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    BendorfSpielekonzept in Bendorf: Wenn Monopoly und Co. das Lernen fördern

    Es ist kurz vor 10 Uhr als Rolf Polcher einen Blick aus seinem Büro wagt. Regen prasselt seit wenigen Minuten gegen die Fensterscheibe und lässt dem Schulleiter der Bendorfer Medardus-Grundschule keine andere Wahl: Er ruft durch das Mikrofon eine Regenpause aus. Doch was dann zu hören ist, überrascht: Lauter Jubel schallt durch die Gänge des Grundschulbaus. „Das hat uns doch zum Nachdenken bewegt. Wenn Kinder sich so freuen, wenn sie drinnenbleiben können, dann müssen wir ihnen etwas anbieten“, erklärt Rolf Polcher. Gesagt, getan: Die Ganztagsschule in Bendorf trägt mittlerweile mit einem eigenen, mittlerweile preisgekrönten Spielekonzept dieser Entwicklung Rechnung.

    Nicht nur der Spieleklassiker „Das verrückte Labyrinth“ steht bei den Schüler der Medardus-Grundschule wie auf diesem Foto hoch im Kurs. Die Bildungseinrichtung fördert nun mit einem eigenen Spielekonzept die Schüler. Foto: Andreas Egenolf
    Nicht nur der Spieleklassiker „Das verrückte Labyrinth“ steht bei den Schüler der Medardus-Grundschule wie auf diesem Foto hoch im Kurs. Die Bildungseinrichtung fördert nun mit einem eigenen Spielekonzept die Schüler.
    Foto: Andreas Egenolf

    „Schuld“ daran ist die Initiative „Spielen macht Schule“ (siehe Zusatztext). Bei diesem Wettbewerb können sich Grundschulen bundesweit bewerben, wenn sie ein Konzept erarbeiten, wie das Spielen sinnvoll in den Unterricht und den Schullalltag eingebaut werden kann. Als Preise winken hier verschiedene Spiele für die Schulen. Doch bevor ein entsprechendes Spielkonzept an der Medardus-Grundschule erarbeitet wurde, waren Spiele bereits Bestandteil des täglichen Schullebens: Vom rührigen Förderverein wurden einige Spiele angeschafft, und auch das Lehrerkollegium hat Spiele mitgebracht. Doch dabei sollte es letztlich nicht bleiben. In einer Projektwoche im Mai 2016 wurden etwa lebensgroße Spielfelder wie zum Beispiel für „Mensch ärgere dich nicht“ auf den Schulhof gemalt. Zum Abschluss der Woche gab es unter dem Motto „Spielen ohne Grenzen“ außerdem ein Spielefest. Im Anschluss wurde dann in Hinblick auf die Wettbewerbsinitiative von einer schulinternen Planungsgruppe ein Spielkonzept erarbeitet. Ein Baustein hiervon ist die Verfügbarkeit von Spielangeboten für die unterschiedlichen Klassenstufen. Während im Erdgeschoss das erste (im Ruheraum) und das zweite Schuljahr (im Eingangsbereich) jeweils mit acht Schülern auch bei gutem Wetter drinnen bleiben und spielen darf, sind für die beiden anderen Klassenstufen das Foyer im ersten Stock mit maximal zwölf Schülern sowie wechselweise zwei Klassenräume mit maximal je sechs Kindern reserviert. Vom Tischkicker über Rummy und Schach bis hin zu neueren Spielen darf alles gespielt werden.

    Doch wer darf letztlich drinnenbleiben? „Das regeln die Kinder selbst. Es besteht auch kein Zwang, drinnen zu bleiben“, sagt Schulleiter Polcher, der damit zufrieden ist, wie sich die Kinder bisher eigenverantwortlich organisieren. Auch bei Regenwetter, wenn alle Kinder im Gebäude bleiben dürfen, gibt es kaum Probleme, obwohl es nur präventive Aufsichten gibt, die im Notfall eingreifen. „Wir vertrauen hier den Kindern“, so Rolf Polcher.

    Um ausreichend Zeit zum Spielen zu haben, wurden die Pausenzeiten angepasst. So gibt es nunmehr eine ausgedehnte 30-minütige Pause. Seit Dezember läuft nun der Probebetrieb mit dem Spielekonzept in der Ganztagsschule mit ihren 16 Klassen und 320 Schülern. Nach Ostern soll dann ein Fazit gezogen werden, wie es zukünftig weitergeht. Für Rolf Polcher sind die ersten Erfolge allerdings schon sichtbar: „Für uns Lehrer ist es wichtig, dass wir wissen, wir nehmen den Kindern keine Lernzeit weg und es fehlt ihnen am Ende nicht am Lesen, Rechnen und Schreiben. Mit den Spielen schaffen wir die Grundlage, dass die Kinder freudig wieder in Lernphasen reingehen.“ Außerdem trage das Spielen zum Erlernen von Sozialkompetenzen und dem Abbau von Barrieren bei – ein wichtiges Thema an der Medardus-Schule bei einem Schüleranteil von 61 Prozent mit Migrationshintergrund.

    Dass das neue Spielekonzept nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt der Erfolg bei der Teilnahme an „Schule macht Spaß“: Die Bendorfer Grundschule konnte am Ende das beste Konzept in Rheinland-Pfalz vorweisen und gewann 58 Spiele im Gesamtwert von 2500 Euro – vom Experimentierbaukasten über Monopoly bis zum Spieleklassiker „Das verrückte Labyrinth“. „Das ist eine Bestätigung und zeigt uns, dass unser Spielekonzept Hand und Fuß hat“, sagt Rolf Polcher stolz und lobt auch die finanzielle Unterstützung des Fördervereins beim Beschaffen weiterer Spiele und Aufbewahrungsschränke. Bei den Schülern kommen die gewonnenen Spiele auf alle Fälle gut an. Zudem sind sie vielseitig einsetzbar: Nach den Osterferien sollen die Experimentierkästen beispielsweise für einen Entdeckertag für interessierte Kinder genutzt werden.

    Von unserem Reporter Andreas Egenolf

    Was ist der Bildungswettbewerb "Spielen macht Schule"?

    „Spielen macht Schule“ ist ein bundesweiter Bildungswettbewerb, den der Verein „Mehr Zeit für Kinder“ gemeinsam mit dem ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen 2007 ins Leben gerufen hat. Ziel ist es, das Spielen wieder mehr in den Schulalltag der Grundschüler zu integrieren. Um dies zu erreichen, stattet das Projekt die Gewinnerschulen mit Spielzeugausstattungen aus.

    Die Spiele wurden zuvor vom ZNL hinsichtlich ihres Lerneffekts geprüft und bewertet. Die Kultusminister der 16 Bundesländer unterstützen die Initiative. „Im Grundschulalter finden entscheidende Phasen der Hirnreifung statt, die durch das Spiel unterstützt werden können“, erklärt Prof. Manfred Spitzer, Leiter des ZNL in Ulm. Mit der Bereitstellung der Spiele soll der natürliche Spieltrieb der Kinder gefördert werden. Hierdurch werden wichtige Lernprozesse angestoßen, die die Kinder auf die Anforderungen ihres späteren Lebens vorbereiten sollen. aeg

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