht direkt am Moselsteig. Eine Anbindung an den beliebten Wanderweg ist aus touristischem Aspekt aber nötig. Der Verbindungsweg – etwa 300 Meter – sollte nach Möglichkeit auf einer Gemeindefläche verlaufen, findet Peiter. Durch die mit der Flurbereinigung einher gehenden Verschiebungen sieht der Ortschef eine Möglichkeit, an die Flächen zu kommen. "Wenn Du die Chance jetzt nicht nutzt, ist sie weg", sagt Peiter, der den Skywalk weiterhin durchaus für realisierbar hält.

Wie es danach genau weitergehen würde, ist noch nicht klar. Fest steht aber inzwischen, dass Winningen den Skywalk nicht allein angehen würde. Denn der Uhlen liegt nicht nur auf Winninger, sondern auch auf Kobern-Gondorfer Gebiet, und der Platz für den Skywalk in etwa auf der Gebietsgrenze. Beide Gemeinden hatten erst kürzlich vereinbart, in Sachen Tourismus enger zusammenzuarbeiten. Somit könnte der Skywalk auch zum Thema für die Nachbargemeinde werden. Der Kobern-Gondorfer Ortsbürgermeister Michael Dötsch steht dem Projekt keineswegs ablehnend gegenüber. "Der Skywalk ist für mich ein Highlight, ein Zeichen dafür, dass man gebietsübergreifend und auch visionär denkt", sagt er.

Kooperation mit Kobern-Gondorf

Auch Dötsch glaubt, dass das Projekt realisierbar ist – allerdings nur in Zusammenarbeit. Letztere ist aus seiner Sicht nicht nur wegen der geografischen Nähe der beiden Gemeinde der richtige Weg. Denn dem Tourist sei es letztlich egal, ob der Uhlen nun zum Beispiel auf Koberner oder Winninger Gemarkung liege. Zudem glaubt Dötsch, dass es durchaus von Vorteil sein könnte, wenn Fördergelder gebietsübergreifend beantragt werden könnten. Und ohne solche Fördergelder wird das Millionenprojekt Skywalk nicht realisierbar sein.

Bis zur Verwirklichung des Skywalks -sollte es tatsächlich dazu kommen – werden aber sicher noch Jahre ins Land ziehen. Denn bis dahin müssen nicht nur Besitzverhältnisse geklärt und Fördergelder beantragt werden. Auch muss zum Beispiel durch eine Bodenuntersuchung festgestellt werden, ob der Boden an der ausgewählten Stelle überhaupt geeignet ist, um den Skywalk darauf zu errichten. "Ich hab' damit gerechnet, dass es sich lange hinziehen wird", sagt Cornelia Heymann-Löwenstein vom gleichnamigen Winninger Weingut, auf dessen Grund der Skywalk nach derzeitigen Vorstellungen stehen würde, im Gespräch mit der RZ. "Wenn das ganz einschlafen würde, wäre das aber schade, weil es wirklich spektakulär ist." Sie werde das Projekt weiter unterstützen, hält aber die schon im Vorjahr geäußerte Kritik, dass der Skywalk nicht nur eine Aussicht auf Dieblich liefern dürfe, für durchaus bedenkenswert. "Der Skywalk müsste weit genug hinausreichen, sodass man den Uhlen in seiner Gesamtheit gut erkennen kann", so die Winzerin.

Von unserem Redakteur Volker Schmidt

Ideenwettbewerb: Skywalk könnte Andernacher Krahnenberg herausragende Aussicht bescheren

Andernach. Wie lässt sich der Aussichtspunkt am Krahnenberg eindrucksvoll in Szene setzen, touristisch aufwerten und dabei auch den Naherholungswert für die Bürger steigern? Um die Kanzel an Andernachs Hausberg mit dem weiten Blick über Andernach, den Rhein bis hinein ins Neuwieder Becken weiter aufzuwerten, wurde in Kooperation zwischen der Stadt Andernach sowie der Hochschule Koblenz ein Wettbewerb ausgelobt, bei dem Studenten ihre Vision eines Skywalks realisieren sollten. Nun wurden die Entwürfe im Historischen Rathaus in Andernach der Öffentlichkeit vorgestellt und von einer Jury prämiert.

Eine gemeinsame Ausgangssituation, eine klar formulierte Aufgabenstellung, sieben höchst kreative und zugleich individuelle Ideen für den Aussichtspunkt hoch über Andernach: 23 Studenten der Fachbereiche Architektur und Bauingenieurwesen erarbeiteten in sieben Teams während des Wintersemesters Entwürfe. Die Vielfalt der Ideen war beeindruckend. Die Aufgabenstellung selbst war relativ frei gehalten, erläuterte Prof. Andreas Laubach: „Es sollte nicht nur der Aussichtspunkt an sich entworfen werden, sondern das ganze Gelände bis hoch zu dem bestehenden Aussichtslokal mitgestaltet werden.“ Und auch das Thema Barrierefreiheit sollte dabei berücksichtigt werden.

Bei dem Skywalk in Andernach geht es darum, eine begehbare Plattform zu entwerfen, die über den Berg hinausragt und dadurch der Landschaftsgenuss noch weiter gesteigert wird. So eindeutig die Aufgabenstellung, so vielfältig die Ideen der einzelnen Gruppen: Wie eine zweizüngige Flamme kommt das Modell „Peak View“ mit seinen zwei Ebenen daher, farblich in provokativem Rot und Schwarz gehalten, das sich an den Farben des Andernacher Stadtwappens orientiert. Oder auch der mit „Frame The View“ betitelte Steg über die Felskante hinweg, in dessen Mitte ein Glasboden für eine gewisse Leichte sorgt, beschrieben die Studenten. Eine weitere Gruppe wiederum ließ sich von der Natur inspirieren und entwarf eine Plattform in Wabenform, durch dessen Glasboden die filigrane Ständerkonstruktion zu sehen ist und den Blick ins Tal zulässt – „The Place To Bee“. Eine um 30 Grad schwenkbare „Schüssel“, wie die Gruppe ihren Entwurf „Schöne Aussicht“ selbst nannte, soll den Blick in alle Richtungen durchs Rheintal schweifen lassen können. Die Idee des Blicks in verschiedene Richtungen wurde auch beim „Annenache Schwung“ aufgegriffen, bei dem in zwei großen Schwüngen die ankommenden Wanderwege über die Felskante hinaus weitergeführt werden. Zu einem Identität prägenden Merkmal wollte eine weitere Gruppe ihren mehrere Etagen hohen „Aussichtsturm“ machen. Das Thema Kräne im Mittelrheintal hat die Siegergruppe bei ihrem „Heavy View 360°“ aufgegriffen. An einer Krankonstruktion hängt der Skywalk mit einer kreisförmigen Plattform, die dem Besucher ein 360-Grad-Panorama ermöglicht. Des Nächtens hängt er illuminiert wie ein riesiger Kronleuchter über Andernach. „Auch wenn die Ziele die gleichen waren, sind die Entwürfe vollkommen unterschiedlich. Das ist sehr interessant an dem Projekt“, findet die Studentin Anh Pham.

Bei alldem war es den Studenten auch wichtig, die vorhandene Infrastruktur mit bestehendem Parkplatz, aber auch den Wanderwegen, die am Krahnenberg vorbeiführen, und das Gelände zwischen Krahnenburg und Aussichtskanzel in ihre Ideen einzubeziehen. Dass die Entwürfe keine unrealisierbaren Hirngespinste sind, dafür sorgten die angehenden Bauingenieure, die zu jedem Team dazugehören und die Ideen der Architekten auf ihre Umsetzbarkeit überprüften und statische Berechnungen zu den Modellen durchführten.

Ob und wie die Ideen umgesetzt werden, wird die Zukunft zeigen. Oberbürgermeister Achim Hütten zeigte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf des Wettbewerbs: „Sie haben uns heute Abend mit Ihren Entwürfen restlos begeistert. Ihnen ein riesen Kompliment, dass Sie sich so mit der Geschichte der Stadt und auch mit der Identität auseinandergesetzt haben.

Von unserer Redakteurin Mira Müller

Koblenz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
x
 
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

epaper-startseite
Wetter
Sonntag

13°C - 20°C
Montag

12°C - 21°C
Dienstag

14°C - 25°C
Mittwoch

15°C - 27°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerie: Fotos unserer Leser
Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
Koblenzer Stadt-Geschichten

Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf