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Altstadt

Stadtführung sorgt für Nervenkitzel: „Schängel-Komplott“ führt durch Koblenz

Chiara Roma

Stadtführungen durch Koblenz gibt es viele. Aber nicht jeder hat Lust, sich nur die historischen Sehenswürdigkeiten anzusehen. Wer sich lieber eine spannende Tour wünscht, die die Stadt in einem ganz anderen Licht zeigt, der ist beim „Schängel-Komplott“ genau richtig. Als Mysterythriller aufgebaut, führt die Audiotour auf der Suche nach einem verschwundenen Wissenschaftler durch die Altstadt. Seit 2011 gibt es die Tour schon, musste aber wegen zu vielen Streckenänderungen vor zwei Jahren aus dem Programm der Koblenz-Touristik genommen werden. Jetzt ist das „Schängel-Komplott“ zurück – mit Updates und im Internet erhältlich.

Möglicherweise befinden sich unter Häusern so mancher Altstadtgassen unterirdische Versuchslabore. Die Teilnehmer der spannenden Audiotour werden es erfahren. Foto: Archiv Reinhard Kallenbach
Möglicherweise befinden sich unter Häusern so mancher Altstadtgassen unterirdische Versuchslabore. Die Teilnehmer der spannenden Audiotour werden es erfahren.
Foto: Archiv Reinhard Kallenbach

Viel geändert hat sich an der Geschichte der Audiotour nicht: Man ist auf der Suche nach Christian Renz, einem Koblenzer Neurobiologen, der im Oktober 2010 unter mysteriösen Umständen verschwunden ist. Dabei nimmt man die Rolle eines entflohenen Probanden aus einem geheimen Versuchslabor ein, in dem Renz gearbeitet hat. Schon bald offenbart sich die düstere Geschichte der Audiotour: Es gibt noch mehr unterirdische Versuchslabore unter Koblenz, in denen Viren und Halluzinogene an Menschen getestet werden, Überwachungsstellen getarnt als Wohnhäuser und verkleidetes Sicherheitspersonal, das darauf bedacht ist, entflohene Probanden schnell unschädlich zu machen. Alles wird kontrolliert von einer Organisation, einem „System“ – und irgendwie hängt Renz da mit drin. Eine Geschichte, die definitiv nichts für schwache Nerven ist.

Der Startpunkt der Audiotour befindet sich am Jesuitenplatz: Ist das nur ein harmloser kleiner Brunnen oder der Eingang zu einem finsteren Geheimlabor? Foto:  Chiara Roma
Der Startpunkt der Audiotour befindet sich am Jesuitenplatz: Ist das nur ein harmloser kleiner Brunnen oder der Eingang zu einem finsteren Geheimlabor?
Foto: Chiara Roma

Ins Leben gerufen wurde das „Schängel-Komplott“ von Martin Podzun. Die Idee, für Koblenz eine Audiotour dieser Art zu gestalten, kam ihm, nachdem er in Frankfurt an einer ähnlichen Tour teilgenommen hat. „Ich wollte für Koblenz auch so etwas machen, als eine Art Schnitzeljagd“, erzählt Podzun. Fünf bis sechs Jahre beschäftigte er sich neben dem Beruf mit dem Konzept, suchte Sponsoren und lief unbekanntere Wege in der Koblenzer Altstadt ab. Aus seinen Eindrücken entstand schließlich die Geschichte der Audiotour, die dann gemeinsam mit einem professionellen Sprecher im Odeon-Kino aufgenommen wurde.

Daneben dienten vor allem Filme und Serien aus dem Mysterygenre als Inspiration, so wie „Inception“ oder „Akte X“. „Das Surreale an diesen Sendungen hat mich schon immer fasziniert. Vor allem die Verschmelzung von Traum und Realität“, sagt Podzun, der diese Elemente auch in die Audiotour mit eingebaut hat. Dadurch verschafft er dem Zuhörer nicht nur einen anderen Blickwinkel auf Koblenz, sondern lässt dessen Vorstellungskraft und Wahrnehmung der Umgebung Teil des Nervenkitzels werden.

Wenn man sich das Tondokument anhört, in denen Christian Renz zu einem selbst spricht, Warnungen und Aufgaben stellt, hat man nicht selten das Gefühl, man würde von den anderen Passanten tatsächlich beobachtet. Man fühlt sich gejagt, wird emotional miteinbezogen und muss auch selbst über die Geschehnisse nachdenken. Denn viele Fragen in Renz’ Erzählung bleiben für die Zuhörer unbeantwortet. Diese sollen angeregt werden, ihre eigene Fantasie zu entfalten. Obwohl man auch historische Orte besucht, ist die Audiotour vor allem auf Unterhaltung ausgelegt.

Während das „Schängel-Komplott“ früher vor allem über ausleihbare MP3-Player in der Koblenz-Touristik angeboten wurde, gibt es die Tour seit Kurzem auf Online-Portalen wie Deezer, Amazon und Audible. Neubauten und Sperrungen veranlassten Martin Podzun dazu, die Audiotour zu überarbeiten, präzisere Wegbeschreibungen und neue Merkmale hinzuzufügen. Es ist ihm wichtig, dass die Tour erhalten bleibt, um vor allem bei Zuhörern weiter neue Eindrücke von Koblenz zu wecken. „Da jeder seine eigene Wahrnehmung hat, prägt sich auch jeder etwas anderes auf der Strecke besonders ein“, sagt Podzun.

Als nächstes Projekt plant Martin Podzun, eine ähnliche Audiotour in Köln anzubieten. „Bis dahin wird es aber noch etwas dauern“, verrät er schmunzelnd. Bis es dann so weit ist, können zumindest in Koblenz Interessierte auf Spurensuche gehen.

Von unserer Mitarbeiterin Chiara Roma
Koblenz
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