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Koblenz

Verkehr auf Koblenzer Straßen: Das will der neue OB tun

Verkehrsachsen, die die Stadt durchschneiden, Busverbindungen, mit denen man gefühlte Ewigkeiten unterwegs ist, Radwege, die im Nichts enden: In den vergangenen Wochen haben wir immer wieder darüber berichtet, woran es hapert beim Verkehr in Koblenz – und was für Ansätze es geben könnte, um die Situation zu verbessern.

Der angehende OB David Langner will den Verkehr in der Stadt verändern und dafür auch Dinge ausprobieren. Ein Experimentierfeld könnte die Trierer Straße sein: Wegen Bauarbeiten testen Autofahrer hier seit Monaten zwangsweise, wie der Verkehr auf der eigentlich vierspurigen Straße auf nur zwei Fahrbahnen funktioniert. Und: Es hat sich herausgestellt, dass diese für den Autoverkehr eigentlich reichen. Die frei gewordenen Spuren könnten zur Fahrrad- oder Bustrasse werden.
Der angehende OB David Langner will den Verkehr in der Stadt verändern und dafür auch Dinge ausprobieren. Ein Experimentierfeld könnte die Trierer Straße sein: Wegen Bauarbeiten testen Autofahrer hier seit Monaten zwangsweise, wie der Verkehr auf der eigentlich vierspurigen Straße auf nur zwei Fahrbahnen funktioniert. Und: Es hat sich herausgestellt, dass diese für den Autoverkehr eigentlich reichen. Die frei gewordenen Spuren könnten zur Fahrrad- oder Bustrasse werden.
Foto: Stephanie Mersmann

Einer, der eine zentrale Rolle in diesem Prozess spielen wird, ist der angehende Oberbürgermeister David Langner. Im Wahlkampf hatte er das Thema Verkehr ziemlich weit oben auf die Agenda gesetzt. Am 1. Mai tritt er sein neues Amt nun an – und dann wird sich zeigen, wie er seine Vorstellungen in die Realität umsetzt. Darüber sprachen wir mit ihm:

Wann waren Sie das letzte Mal mit einem Fahrrad oder dem Bus in Koblenz unterwegs?

Mit dem Bus dürfte das drei Wochen her sein, da wollte ich von Lay mit dem Bus nach Güls.

Das ist ja nicht ganz einfach ...

Wir hatten Glück, dass wir einen Bus bekommen haben, der fährt sonntags tatsächlich nur alle zwei Stunden. Von Lay sind wir zur Gülser Brücke gefahren, und von da bin ich zu Fuß nach Hause gelaufen. Sonst fahre ich aber nicht so regelmäßig Bus. Und mit dem Fahrrad ist die Strecke von Güls in die Innenstadt – gerade bei Termindruck – tatsächlich ziemlich lang.

Wie ist es denn aus Ihrer persönlichen Erfahrung, wenn man mit dem Rad oder dem Bus in der Stadt fährt?

Man ist nicht ganz so flexibel, mit dem Bus ist das sicherlich so. Man muss immer gucken, wann der nächste fährt, und wenn das dann nur alle zwei Stunden ist, wird es schon kritisch. Dann kann man sich nicht darauf verlassen und muss auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen. Und als ich von Güls zum letzten Mal mit dem Fahrrad in die Stadt gefahren bin, habe ich die Radwege zum Teil nicht auf Anhieb gefunden, sondern bin auf Wegen gelandet, auf denen ich eigentlich nichts zu suchen hatte. Früher bin ich fast ausschließlich mit dem Fahrrad gefahren und habe gemerkt: Es gibt oft nicht den direkten Weg mit dem Fahrrad, man wird umgeleitet, muss die Straßenseite wechseln, Schlenker machen.

Im Wahlkampf war Verkehr eines Ihrer zentralen Themen. Wo sehen Sie die größten Baustellen in Koblenz?

In der Attraktivität des Busverkehrs. Und im Ausbau des Fahrradwegnetzes. Ich glaube, dass der Autoverkehr ein Problem ist, was Staus morgens und abends angeht. Da wäre meine Zielrichtung, dass man mittelfristig auf die Alternativen umsteigt.

Den Autoverkehr wollen Sie nicht attraktiver machen?

Nein. Es gibt ja jetzt noch mal die Diskussion um einen Tunnel unter der Karthause hindurch. Ich glaube, für das Geld, das so ein Mega-Bauprojekt kosten würde, kann man viele Alternativen finanzieren.

In welche Richtung soll sich der ÖPNV verändern? Gerade wird just die Vergabe eines neuen Verkehrsvertrages vorbereitet, mit dem man die Weichen stellen kann.

Ja, bis 2020 muss das neu vergeben werden. Wir müssen jetzt die Bedingungen für die Bewerber klarstellen, und da wird es darum gehen, das Angebot zu erweitern und die Preise günstiger zu gestalten. Wir sind einfach sehr, sehr teuer. Da müssen wir ran. Vieles muss auch im Verkehrsverbund geklärt werden, es ist nicht so einfach, etwas allein in der Stadt Koblenz umzusetzen. Das Thema ÖPNV ist ohnehin nur mit der Region lösbar.

David Langner
David Langner
Foto: Sascha Ditscher

Für die Stadt haben Sie im Wahlkampf ein 2-Euro-Ticket vorgeschlagen.

Es gibt das E-Ticket, das kann man für eine Pfandgebühr in jeder EVM-Geschäftsstelle erwerben und lädt es mit einem Guthaben auf. Im Bus bezahle ich dann nicht mit Bargeld, sondern mit dieser Karte, schon heute ist das günstiger. Und man könnte nun sagen: Mit diesem E-Ticket bekommt man einen noch günstigeren Preis und zahlt pauschal 2 Euro pro Fahrt.

Bis jetzt läuft der ÖPNV in Koblenz ohne städtische Zuschüsse. Kann das so bleiben?

Das wird nicht so bleiben können, wenn wir wirklich etwas am Preis oder bei der Taktung ändern wollen.

Wie gehen Sie das Thema Radverkehr an, wenn Sie Oberbürgermeister sind?

Wir brauchen eine strategische Gesamtplanung für die Stadt, wir brauchen aber auch ein Umdenken in den Köpfen der Kollegen in der Verwaltung. Bei Straßenbaumaßnahmen müssen wir den Radverkehr immer mitdenken, das haben wir früher einfach nicht getan.

Geht es dabei nur um neue Projekte oder auch darum, in der Stadt bestehende Dinge umzubauen und zu verändern?

Es ist natürlich einfacher, da zu agieren, wo ohnehin gebaut wird. Wenn man sich die Verkehrsführung anschaut, gibt es aber auch die Notwendigkeit für Vereinheitlichungen. In der Casinostraße gibt es zum Beispiel auf einem kurzen Abschnitt eine sehr merkwürdige Beschilderung, die versteht keiner – und so verhält sich jeder Fahrradfahrer wahrscheinlich automatisch falsch. Es ist einfach blöd, wenn man dauernd gucken muss, wo man denn jetzt mit dem Fahrrad lang muss. Das ist nicht serviceorientiert. Ich denke, gerade bei den Hauptverkehrsachsen müssen wir sehen, was man für relativ wenig Geld umsetzen kann.

In der Stadt gibt es nur begrenzten Raum. Wenn man die Bedingungen für Bus- und Radverkehr verbessern will, nimmt man den Autofahrern also automatisch etwas weg. Nehmen Sie hier Konflikte in Kauf?

Am Ende werden wir nicht ohne Konflikte da rauskommen, und deswegen ist es auch wichtig, dass wir den ÖPNV stärken. Gerade Pendler sollen gern auf die Alternativen umsteigen. Auch P & R-Angebote sind hier wichtig. Wenn wir den Pendelverkehr reduzieren können, haben wir mehr Platz für Bus- und Fahrradverkehr. Es wird außerdem Projekte geben, Experimente, wo man Dinge ausprobiert. Zum Beispiel in der Trierer Straße. Hier hat man festgestellt, dass man die Vierspurigkeit vielleicht gar nicht braucht. Deswegen wird überlegt, die Straße für den Autoverkehr zweispurig zu machen. Die frei gewordenen Spuren kann man dann fürs Parken nutzen, oder man sagt, hier probieren wir mal eine Fahrrad- oder Bustrasse aus. Das halte ich für eine sinnvolle Überlegung.

Sollte die Veränderung peu à peu umgesetzt werden, oder kommt irgendwann der große Wurf?

Die Bevölkerung würde man damit überfordern, und auch mit Blick auf die Finanzen ist das schwierig. Das wird sukzessive, Stück für Stück gehen.

Die Arbeiten an einem großen Projekt, der Nordtangente, haben nun endlich begonnen. Was halten Sie davon?

Es nützt ja nichts, über Entscheidungen der Vergangenheit zu lamentieren. Das wird jetzt gebaut, ich denke aber, man hat versäumt, das Thema Fahrradverkehr mitzudenken, das ist natürlich problematisch. Ich werde sehen, was man eventuell noch einbringen kann, aber das wird sehr schwierig sein.

Durch die drohenden Dieselverbote hat das Thema Verkehr eine neue Brisanz bekommen, die Kommunen stehen unter Druck. Finden Sie das auch positiv, um etwas zu verändern?

Klar. Druck von außen ist hilfreich, um etwas umzusteuern, und wir werden vieles machen, weil dieser Druck da ist. Wenn man nicht Herr der Lage ist, ist das zwar schwierig, aber es erhöht hoffentlich das Verständnis bei den Menschen, dass wir etwas verändern müssen.

Wenn Sie mal träumen, wie der Verkehr idealerweise in der Stadt aussehen könnte – losgelöst von Geld, konkreter Umsetzbarkeit und so weiter: Wie würden Sie sich Koblenz wünschen?

Ich stelle mir große Park-and-Ride-Parkplätze an den Einfallstraße vor und von da ein sehr eng getaktetes ÖPNV-Netz, mit dem man an alle Stellen der Stadt käme. Gepaart mit einem gut ausgebauten Radwegenetz. Dann würde ich die Hauptverkehrsachsen wie die B 9 auf Höhe des Polizeipräsidiums in der Erde verschwinden lassen, sodass die Stadtteile besser miteinander verbunden wären. Das ist ja bislang wirklich keine attraktive Ecke.

Das Gespräch führte Stephanie Mersmann

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