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Koblenz

Projekt "Silver Swans": Wie Junggebliebene den Ballettsaal erobern

Katharina Demleitner

Ballettunterricht eignet sich nur für Kinder und Jugendliche? Weit gefehlt! Das Klischee vom Nachwuchs, der in rosa Tutus von gestrengen Trainerinnen gedrillt wird, lässt sich elegant widerlegen: In der Koblenz School of Ballet gibt es einen Kurs für Tanzbegeisterte aller Altersklassen.

Auf dem glänzenden Tanzschwingboden üben die Schülerinnen ihre Schrittfolgen und trainieren damit unabhängig von Alter und Konfektionsgröße den ganzen Körper.
Auf dem glänzenden Tanzschwingboden üben die Schülerinnen ihre Schrittfolgen und trainieren damit unabhängig von Alter und Konfektionsgröße den ganzen Körper.
Foto: Thomas Frey

Grundlage für die „Silver Swans“, also die Silberschwäne, in Anspielung auf das eine oder andere graue Haar der Teilnehmer, ist das gleichnamige, spezielle Programm der Royal Academy of Dance, an der die Leiterin der Koblenz School of Ballett, Sara Cocker, ausgebildet wurde.

Von striktem Spitzentanz-Schliff keine Spur: Im großen Saal der Koblenz School of Ballett herrscht an diesem Dienstagmorgen eine heiter-gelöste Stimmung. Wo sonst die Elevinnen für Aufführungen und Prüfungen trainieren, teilen neun Frauen bei dem Programm „Silver Swans“ ihre Freude am Tanz und an der Bewegung. Während sich die 41 Jahre alte Alexandra Rosenbaum mit dem Kurs einen Kindheitstraum erfüllt, nimmt Eleonora Weber (47) den Ballett-Unterricht ihrer Jugendtage wieder auf. Auch eine 58-jährige Teilnehmerin hat bereits als Kind getanzt und ist froh über das Angebot für Ältere: „Da fühlt man sich nicht so deplatziert.“ Über ihre Tochter, die ebenfalls Schülerin der Koblenz School of Ballett ist, hat Christina Schade Ballettfeuer gefangen und findet das Training körperlich fordernd. Es fordere viel Konzentration, sei „das reinste Gehirnjogging“. In einem sind sich aber alle einig: Der Kurs macht Spaß.

Wie im klassischen Ballett üblich, beginnt die Stunde mit Aufwärmübungen an der Stange. Beine und Fußgelenke werden gebeugt und gestreckt, Armbewegungen kommen dazu. Anschließend tanzen die Frauen ohne Stange eine kleine Schrittfolge. Weder komplizierte Choreografien noch hohe Sprünge stehen jedoch in dem Kurs, den die Einrichtung nach eigenen Angaben als erste Ballettschule Deutschlands anbietet, im Vordergrund. Ziel ist die Verbesserung der Körperhaltung, Beweglichkeit und Koordination ohne Leistungsdruck. Zum Einsatz kommen alle Muskelpartien, besonders die Bauch- und Rückenmuskulatur. Die Wirbelsäule wird gefestigt und die Körperspannung erhöht. „Ballett kann jeder“, sagt Sara Cocker. Die gebürtige Engländerin war Stipendiatin der renommierten Londoner Rambert Scholl of Ballett, bevor sie nach Koblenz wechselte und 15 Jahre Bühnentänzerin am Theater war. Im Anschluss an ihre aktive Tanzkarriere ließ sie sich im Rahmen eines dreijährigen Studiums zur Royal Academy of Dance-Lehrerin ausbilden und gründete im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Hobbyballetttänzerin Ute Ertel-Ulmer die Koblenz School of Ballett. „Ich möchte das Ballett allen zugänglich machen, es sollte keine elitäre Kunstform sein, sondern vielmehr allen Bürgern unserer Stadt offen stehen“, erklärt Sara Cocker.

„Auch Erwachsene ohne Vorkenntnisse können im Ballettunterricht ihren Körper und Geist trainieren.“ Sara Cocker, Leiterin der Koblenz School of Ballett (rechts, mit Mitgründerin Ute Ertel-Ulmer), zum Ballettkurs für Erwachsene.
„Auch Erwachsene ohne Vorkenntnisse können im Ballettunterricht ihren Körper und Geist trainieren.“ Sara Cocker, Leiterin der Koblenz School of Ballett (rechts, mit Mitgründerin Ute Ertel-Ulmer), zum Ballettkurs für Erwachsene.
Foto: Katharina Demleitner

Langsam aufbauend vermittelt die zertifizierte Fachkraft die Grundsätze des klassischen Balletts altersgerecht und gesundheitsfördernd. „Tanz ist reine Kopfarbeit, auf die Technik kommt es an“, sagt die leidenschaftliche Balletttänzerin. So sollten zwar in der ersten Grundposition die Füße ganz nach außen gedreht sein, „aber entscheidend ist die Stellung der Hüfte, egal, wie weit geöffnet die Füße sind.“ Unabhängig von Alter und Konfektionsgröße könne jeder das besondere Ganzkörpertraining durchführen. Ganz wichtig dabei: Die Musik, die nicht wie in Fitness-Studios im Hintergrund läuft, sondern die Bewegungen fordert. „Ballett ist eine Mischung aus körperlicher Anstrengung und musikalischer Stimulation, es ist etwas für die Seele“, meint Cocker. Und es erfordert viel Konzentration. Menschen, die regelmäßig tanzen, sollen ein verringertes Risiko haben, an Demenz zu erkranken, „und auf jeden Fall bleibt man mit Ballett fit und aktiv.“

So ganz nebenbei vermittelt die Vollbluttänzerin ihren „Junggebliebenen“, zu denen durchaus auch Männer gehören, viel zur Geschichte des Balletts und allerhand Anekdoten wie die zu lang geratenen Arme einer Primaballerina, die die überkreuzte Haltung der Hände begründete. „Die Tradition bleibt wichtig“, betont Cocker und ist sich sicher: „Alle Damen und Herren auf der Suche nach einem neuen Weg, fit und aktiv zu bleiben, wird dieser Ballettunterricht beflügeln.“

Von unserer Mitarbeiterin Katharina Demleitner

Sara Cocker ließ sich speziell für die Silver Swans ausbilden

Die Royal Academy of Dance ist die weltweit größte Ausbildungs- und Prüfungsinstitution im klassischen Ballett und hat mit Silver Swans ein Programm speziell für ältere Lernende entwickelt. Im Sinne eines Dachverbands stellt die Academy sicher, dass qualifizierter Unterricht durch speziell geschulte Pädagogen angeboten wird.

Die Koblenzerin Sara Cocker hat die Ausbildung durchlaufen und bietet den Kurs in ihrer Koblenz School of Ballett in der Straße „Am Sender“ 1 in Koblenz am Dienstagvormittag von 10 bis 11 Uhr an.

Die Teilnahme am Silver Swans-Kurs kostet 40 Euro monatlich, zum Schnuppern bietet die Schule eine Zehnerkarte ohne vertragliche Bindung für 150 Euro an. Es sind keine Vorkenntnisse im Ballett erforderlich.

Weitere Infos zu den Kursen gibt es im Netz unter  www.koblenz-school-of-ballet.de

Koblenz
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