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Koblenz/Region

Region: Die Trockenheit ist für Borkenkäfer einfach perfekt

Martin Boldt

„Das ist schon Wahnsinn, er ist wirklich überall“, seufzt Marc Brombach, während er auf die zahlreichen herabgefallenen grünen Nadeln auf dem Waldweg vor ihm deutet. Borkenkäfer!

Förster Marc Brombach wird in diesem Jahr viele Fichten auf dem Remstecken verlieren. Schuld ist der trockene und heiße Sommer, der die Borkenkäfervermehrung stark begünstigt hat.
Förster Marc Brombach wird in diesem Jahr viele Fichten auf dem Remstecken verlieren. Schuld ist der trockene und heiße Sommer, der die Borkenkäfervermehrung stark begünstigt hat.
Foto: Martin Boldt

Die seit dem Frühjahr anhaltende Trockenheit und Hitze hat den Koblenzer Stadtwald auf dem Remstecken inzwischen in ein Eldorado für den Schädling verwandelt. In Teilen des Waldes wütet der bis zu fünf Millimeter große Parasit richtig schlimm: Kaum eine Fichte gibt es hier, die nicht bereits deutliche Spuren des Befalls erkennen lässt. Ganze Areale sind verloren, bilanziert der Revierförster.

Ähnliches wird auch von der rechten Rheinseite gemeldet: Sorgte das zum Westerwald hin ansteigende Gelände in den Ortslagen Arenberg und Immendorf bislang zuverlässig für genügend Regen und den Wuchs der Nadelhölzer, ist auch dieser Forstbereich aktuell „stark gestresst“ und massiv betroffen.

Zur Erklärung: Der Borkenkäfer ist einer der gefährlichsten Schädlinge in der Forstwirtschaft. Es gibt diverse Arten, die unterschiedliche Baumarten befallen können. Die gefährlichsten Borkenkäfer sind der Buchdrucker und der Kupferstecher, die sich beide über die Fichte hermachen. In den Medien werden diese beiden Arten oft nicht unterschieden – dort heißen sie nur Borkenkäfer.

„Die Fichtenbestände sind im Prinzip unsere Schatzkästchen, da sie sehr schnell wachsen und schon im Alter von 20 Jahren gut verwertbare Abschnittssortimente bieten“, erläutert Brombach. Zum Vergleich: Laubbäume, wie etwa Buchen, haben eine viel längere Wachstumsdauer, bis sie geerntet werden können. In den ersten 60 Jahren erreichen sie maximal Brennholzqualität.

Führt nun der Borkenkäferbefall zum vorzeitigen Fällen und Verkauf der eigentlich noch unreifen Fichten, sorgt dies für ein Überangebot und einen Preisverfall an den Märkten, erklärt Brombach. „Vor den Problemen mit den Stürmen und Käfern waren wir noch bei einem Preis von 100 Euro für den Festmeter Fichtenholz. Heute sind wir bei 70 Euro angelangt.“ Allein für die Teile des Waldes, die unter kommunaler Verwaltung stehen, geht er in diesem Jahr von 1500 bis 2000 Festmetern „Käferholz“ aus – Tendenz steigend.

Das, was in Form brauner Kronen direkt ins Auge fällt, ist nur die Spitze des Eisbergs, weiß der 43-Jährige aus Erfahrung. Mit einem Messer geht er unter die Rinde einer Fichte und schneidet ein handtellergroßes Stück Borke heraus. Sie ist durchzogen von braunen Fressgängen der Käferlarven. „Sie zerstören die Kambiumschicht, also die versorgenden Bahnen, die die Krone und den ganzen Baum mit Nährstoffen versorgen.“

Eigentlich müsste man alle Bäume entfernen, die jetzt braun sind, und zusätzlich einen Schutzgürtel um die Nester ziehen. Einzelne Bäume stehen zu lassen, mache jedoch nur bedingt Sinn: „Die brechen mir dann beim nächsten Sturm“, so Brombach.

Um den Wald resistenter gegen den Schädling zu machen, setzt der Förster auf die Verjüngung mit anderen Baumarten: Statt der Fichte, die aktuell noch etwa 7 Prozent des Bestandes im Stadtwald ausmacht, setzt Brombach auf Douglasien und Lärchen als Alternativen. Insbesondere die Douglasie kommt besser mit der Trockenheit zurecht und soll helfen, den Gesamtnadelholzanteil stabil zu halten.

Als „noch entspannt“ bewertet Brombachs Kollege Ullrich Bechtoldt die Lage im westlich gelegenen Forstrevier Maifeld. Die Sache hat allerdings einen Haken: Ein Großteil der dortigen Fichtenbestände ist dem Käfer bereits in den vergangenen Jahren zum Opfer gefallen. „Die Restbestände, die wir im Nette- und Elztal haben, sind aktuell aber noch gut mit Wasser versorgt“, so der Fachmann.

Insgesamt sieht sich das Forstamt Koblenz mit einem besonders starken Borkenkäferjahr konfrontiert. Selbst längere Regenperioden von drei bis vier Tagen würden vermutlich keine Revitalisierung der angeschlagenen Fichten mehr zum Effekt haben, so Bechtoldt.

Anders als in den nassen Vorjahren, in denen die Bäume die Schädlinge mit ausreichend Harz bekämpfen konnten, fehlt ihnen dieses Abwehrmittel wegen der lang anhaltenden Trockenheit nun weitestgehend. Ein Teufelskreis entsteht: Gelingt den Borkenkäfern das Eindringen in den geschwächten Baum, locken sie über ein Pheromon weitere Artgenossen an.

Von unserem Reporter Martin Boldt

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