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Altstadt

Spektakulärer Fund an der Mosel: Römische Mauer soll ausgestellt werden

Dass sich die Gebäude am Florinsmarkt, die zurzeit aufwendig saniert werden, an historisch bedeutsamer Stelle befinden, war von vornherein klar. Und auch, dass die Mauer des ehemaligen römischen Steinkastells an der Moselseite quasi durchs Erdgeschoss von Bürresheimer Hof und Altem Kaufhaus läuft, war bekannt.

Bislang ist nur ein relativ kleiner Teil der römischen Mauer (im Bild vorn) zu sehen, wenn sie komplett freigelegt ist, wird sie etwa sechs Meter hoch sein. Die mittelalterliche Mauer, die im Bildhintergrund zu sehen ist, wird abgetragen. Foto: Generaldirektion Kulturelles Erbe, Direktion Landesarchäologie
Bislang ist nur ein relativ kleiner Teil der römischen Mauer (im Bild vorn) zu sehen, wenn sie komplett freigelegt ist, wird sie etwa sechs Meter hoch sein. Die mittelalterliche Mauer, die im Bildhintergrund zu sehen ist, wird abgetragen.
Foto: Generaldirektion Kulturelles Erbe, Direktion Landesarchäologie

„Wir wussten also, dass wir hier viel zu erwarten haben, das ist eine heiße Ecke für Archäologen, der Kern des römischen Koblenz“, sagt Landesarchäologe Dr. Dr. Axel von Berg. Doch was sie dann tatsächlich fanden, war für die Fachleute eine Sensation.

In dem Bereich quasi zwischen Altem Kaufhaus und Bürresheimer Hof, wo einmal ein gläserner Verbindungsturm und eine Terrasse entstehen sollen, haben die Archäologen einen ungewöhnlich gut erhaltenen Teil der römischen Mauer aus dem 4. Jahrhunderte gefunden, inklusive Wehrgang und Brustwehr, die früher die römischen Soldaten vor den Germanen schützen sollten und die inzwischen geborgen wurden.

„Das ist einzigartig“, sagt Dr. Peter Henrich, Leiter der Außenstelle Koblenz der Landesarchäologie. Außerhalb von Italien gab es bisher gerade mal drei solcher Funde, nun sind es vier.

Bei zwei internationalen Kolloquien haben die Koblenzer bereits die Mauer vorgestellt, „da saßen die Leute mit offenem Mund da“, schildert Henrich. Professoren aus der Schweiz, aus Belgien und Frankreich waren bereits in der Stadt, um den Fund zu begutachten.

Von Anfang an war klar: Diese Mauer muss erhalten bleiben, wobei die Archäologen zunächst davon ausgegangen waren, dass sie ausgiebig dokumentiert und dann wieder mit Erde zugeschüttet wird – ein Vorgehen, das schon bei vielen bedeutsamen Funden angewandt wurde, etwa bei der Römervilla bei Bubenheim, über die nun der etwas erhöhte Kreisverkehr beim Globus führt.

Doch dann entschied Investor Martin Görlitz, der die Altstadtimmobilien saniert und hier ein Tagungs- und Veranstaltungszentrum mit Seminarräumen und Gästehaus einrichten will, dass er den spektakulären Fund nicht zuschütten, sondern präsentieren will. „Das ist quasi die Königsklasse, einen solchen Fund sichtbar zu machen“, sagt Henrich.

In einem Ausstellungsraum mit Eingang von der Mosel soll die römische Mauer besichtigt werden können. Visualisierung: Martin-Görlitz-Stiftung
In einem Ausstellungsraum mit Eingang von der Mosel soll die römische Mauer besichtigt werden können. Visualisierung: Martin-Görlitz-Stiftung

Geplant ist, eine Art Ausstellungsraum zu schaffen, in dem die römische Mauer besichtigt werden und man sich über sie informieren kann. Auch einige andere Fundstücke aus Koblenz sollen hier zu sehen sein, Münzen zum Beispiel, Keramik und römische Eisenhelme.

Damit die Mauer besichtigt werden kann, muss aber zunächst eine vorgelagerte mittelalterliche Mauer weichen, die von der Moselseite gesehen vor der römischen steht. „Hier muss man Prioritäten setzen, und die römische Mauer ist wichtiger“, sagt Henrich. In der kommenden Woche will man anfangen, die mittelalterliche Mauer abzutragen.

Bis der Ausstellungsraum gebaut wird, wird aber noch einige Zeit vergehen. Die Sanierung des Bürresheimer Hofs läuft zurzeit, die Arbeiten am Alten Kaufhaus liegen aber wegen Unklarheiten bei der Finanzierung erst einmal auf Eis – und zusammen mit diesen soll der Ausstellungsraum geschaffen werden.

Der Fund der Mauer ist aber nur „ein Grund von vielen“ für die Verzögerung und Kostensteigerung bei dem Florinsmarkt-Projekt, betont Landesarchäologe von Berg. Und überhaupt: „Das hier ist die Altstadt, da tauchen solche Sachen auf. Und die Mauer war zuerst da.“

Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

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