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    Winninger Stephan Horch sagt Müll in der Mosel den Kampf an

    Plastik ist praktisch. Aber Plastik ist auch lästig, sogar gefährlich. Schwimmt eine Plastikflasche einmal im Meer, dauert es mehrere Hundert Jahre, bis sie vollkommen zersetzt ist. Tiere werden durch den Plastikmüll bedroht, verenden oft qualvoll, weil sie sich darin verfangen oder weil sie ihn verschlucken. Auch in der Mosel schwimmt Plastik – viel sogar.

    Plastikflaschen findet Stephan Horch bei seinen Kajaktouren auf der Mosel in großen Mengen. Einfach daran vorbeifahren kann der Winninger aber nicht. Um auf den Plastikmüll aufmerksam zu machen, hat er das "Clean River Project" ins Leben gerufen.
    Plastikflaschen findet Stephan Horch bei seinen Kajaktouren auf der Mosel in großen Mengen. Einfach daran vorbeifahren kann der Winninger aber nicht. Um auf den Plastikmüll aufmerksam zu machen, hat er das "Clean River Project" ins Leben gerufen.

    Von unserem Redakteur Volker Schmidt

    "Wenn du einmal darauf achtest, siehst du es überall", sagt Stephan Horch. Der Fotograf und Fotodesigner aus Winningen sammelt Plastik und entsorgt es ordnungsgemäß. Bei seinen Touren mit dem Wildwasserkajak kommt einiges zusammen. Doch damit nicht genug: Mit einer Website und einem Facebook-Profil macht er auf die Problematik aufmerksam und fordert andere auf, mitzusammeln. "Clean River Project" nennt der 41-Jährige sein Projekt, das mit einem Kajakkurs begann.

    "Beim Paddeln ist mir aufgefallen, wie viele Plastikflaschen an einem vorbeischwimmen. Irgendwann habe ich die einfach mal eingesammelt und in den Mülleimer geschmissen", sagt Horch. "Und plötzlich war der Blick anders." Seitdem ist er häufig unterwegs – und sammelt beachtliche Mengen. "In einer Stunde kommt da schon mal eine große Kiste zusammen", sagt er. Den größten Anteil am gesammelten Müll machen PET-Flaschen aus. Aber auch Feuerzeuge, Spielzeug, Tüten, sogar ein Schlauchboot hat er gefunden. Beeindruckt von der Menge, entschloss er sich, darauf aufmerksam zu machen – über ein Facebook-Profil und mit den Mitteln, die er als professioneller Fotograf hat.

    "Ich habe die Sachen, die ich innerhalb von einer Stunde gefunden habe, auf eine weiße Platte gelegt, fotografiert und anschließend gepostet." Die Bilder, die auf diesem Weg entstanden, verfehlen ihre Wirkung nicht – auch wenn sie auf den ersten Blick nicht unbedingt erschreckend sind. "Das hat ja auch Witz", sagt Stephan Horch und verweist auf ein Foto, auf dem drei Capri-Sonnen-Tüten in unterschiedlichen Verwitterungsstufen zu sehen sind.

    Auf einem anderen Foto sieht man Flaschen, Eimer, Deckel und vieles mehr – insgesamt 66 Teile, alle innerhalb einer Stunde gesammelt. Ein Foto zeigt einen großen Haufen Deckel. Im Text dazu wird gefragt: "Was denkt ihr, wie viele Deckel sind es?" Die Antwort folgt vier Tage später: 91. Horch will, dass sich die Leute mit dem Thema beschäftigen. Und das kann auch über den Umweg beziehungsweise ein kurioses Bild geschehen. Besonders beängstigend findet Horch das sogenannte Mikroplastik (siehe Zusatztext). Auch das findet der Winninger – allerdings eher an Land als im Wasser. Aber Horch sammelt inzwischen nicht nur aus dem Kajak heraus und nicht nur an der Mosel. Auch während seines Kroatienurlaubs war er aktiv. "Da wird man auch schon mal blöd angeschaut." Aber das ist ihm egal, die Sache ist es ihm wert.

    Auch wenn das Projekt noch in den Kinderschuhen steckt – bislang haben etwa 200 Personen sein Facebook-Profil mit "Gefällt mir" markiert -, ein paar Erfolge konnte Stephan Horch schon verbuchen. "Ich habe Kontakt mit anderen Kajakvereinen. Die haben auch gesammelt", sagt Horch, der sich durchaus vorstellen könnte, das Projekt noch etwas größer aufzuziehen. "Man könnte das irgendwann mal so machen, dass ich sage: Am Samstag paddele ich da und da. Wer kommt mit?", sagt Horch. "Richtig gut wäre es, wenn man dann zum Beispiel einen Abfallentsorger finden würde, der dort einen Behälter aufstellt." Auch eine Ausstellung mit seinen Bildern – eventuell verbunden mit einem Vortrag – könnte er sich vorstellen. Einen Zeitrahmen hat er sich nicht gesetzt. Er will erst beobachten, wie sich das Ganze entwickelt. "Das ist zwar mein Projekt, aber keins, das aufhört." Und Plastikmüll gibt es ja leider auch noch genug in der Mosel.

    Weitere Infos gibt es unter www.cleanriverproject.de oder unter

    www.facebook.com/cleanriverproject.de

    Kurioses Bild mit ernstem Hintergrund: Diese Capri-Sonnen-Tüten sammelte Stephan Horch in der Mosel und fotografierte sie anschließend.
    Kurioses Bild mit ernstem Hintergrund: Diese Capri-Sonnen-Tüten sammelte Stephan Horch in der Mosel und fotografierte sie anschließend.

    Was ist Mikroplastik?

    Etwa 75 Prozent des Mülls, der im Meer schwimmt, ist aus Plastik. Offensichtlich sind Flaschen oder Tüten. Plastik findet man aber auch in viel kleinerer Form. Bei einer Größe von unter fünf Millimeter spricht man von Mikroplastik. Dieses entsteht durch mechanischen Abrieb im Wasser, wird aber auch von der Kosmetikindustrie eingesetzt – zum Beispiel in Zahnpasta. Mikroplastik ist zu klein, um in Kläranlagen herausgefiltert zu werden, und kann so von Tieren über die Nahrung aufgenommen werden. vos

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