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Koblenz

Stichwahl in Koblenz: Überwältigende Mehrheit für Langner [mit Video]

Doris Schneider

Es ist kurz nach 19 Uhr, als Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig das Ergebnis verkündet: Eine überwältigende Mehrheit von 69,8 Prozent der Stimmen hat der 42-jährige David Langner bekommen. Am 1. Mai 2018 wird er also den amtierenden OB ablösen. Langners Kontrahent Bert Flöck muss sich mit 30,2 Prozent begnügen. Die Wahlbeteiligung lag allerdings nur bei 40 Prozent.

Im Rathaussaal branden Jubel und Applaus auf, als Langner den Raum betritt. Freunde, Bekannte und Parteigenossen feiern den Sieger, umarmen ihn, schießen Fotos. Die riesige Mehrheit von fast 70 Prozent der Stimmen kann der künftige Oberbürgermeister selbst fast nicht fassen: „Mit so etwas kann man nicht rechnen“, sagt er und strahlt. Sein Parteigenosse, der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz, der Langner schon lange kennt und mit ihm politisch in vielen Ämtern zusammengearbeitet hat, bewertet das Resultat als sensationell: „Das beste Ergebnis in den rheinland-pfälzischen Oberzentren, seit es Urwahlen gibt.“ Auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer ruft sofort an und gratuliert ihrem Parteigenossen.

Als Bert Flöck den Rathaussaal betritt, wird ebenfalls applaudiert. Verhaltener. Denn Grund zum Feiern hat der 59-Jährige nicht: Mit einer so klaren Niederlage hatte er nicht gerechnet. Die letzten drei Wochen hat er noch mal genutzt, um mit neuen Plakaten und vielen Aktionen Wähler zu mobilisieren und für sich gewinnen zu können, sagt er. Und auch die CDU hat noch einmal alles getan, um den Kandidaten zu unterstützen. Aber es hat nicht gereicht. Und nicht nur knapp nicht, sondern deutlich nicht. „Natürlich ist das jetzt schwer“, sagt Flöck. Eine Erklärung hat er auf Anhieb nicht: „Unsere Wahlprogramme sind ja auch nicht so unterschiedlich, dass das 40 Prozent ausmachen würde.“ Klar ist also, dass die Wähler die Person Langner wollten, nicht die Person Flöck, sagt er dann. Abgewertet aber fühlt er sich dadurch nicht: „Es geht um die politische Person. Das kann ich akzeptieren.“

Fairer Verlierer: Bert Flöck und seine Frau Katja Kulbe gratulieren dem Sieger im Rathaussaal.
Fairer Verlierer: Bert Flöck und seine Frau Katja Kulbe gratulieren dem Sieger im Rathaussaal.
Foto: Sascha Ditscher

Beide, Flöck und Langner, werden ja auch in Zukunft eng zusammenarbeiten. Denn Flöck ist und bleibt Baudezernent, wenn Langner am 1. Mai 2018 als Oberbürgermeister die Amtsgeschäfte übernimmt. Die lange Übergangszeit will der Staatssekretär nutzen, um sich mit den Abläufen in Verwaltung und Stadtvorstand vertraut zu machen, sagt er und freut sich sehr auf seine neue Aufgabe. Das gute Wahlergebnis wertet er als Vertrauensvorschuss, um seine Themen wie Stärkung des Radverkehrs und des ÖPNV sowie Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum „im Dialog mit den Menschen“ voranzubringen.

Im ersten Wahlgang am 24. September hatte David Langner 42,8 Prozent der Wählerstimmen für sich verbuchen können, 25,6 Prozent stimmten vor drei Wochen für Bert Flöck. Überraschend gut hatte mit 18,3 Prozent der Stimmen auch Hans-Peter Ackermann von den Grünen abgeschnitten. FDP-Bewerber Torsten Schupp bekam 13,3 Prozent. In der vergangenen Woche hatten dann aber Berichte über ein Ruhegeld, das der derzeitige Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig noch aus seiner Zeit als Staatssekretär bezieht, für Wirbel gesorgt und hätten Langner schaden können, auch wenn er keinerlei Aktien in der Sache hat. Den Zeitpunkt der Diskussionen hält der OB denn eben auch „nicht für zufällig“. Bisher hat er noch keine Stellung zu den Vorwürfen bezogen, weil er in den Wahlkampf nicht eingreifen wollte, sagt er im Gespräch mit der RZ und kündigt für den heutigen Montag eine Stellungnahme an. Außerdem bekräftigt er: „Ich bin bis zum 30. April 2018 Oberbürgermeister der Stadt Koblenz.“

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)
Von unserer Redakteurin Doris Schneider

RZ-Kommentar zur OB-Wahl:Die Hoffnung auf einen Wandel

Redakteurin Stephanie Mersmann zur Wahl von David Langner

Dass eine riesige Mehrheit der Koblenzer David Langner zum neuen Oberbürgermeister gewählt hat, hat wahrscheinlich wenig mit den Inhalten zu tun, die er vertritt. Langner und sein Konkurrent Bert Flöck haben im Wahlkampf selbst wiederholt gesagt, dass sie sich bei Themen und Schwerpunkten an vielen Stellen ähneln. Der größte Unterschied ist die Persönlichkeit der Kandidaten, die Art, wie sie wirken – und seit gestern ist endgültig klar: Die Koblenzer wollen eine Person wie David Langner an der Stadtspitze sehen und nicht eine wie Bert Flöck.

Was also macht David Langner in den Augen der Wähler aus? Der Wahlsieger ist 42 Jahre alt, Flöck 59. Langner lächelt von jedem Wahlplakat herunter, Flöck blickt auf den meisten Bildern eher ernst und reserviert. Langner ist Staatssekretär, hatte aber schon diverse Ämter inne, Flöck ist seit 43 Jahren in der Verwaltung, wenn auch in verschiedenen Positionen. Während er für Konstanz steht, erhoffen sich viele Wähler von Langner Aufbruch und Wandel. Und genau hier liegt der Auftrag an Langner für die nächsten acht Jahre: Er muss die Stadt zum Positiven verändern, neue Wege gehen – und daran wird er sich am Ende seiner Amtszeit messen lassen müssen.

E-Mail: stephanie.mersmann@rhein-zeitung.net

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