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Koblenz

Verschmelzung von Stift und Kemperhof ist so gut wie sicher: Mitarbeiter hoffen auf ruhiges Jahr

Ingo Schneider

Stift und Kemperhof werden verschmelzen, und das am Standort Kemperhof in Moselweiß: Das scheint nach der einstimmigen Grundsatzentscheidung der Gesellschafterversammlung des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein fast sicher.

Da geht's lang, wenn man zum Stift will – zumindest noch. Doch eine Verschmelzung in einigen Jahren mit dem Kemperhof am Standort in Moselweiß wird immer wahrscheinlicher. Was dann aus dem Standort in der Südlichen Vorstadt wird, ist noch offen.
Da geht's lang, wenn man zum Stift will – zumindest noch. Doch eine Verschmelzung in einigen Jahren mit dem Kemperhof am Standort in Moselweiß wird immer wahrscheinlicher. Was dann aus dem Standort in der Südlichen Vorstadt wird, ist noch offen.
Foto: Archiv Sascha Ditscher

Erarbeitet werden jetzt die Verträge zur Umsetzung dieser Einstandort-Lösung. Und ein Knackpunkt, an dem das Ganze noch scheitern könnte, ist die Frage: Was wird aus dem Stift? Mindestens bis 2023 wird der Krankenhausbetrieb aufrechterhalten, wie die Geschäftsführung des GKM bereits betont hat. Und danach? Eine Frage, die natürlich vor allem in der Vorstadt viele bewegt – Patienten, Schwestern, Pfleger und Ärzte. Wie ist die Stimmungslage im Krankenhaus im Süden der Stadt, was sind Ängste und Hoffnungen, Sorgen und Erwartungen?

„Das Jahr war nicht einfach“, betont Heike Salm auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Erste stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrats Evangelisches Stift St. Martin berichtet von großen Belastungen, etwa durch Einführung eines einheitlichen Krankenhausinformationssystems für alle fünf Standorte, Zentralisierungen von Lager, Personalabteilung, Finanzbuchhaltung, Einkauf, Logistik und Labor. Und Salm berichtet weiter von einer großen Verunsicherung, die teilweise nach wie vor herrsche. Trotz allem hätten es die Mitarbeiter aber „am Rande ihrer Belastbarkeit“ gemeinsam sichergestellt, die Patienten zu versorgen. Salm: „Für das neue Jahr wünschen sich deshalb alle weniger belastende Ereignisse rund um unser Krankenhaus.“

Zwar dauere es noch viele Jahre bis zu einer Aufgabe des Stifts. „Und die meisten ahnen auch, dass die Einstandort-Lösung die bessere Alternative ist, aber sie hängen an ,ihrem Stift'.“ Viele Mitarbeiter arbeiten schon sehr lange für das Haus, fühlen sich als „Stiftsfamilie“. Und auch für viele Patienten ist das Haus nicht nur ein Gebäude, sondern seit vielen Jahren ihr Krankenhaus. Im Übrigen machen sich die Mitarbeiter aber natürlich auch Sorgen um die eigene Zukunft, und zwar an beiden betroffenen Standorten. Sowohl am Stift wie am Kemperhof seien die Mitarbeiter vorsichtig ausgedrückt, „hellhörig“. „Jeder Standort befürchtet Verluste auf die eine oder andere Art und Weise“, berichtet Salm.

Wobei man im Betriebsrat davon ausgeht, dass die Zusammenlegung keine Stellen kosten dürfte. Denn: „Dem entgegen stehen die Aussagen der Geschäftsführung und des Aufsichtsratsvorsitzenden Prof. Dr. Hofmann-Göttig vom Frühjahr, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird“, betont Salm. Und zwar nicht bei einer Einstandort-Lösung und auch nicht, obwohl der Kündigungsschutz aus dem Fusionsvertrag am 31. Dezember 2018 auslaufe. Und trotzdem seien die Sorgen der Mitarbeiter „vielschichtig und individuell sehr verschieden“. Und so machen sie sich eben auch Sorgen über einen möglichen Verlust des Arbeitsplatzes oder eine Versetzung in eine andere Abteilung. Es gibt aber auch völlig andere Reaktionen, wie Salm beobachtet: „Einige beschäftigen sich überhaupt noch nicht mit diesen Sachverhalten, da es noch Jahre dauert, bis es soweit ist.“ Zur Erinnerung: Noch im Zuge der Fusion von Gemeinschaftsklinikum Koblenz-Mayen und Stiftungsklinikum Mittelrhein im Jahr 2014 war klar, dass alle Standorte erhalten bleiben sollten – also die Krankenhäuser in Mayen, Boppard und Nastätten, aber auch beide Häuser in Koblenz. Doch ebenso klar war, dass gerade diese beiden stark sanierungsbedürftig sind. Und im Zuge der Planungen zeichnete sich immer stärker ab, dass eine Zusammenführung zu nur noch einem Krankenhaus in Koblenz wirtschaftlich und organisatorisch sinnvoll wäre. Diese Meinung setzte sich mittlerweile bei allen Gesellschaftern, also der Stadt Koblenz, dem Landkreis Mayen-Koblenz und den vier kirchlichen Gesellschaftern durch. Sogar die Stiftung Evangelisches Stift St. Martin ist grundsätzlich bereit, sich von „ihrem“ Krankenhaus zu trennen – sofern sich eine passende und vertretbare Nachnutzung findet.

In der Belegschaft kann Betriebsrätin Heike Salm keine einheitliche Meinung dazu erkennen, ob der Weg der richtige ist. „Die meisten nehmen es als gegeben hin, da es an der unternehmerischen Entscheidung ja eh nichts zu rütteln gibt.“ Einige würden es auch als Chance sehen, sich weiter zu entwickeln. Für eine breite Akzeptanz sei es aber noch zu früh – zumal die Mitarbeiter noch nicht wissen, was genau auf sie zukommt. Zwar habe die Geschäftsführung per Newsletter weitreichend informiert. Und doch fehle es in einigen Bereichen noch an Information, machen falsche Informationen per Flurfunk die Runde.

„Wir nehmen die Sorgen sehr ernst und versuchen, möglichst über alles umfassend zu informieren“, betont Heike Salm. Die Betriebsräte aller Standorte und Tochtergesellschaften seien bis jetzt in die Planungen eng eingebunden. Salm hofft, dass das auch weiterhin so sein wird. Für sie ist klar: „Wir werden hart verhandeln und für die Mitarbeiter kämpfen, falls es nötig ist.“

Von unserem Redaktionsleiter Ingo Schneider
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