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Koblenz

Profanisierung: Heilig-Kreuz-Kirche in Ehrenbreitstein wird Weltlichem übergeben

Peter Karges

Ende einer Kirchentradition, die viele Jahrhunderte währte: Am Sonntag wird Weihbischof Jörg Michael Peters um 15.30 Uhr die Ehrenbreitsteiner Heilig-Kreuz-Kirche profanisieren.

Die 1964 eingeweihte Heilig-Kreuz-Kirche wird am Wochenende entweiht. Mit der Profanisierung endet eine jahrhundertelange sakrale Tradition an dieser markanten Anhöhe in Ehrenbreitstein.
Die 1964 eingeweihte Heilig-Kreuz-Kirche wird am Wochenende entweiht. Mit der Profanisierung endet eine jahrhundertelange sakrale Tradition an dieser markanten Anhöhe in Ehrenbreitstein.
Foto: Peter Karges

Zwar ist die Heilig-Kreuz-Kirche erst 1964 eingeweiht worden, aber an ihrer Stelle gab es in den Jahrhunderten zuvor eine reiche sakrale Tradition: Barockkirche, Eremitenkloster, Kapelle. Die jetzt stattfindende Entweihung der Kirche ist der Schlusspunkt unter einer Entwicklung, die sich schon seit Längerem abzeichnete. Da die Zahl der sonntäglichen Messbesucher seit Jahren rückläufig ist, hatte die Pfarrei Heilig Kreuz die unten im Dahl liegende Kapuzinerkirche bereits seit 2009 als Pfarrkirche genutzt. „Nicht zuletzt im Winter waren die Heizkosten für diese große Kirche einfach zu hoch“, sagt Manfred Diehl, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der Pfarrei Heilig Kreuz.

Vor gut 50 Jahren, als die Heilig-Kreuz-Kirche gebaut wurde, war dies anders. 450 Sitzplätze, die im Halbkreis um den Altar gegliedert sind, hat die Kirche. Und diese dürften in den Anfangsjahren nicht nur an Weihnachten besetzt gewesen sein, sondern auch an anderen kirchlichen Hochfesten. Die jetzige Messe am Sonntagabend, die gewöhnlich Pater Dieter vom Deutschen Orden in der Kapuzinerkirche hält, wird hingegen von knapp 50 Frauen und Männern besucht.

Für nicht wenige Gemeindemitglieder ist die Profanisierung natürlich ein recht trauriges Ereignis. „Natürlich beschleicht mich Wehmut, wenn ich daran denke, denn hier habe ich als Messdiener am Altar gestanden“, erzählt Manfred Diehl. „Und ich denke, anderen Ehrenbreitsteinern geht es ähnlich, Generationen sind hier getauft und gefirmt worden, sind zur Erstkommunion gegangen oder haben geheiratet.“

Was mit dem Inventar der Kirche passiert, ist teilweise noch ungewiss. Die Herzen der beiden Trierer Kurfürsten, Johann IX. Philipp von Walderdorff und Franz Georg von Schönberg, die sich bislang in der Krypta der Heilig-Kreuz-Kirche befanden, sind bereits in die Kapuzinerkirche umgezogen. Dorthin soll auch der Taufstein kommen. Was aber mit dem großen Kreuz über dem Altar geschieht, ist jedoch ungeklärt. Auch was mit der Orgel geschehen soll, die von der Bonner Orgelbaufirma Johannes Klais hier 1965 errichtet wurde, steht noch nicht fest. „Wir würden sie gern verkaufen, haben bislang aber noch keinen Interessenten“, sagt Manfred Diehl.

Von unserem Mitarbeiter Peter Karges

Blick in die Vergangenheit: Die Geschichte der Heilig-Kreuz-Kirche

Im Kreis der Koblenzer Gotteshäuser zählt die Ehrenbreitsteiner Heilig-Kreuz-Kirche zu den jüngeren Exemplaren. Erbaut wurde die unter Denkmalschutz stehende Kirche zwischen 1962 und 1964 nach Plänen des Koblenzer Architekten Martin Ufer.

Manfred Diehl (links) und Pater Dieter präsentieren die Herzen der vorletzten beiden Trierer Kurfürsten, die bislang in der Krypta der Heilig-Kreuz-Kirche sich befanden.
Manfred Diehl (links) und Pater Dieter präsentieren die Herzen der vorletzten beiden Trierer Kurfürsten, die bislang in der Krypta der Heilig-Kreuz-Kirche sich befanden.
Foto: Peter Karges
Die alte Heilig-Kreuz-Kirche wurde Anfang des 18. Jahrhunderts nach Plänen des Baumeisters Philipp Honorius von Ravensteyn errichtet. Vor der Barockkirche stand an dieser Stelle ein Kloster der Augustiner-Eremiten, in dem 1510 der Augustinermönch Martin Luther weilte. Das Kloster wurde während der Belagerung der Festung Ehrenbreitstein 1636 zerstört. In der Krypta der ehemaligen Barockkirche ruhten bis vor Kurzem die Herzen und Eingeweide der beiden Trierer Kurfürsten Johann IX. Philipp von Walderdorff (1701–1768) und Franz Georg von Schönborn (1682– 1756). pka
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Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

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