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Koblenz

Silvester in Koblenz: Polizei rast von Einsatz zu Einsatz

Böller und Raketen, dazu viel Alkohol und hier und da ein paar Schläge: Das waren die Hauptzutaten für die Koblenzer Silvesternacht – zumindest, wenn man die Polizei nach ihrer Bilanz fragt. Martin Velten von der Polizeiinspektion 1 spricht von einer ereignisreichen Nacht, in der zum Glück nichts Dramatisches passiert ist.

„Wir hatten alle Hände voll zu tun, unsere Leute waren permanent draußen.“ Doch bis auf ein paar Rangeleien und sonstige Auseinandersetzungen waren es eher Kleinigkeiten aus polizeilicher Sicht. Dazu gehörten allerdings auch wieder einige brennende Mülleimer, vor allem im Bereich der Großsiedlung Neuendorf.

Im Stadtgebiet von Koblenz zählte Velten zwischen 20 Uhr am Sonntag und 7 Uhr am Montagmorgen 55 Einsätze, die sich unmittelbar mit der Silvesternacht in Verbindung bringen lassen. Wenig überraschend: Die allermeisten davon ereigneten sich nach 0 Uhr und hatten irgendwie mit Alkoholgenuss zu tun. Die Polizei war mit einem verstärkten Regeldienst im Einsatz und wurde von Kräften der Bereitschaftspolizei unterstützt. So gelang es wiederum, im Stadtgebiet deutlich Präsenz zu zeigen – offenbar mit Erfolg und einer gewissen abschreckenden Wirkung.

Randalierer in Gewahrsam genommen

So hat Velten lediglich vier Fälle von Körperverletzungen registriert, was für eine Silvesternacht eher wenig ist. Ferner wurden drei Randalierer vorübergehend in Gewahrsam genommen. Einer von ihnen, ein 23-Jähriger, war noch vor dem Jahreswechsel derart alkoholisiert und außer Kontrolle, dass er selbst dann noch Passanten in der Fußgängerzone anpöbelte, als bereits Polizisten bei ihm waren. Immer wieder mussten Beamte auch einschreiten, wenn Böllereien aus dem Ruder zu laufen drohten, etwa in den engen Gassen im Entenpfuhl oder auch in der Marktstraße zwischen Plan und Münzplatz.

Zur Silvesterbilanz der Polizei gehört auch ein Vorfall, der sich nach 4 Uhr in einem Klub in der Innenstadt abspielte. Dort war es zu einer Rangelei mit mehreren Beteiligten gekommen, nachdem eine 21-Jährige einem 22-jährigen Somalier vorgeworfen hatte, sie mehrfach unsittlich angefasst, sie bedrängt und beleidigt zu haben. Die Polizei konnte die genauen Umstände zunächst nicht klären, da alle Beteiligten so stark alkoholisiert waren, dass eine Vernehmung kaum möglich war. Der Somalier, der nicht aus Koblenz kommt, war mit zur Wache genommen worden, wo er seinen Rausch ausschlief und dann entlassen wurde. Die junge Frau musste in der Nacht medizinisch versorgt werden, weil sie im Gerangel unglücklich mit einer Freundin zusammengestoßen war und sich an der Nase verletzte, berichtet die Polizei Koblenz.

42 Feuerwehreinsätze

Auch für die Feuerwehr war der Jahreswechsel von einer hohen Einsatzdichte geprägt – 42 waren es am Ende, das ist auch für eine Silvesternacht viel, hieß es an Neujahr in der Leitstelle. Neben einem Garagen- und einem Heckenbrand sowie mehreren Türöffnungen und einer Menschenrettung aus einem Kellerloch waren es vor allem die brennenden Mülltonnen, die immer wieder viele Kräfte banden. Die Polizei spricht von elf Bränden, ein Schwerpunkt war im Bereich der Fritz-Zimmer-Straße in der Großsiedlung Neuendorf festzustellen. Zu größeren Schäden kam es nicht, allerdings auch nicht zur Feststellung von Verdächtigen. Ähnliches gilt für einen weiteren Mülltonnenbrand in der Oberdorfstraße in Metternich, bei dem ein daneben parkendes Auto beschädigt wurde (Hinweise in allen Fällen unter Telefon 0261/103 29 10).

Die Polizei zieht insgesamt ein zufriedenstellendes Fazit: „Wir hatten die Lage jederzeit im Griff“, sagt Velten, der auch die Strategie der Polizei bestätigt sieht, diesmal keine Schutzzone oder Anlaufstelle in der Altstadt einzurichten, wie dies im vergangenen Jahr ohne große Nachfrage im Rathaus geschehen war. „Wir wollten nicht das falsche Signal senden, dass Silvester in Koblenz nicht sicher ist und es deshalb einer Schutzzone bedürfe. Wir hatten auch diesmal überhaupt keine Hinweise, dass die Lage nicht sicher gewesen wäre“, sagt der stellvertretende Chef der Innenstadtinspektion. „Unsere Maxime lautet: Wenn jemand Hilfe benötigt, kann er uns anrufen, und wir sorgen, dass schnellstmöglich Kräfte zu ihm kommen, egal wo er oder sie sich aufhält. Das ist auch diesmal wieder aufgegangen.“

Auf dem Plan bei milden Temperaturen, Livemusik und ohne Böller friedlich den Jahreswechsel gefeiert

Entspannte Atmosphäre bei milden Temperaturen: Die Silvesterparty auf dem Plan, inmitten einiger Aufbauten des Weihnachtsmarkts, lockte wieder viele Besucher an.
Entspannte Atmosphäre bei milden Temperaturen: Die Silvesterparty auf dem Plan, inmitten einiger Aufbauten des Weihnachtsmarkts, lockte wieder viele Besucher an.
Foto: Henry Tornow
Schon auffällig früh am Abend, bereits so gegen 22.30 Uhr, war es auf dem Plan in der Altstadt zur Silvesterparty richtig voll geworden – etwa 1500 Besucher, die ausgelassen bei milden Temperaturen feierten, zählte Marco Koenitz zu diesem Zeitpunkt. „Das war ja von den Temperaturen her mehr Tanz in den Mai als Silvesterparty“, sagt der Mitveranstalter am nächsten Morgen hochzufrieden.

Das Wetter war für eine Freiluftfeier geradezu ideal – recht mild und vor allem trocken. Am Getränkestand war Bier deutlich gefragter als Glühwein. Und die konsequent umgesetzte Vorgabe der Veranstalter, dass keinerlei Feuerwerkskörper auf dem Plan erlaubt sind, ist längst zum Alleinstellungsmerkmal und Lockmittel, insbesondere für Ältere und Familien mit Kindern, geworden, freut sich Marco Koenitz. Sicherheitsdienst und Ersthelfer hatten jedenfalls nichts zu tun. Gegen 0.30 Uhr machte die Band Feierabend, gegen 1.45 Uhr war der Platz leer. tim

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