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    KoblenzTaucher aus Koblenz legen uraltes Wrack frei

    Nach einem römischen Wrack tauchen, um es freizulegen für die wissenschaftliche Untersuchung: Das klingt nicht nur spannend, das ist es auch, versichern die drei Taucher aus Koblenz, die sich jetzt an einem solchen Projekt ehrenamtlich beteiligten.

    Herbert Siepenkötter legt mit einem Sedimentsauger das 2000 Jahre alte römische Wrack frei.
    Herbert Siepenkötter legt mit einem Sedimentsauger das 2000 Jahre alte römische Wrack frei.
    Foto: Stefan Nehring

    Von unserer Mitarbeiterin Dinah Schmidt

    Zehn Tage lang reisten die Mitglieder des hiesigen Vereins zur Förderung der Unterwasser-Archäologie (Fuwa) auf eine kleine Insel im Mittelmeer, um dort auf dem Meeresgrund mithilfe eines geheimnisvollen Wracks ein wenig mehr Licht ins Dunkel der Vergangenheit zu bringen - den alten Römern auf der Spur.

    Rückblende, Pag vor 2000 Jahren: Es war einmal ein ausgedientes römisches Schiff, dass in einer Bucht der Insel Pag vor Kroatien absichtlich mit Gesteinsbrocken befüllt und versenkt wurde. Auf dem Meeresgrund sollte es so als Grundlage für einen Pier oder eine Mole im dortigen Hafen dienen. Germanische Sklaven könnten es gewesen sein, die die Felsen in den Schiffsbug schleppen mussten, vermuten Experten. Heute, rund 2000 Jahre später, sind es erneut "Germanen", die am versunkenen Wrack arbeiten. Sie räumen das Schiff wieder frei vom Gestein, um es zugänglich zu machen für wissenschaftliche Untersuchungen.

    Genauer gesagt stammen die drei "Germanen" aus "Confluentes". Herbert Siepenkötter, erster Vorsitzender des Fuwa, Forschungstaucher und Meeresbiologe Dr. Stefan Nehring und Hans-Werner Euerle haben sich auf den Weg zur Bucht im kroatischen Caska gemacht. "Mit den Römern verbindet uns Koblenzer ja viel", erklärt Nehring die Motivation des Vereins. Zudem sind alle Fuwa-Mitglieder begeisterte Anhänger der Unterwasserarchäologie - die RZ berichtete bereits über die Arbeit an einem venezianischen Wrack im vergangenen Jahr.

    Nun hat der Verein die vollständige technische Einrichtung der Grabungsfläche und erste Freilegungen des römischen Schiffsrumpfes in Kroatien unterstützt, alles wieder rein ehrenamtlich. "Das Mittelmeer ist seit prähistorischen Zeiten zentrales Bindeglied für den Austausch zwischen den zahlreichen Hochkulturen, die sich an den Küsten und im Hinterland entwickelt haben. Gleichzeitig ist nur ein Bruchteil der Kulturgüter unter Wasser - meist durch Zufälle - bisher ans Tageslicht gekommen", erklärt Stefan Nehring. Und das gilt eben auch für die römische Siedlung mit Hafenanlage in der Bucht von Caska.

    Die Hafensiedlung, die damals Cissa hieß, wurde von Plinius dem Älteren erstmals erwähnt. Cissa entwickelte sich während der römischen Herrschaft zu einem politischen Verwaltungs- und Seehandelszentrum. Häufig wurde es von Handelsschiffen angefahren. Mit wahrscheinlich bis zu 5000 Bewohnern war es damals die größte römische Ortschaft auf Pag. "Warum die Siedlung zum Ende des 4. Jahrhunderts aufgegeben wurde, ist nicht bekannt", schildert Herbert Siepenkötter. "Zu vermuten ist, dass Cissa entweder durch ein Erdbeben zerstört wurde oder anhaltende Erosion der Uferbereiche verbunden mit einem steigenden Meeresspiegel eine Besiedlung unwirtschaftlich werden ließ." Im Vergleich zu früher liegt der Meeresspiegel heute circa zwei Meter höher.

    Beim Wrack handelt sich um ein rund 15 Meter langes Schiff aus dem 1. oder 2. Jahrhundert. Seine Holzkonstruktion wurde in traditioneller Zapfen- und Nutbauweise errichtet, wie sie zu römischer Zeit im Mittelmeerraum weit verbreitet war. Ein Archäologenteam der Universität Zadar forscht hier unter der Leitung von Dr. Irena Radic Rossi. Und auch die drei Taucher aus Koblenz waren an jedem Tag ihrer Forschungsreise im Wasser. Nicht tief allerdings: Nur drei bis vier Meter unter der Wasseroberfläche liegt das Wrack.

    Zunächst galt es, ein Raster aus Metallstangen, sogenannte Grids, über dem Fundort zu installieren. Das so entstandene Planquadrat erleichtert das wissenschaftliche Arbeiten. Es ermöglicht den Forschern, genau zu bezeichnen, wo was gefunden wird. Anschließend galt es, das Schiff mittels spezieller Unterwassersauger von Sand und Ablagerungen zu befreien und die Steine abzutransportieren.

    Besonders spannend: Während der Ausgrabungskampagne waren auch Wissenschaftler anderer Universitäten aus Europa vor Ort. Ihre Mission: Sie möchten Unterwasserroboter entwickeln. Ziel des EU-Projektes Caddy ist die Erforschung und Entwicklung einer symbiotischen Zusammenarbeit zwischen Taucher und Robotern. So sollen Roboter zukünftig zum Beispiel Forschungstaucher bei komplizierten Missionen assistieren oder auch GPS gestützte 3 D-Karten vom Meeresgrund beziehungsweise von archäologischen Funden unter Wasser erstellen. Für die Tests wurden auch mehrere Archäologen als Versuchstaucher eingesetzt.

    Das Gesamtprojekt "Cissa Antiqua" wird vom kroatischen Ministerium für Kultur, vom französischen Ministerium für auswärtige und europäische Angelegenheiten, durch die Stadt Novalja und mehrere in- und ausländische Sponsoren finanziert - und nicht zuletzt durch den gemeinnützigen Fuwa unterstützt.

    Weitere Infos über den Koblenzer Verein und seine Projekte sind im Internet zu finden unter www.fuwa-ev.de

    Koblenz
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