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Koblenz

Wildes Urinieren rund um den Bahnhof: Grünstreifen wird als Toilette missbraucht

Doris Schneider

Ein Mann hockt auf dem kleinen Grünstreifen neben dem Kurt-Esser-Haus und verrichtet sein Geschäft. Morgens, wenn der Hausmeister kommt, muss er das sauber machen. Auch tagsüber stehen oft Menschen an der Hausfassade und pinkeln dagegen. Kinder, die zu Kursen der Jugendkunstwerkstatt (Jukuwe) gehen, müssen an ihnen vorbei. Szenen wie diese kommen nahezu täglich vor.

Vor allem die Grünanlagen rund um das Kurt-Esser-Haus werden als Toilette genutzt. Das kann so nicht weitergehen, es muss eine echte Lösung her, sagen CDU und Grüne und wollen, dass die Stadt prüft, wo ein Container aufgestellt werden kann.
Vor allem die Grünanlagen rund um das Kurt-Esser-Haus werden als Toilette genutzt. Das kann so nicht weitergehen, es muss eine echte Lösung her, sagen CDU und Grüne und wollen, dass die Stadt prüft, wo ein Container aufgestellt werden kann.
Foto: Reinhard Kallenbach

Das geht so nicht weiter, sagt Jukuwe-Geschäftsführer Christoph Nießen. Er versteht die Situation der Menschen, die sich am Bahnhof aufhalten und ja nun mal irgendwohin müssen, wenn sie müssen. Wenn keine Kurse sind, lassen er und seine Kolleginnen die Leute auch mal im Haus auf Toilette gehen, aber das ist ja keine Lösung auf Dauer, sagt er. Im Jugendhilfeausschuss hat er das Thema angesprochen, dann auch beim Arbeitskreis Sicherer Bahnhof, zu dem neben Bahnpolizei, Ordnungsamt und vielen anderen auch die Ratsfraktionen gehören.

Die Fraktionen der Grünen und der CDU stellen nun einen gemeinsamen Antrag bei der Sitzung des Stadtrats am Donnerstag und fordern die Verwaltung auf zu prüfen, wie eine Toilette am Bahnhofvorplatz eingerichtet werden kann, damit die Menschen, die sich hier tagsüber aufhalten, irgendwo ihre Notdurft verrichten können, so der jugendpolitische Sprecher der Grünen, Uwe Diederichs-Seidel. Und auch diejenigen, die drogenabhängig sind, müssen zum Konsum irgendwo hin. „Die Situation kann im Sinne unserer Kinder und Jugendlichen nicht so bleiben, da müssen wir als Stadt Abhilfe schaffen, ohne die Drogenabhängigen und Obdachlosen einfach weiter zu verdrängen“, so der Grünen-Politiker.

Das sieht auch Herbert Dott (CDU) so: Bei einer Sitzung des Arbeitskreises Sicherer Bahnhof wurde klar, dass sich die Situation in der Tiefgarage enorm beruhigt hat, seitdem die Toilette dort geschlossen ist, dass es dafür aber oben auf dem Platz und vor allem rund um die Jukuwe wirklich problematisch geworden ist. Die Verwaltung soll deshalb prüfen, wie eine Lösung aussehen könnte – ob gemeinsam mit der Bahn eine feste Toilette gebaut werden kann, zum Beispiel in der Nähe der Bahnhofsmission, oder ob zumindest zunächst einmal schnell ein Container aufgestellt werden soll. Wo der stehen könnte, muss geklärt werden, denn die Fläche rund um den Bahnhof gehört verschiedenen Eigentümern. „Klar ist aber auch, dass nicht einfach ein Container hingestellt werden kann. „Im Idealfall würde dort ein Aufenthaltsraum mit Toilette, Waschgelegenheit und sozialer Betreuung zur Verfügung stehen, der ganz niederschwellig genutzt werden kann – auch für Menschen, die Alkoholproblemen oder Hunde haben und nicht in andere Unterkünfte dürfen“, erklären Herbert Dott und Uwe Diederichs-Seidel.

Die Grünen fordern zudem, „dass bei allen Überlegungen der Stadt sowie der Politik die Vereine, die sich um Wohnungslose kümmern, wie zum Beispiel ,Die Schachtel', mit eingebunden werden, da sie ihre Klientel und deren Bedürfnisse genau kennen“, ergänzt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Patrick Zwiernik in einer Pressemitteilung: „Außerdem müssen die derzeitigen Zuständigkeiten klarer definiert werden. Je nach betroffener Person ist entweder das Sozial-, das Jugend- oder das Ordnungsamt zuständig.“ Die Grünen möchten dieses Thema federführend beim Sozialamt ansiedeln.

Die öffentliche Sitzung des Stadtrats beginnt am Donnerstag um 15 Uhr im Historischen Rathaussaal.

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

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