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Niederwerth

Niederwerth: Werther heben den Goldschatz des Humors

Winfried Scholz

Es ist nicht nur ein Goldstück, es ist ein ganzer Goldschatz rheinischen Humors, mit dem der Niederwerther Karnevalsverein „Mir were nimmi goot“ auch im 70. Jahr seines Bestehens das Publikum erneut begeistert. Neun ausverkaufte Sitzungen locken auch in dieser Session wieder mehr Menschen in die Narrhalla, als die Insel Einwohner hat. Kommod ist es dort nicht. „Mir könne nur klein on gemütlich, manche sagen auch eng dazu“, beschreibt Jörg Hilden in seinem Protokoll als „kleiner Mann von der Straße“ die Situation. Gute Protokolle sind selten geworden. Das lebende Politbarometer, wie Sitzungspräsident Thomas Stein ihn bezeichnet, liefert auch dieses Jahr wieder einen Spitzenvortrag. „Steiner“ führt mit geschliffenen Reimen humorvoll durchs Programm.

Die großen Funken der Karnevalsgesellschaft erwiesen einem legendären schwedischen Popquartett ihre Reverenz: Sie traten als ABBA-Mädels auf und begeisterten die jecken mit ihrem Showtanz.  Foto: Winfried Scholz
Die großen Funken der Karnevalsgesellschaft erwiesen einem legendären schwedischen Popquartett ihre Reverenz: Sie traten als ABBA-Mädels auf und begeisterten die jecken mit ihrem Showtanz.
Foto: Winfried Scholz

Ein Hauptgrund, dass die Werther nach wie vor närrische Hochkonjunktur haben, ist die kluge Arbeit des mit unterschiedlichen, aber sich bestens ergänzenden Talenten ausgestatteten Führungsduos, bestehend aus Karl-Josef Mettler als Vorsitzendem und dem Sitzungspräsidenten. Es mangelt nicht an hervorragenden Büttenrednern. Alle Aktiven kommen aus den eigenen Reihen, die aus Spaß an der Freud auf der Bühne stehen. Da wird der Nachwuchs motiviert wie die Lehrlinge Sascha Klöckner und Nico Hilden, der diesmal sein Debüt gibt. Bereits Klassenbeste der Auszubildenden im Büttenhandwerk sind Leon Hause und Michel Stein. Schon im karnevalistischen Olymp angekommen, wie man der Publikumsreaktion entnehmen kann, sind Matthias Klöckner als Büttencoach und „Schweinsteiger“ Felix Hause.

Dass sich die alten Hasen noch bestens gegen die Jugend behaupten können, beweisen Bernd „Klötzje“ Keßelheim als Statistiker, der dabei besonders das Liebesleben der Werther und der übrigen Deutschen untersucht, und Toni Peter Pütz. Der berichtet köstlich vom letzten „Christdaach“, von der Weitersburger Krüppelkiefer „ohne Noodele“ über seinen respektlosen Enkel bis zum Besuch der buckeligen Verwandtschaft. Sabine Reichert beweist auch diesmal wieder als beleidigte „Leewerwurscht“ ihr Talent für ausgefallene fantasievolle Kostüme und keck-freche Texte. Bereits wenn Valler-Import Christoph Schmidt die Bühne betritt, jubelt das Publikum: „Ich bin der Typ Womanizer, und auf einer Skala von eins bis zehn habe ich zwölf Punkte.“ Wenn es gegen Ende für die Redner schwierig wird, zündet Jürgen Portugall noch eine Granate als grantiger Werther.

Die „Nachedeijer“ zu Beginn und die Band Talentfrei nach der Pause bringen den Saal auf Drehzahl. Reichlich Stimmung zünden die Schängelsänger mit einem Liedermix mit eigenen Texten. Alexander Portugall und Stefan Maxeiner verblüffen mit Schattenspielen. Die neusten Nachrichten werden in der Tagesshow präsentiert, und die schrägen Typen der Kulturgruppe Hause bringen den Saal mit urkomischem Klamauk zum Toben. Die jungen Funken erobern die Herzen des Publikums als Piraten, und die großen Funken begeistern mit ihrem ABBA-Showtanz. Das Männerballett reißt das Publikum von den Sitzen als – politisch korrekt – langhaarige maximal pigmentierte Bananenpfleger mit Migrationshintergrund.

Von unserem Mitarbeiter Winfried Scholz

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