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Koblenz

Nicht nur am 6. Dezember: Nikolaus segnet Koblenz

Ingo Schneider

Wäre es nach Luther gegangen, es würde den Nikolaustag wohl längst nicht mehr geben – und damit wären heute selbst sehr brave Kinder leer ausgegangen und hätten keine Süßigkeiten und kleinen Geschenke in den bereitgestellten Stiefeln vorgefunden. Tatsächlich setzte sich durch, dass Geschenke weitgehend eine Weihnachtstradition wurden, überbracht vom Christkind. Und doch blieb auch der Nikolaustag erhalten, und Kinder dürfen sich im Dezember eben gleich zwei Mal über Geschenke freuen.

Silvester Baumann schuf das Altarbild des Heiligen Nikolaus im Jahr 1680, auf dem der Bischof die Stadt Koblenz segnet. Zu sehen ist es in der Liebfrauenkirche in der Koblenzer Altstadt.
Silvester Baumann schuf das Altarbild des Heiligen Nikolaus im Jahr 1680, auf dem der Bischof die Stadt Koblenz segnet. Zu sehen ist es in der Liebfrauenkirche in der Koblenzer Altstadt.
Foto: Henry Tornow

Für den Kunsthistoriker Manfred Böckling sicher einer der Gründe, warum der Bischof hoch in der Gunst der Kinder steht – aber ohnehin erfreue sich Nikolaus als Heiliger größter Beliebtheit. Gut für Koblenz, dass sich Stadt und Menschen unter Nikolaus' Segen fühlen dürfen. Denn obwohl Maria, und nicht er, Patron der Stadt ist, ruft Nikolaus in der Liebfrauenkirche den Segen Gottes auf Koblenz herab. Dort findet sich nämlich nicht nur die Weihnachtsgeschichte an vielen Stellen wieder, es ist dort auch das eindrucksvolle Altarbild von Silvester Baumann zu bewundern. Entstanden 1680, zeigt das Werk den Heiligen, der mit der linken Hand den göttlichen Segen empfängt und mit der rechten Hand das Kreuzzeichen über der Stadtansicht macht. Das Segensgebet ist im Bild auf einer Buchseite zu sehen. Und sogar zu lesen – obwohl das Gemälde leider sehr dunkel ist. Der Firnis hat im Laufe der Jahre gelitten, wie Böckling bedauernd feststellt. Der Ruß der Kerzen hat ein Übriges getan.

Regelmäßig führt der Kunsthistoriker Gruppen von Interessierten in der Adventszeit durch die Kirchen der Koblenzer Altstadt, dann gerne mit einem weihnachtlich-adventlichen Schwerpunkt. Da darf dann das Altargemälde in Liebfrauen nicht fehlen. „In der katholischen Tradition wurden die Kinder eigentlich von Nikolaus beschenkt“, erläutert Böckling. Und sie werden es immer noch, die Geschenke fallen nur eben heute kleiner aus.

Dass es sich bei dem Heiligen auf dem Altarbild tatsächlich um Nikolaus handelt, ist an einigen Zeichen zu erkennen, die man sehen und verstehen muss, wie Böckling betont. Und die zumindest in einem Fall auf eine ziemlich blutige Geschichte verweisen.

Zunächst ist er im Bild klar als Bischof zu erkennen, anhand von Stab und Mitra. Auf Nikolaus weist dann zudem ein Detail hin, das weniger leicht zu sehen und zu deuten ist: Rechts im Bildvordergrund sind Geldsäcke zu erkennen – als Anspielung auf die drei goldenen Kugeln, mit denen er üblicherweise dargestellt wird. Diese stehen für drei arme Jungfrauen, denen er durch eine Goldgabe ihre Heirat ermöglicht haben soll.

Und der blutige Verweis versteckt sich in der Darstellung dreier unschuldiger Kinder – ein Verweis auf die Geschichte der drei Jungen im Salzfass. Drei Scholaren, fahrende Schüler oder Studenten, sollen in einem Gasthaus Rast gemacht haben. Dort wurden sie von den Wirtsleuten erschlagen: Diese hatten sie eigentlich berauben wollen, mussten aber feststellen, dass es nichts zu holen gab. Der Wirt pökelte sie nach der Bluttat in Salz ein. Nikolaus erfuhr von einem Engel davon und konnte durch Fürbitte an Gott die Jungen wieder erwecken. All diese Symbole im Bild belegen für Manfred Böckling: Es ist Nikolaus, der in der Liebfrauenkirche zu sehen ist – und der Koblenz den Segen erteilt.

Von unserem Redaktionsleiter Ingo Schneider

Liebfrauenkirche wurde von 1180 bis 1205 gebaut

Die Liebfrauenkirche wurde in ihrer jetzigen Form in den Jahren 1180 bis 1205 gebaut. Ein römisches Gebäude soll aber bereits im 4. Jahrhundert an dieser Stelle gestanden haben, berichtet Kunsthistoriker Manfred Böckling.

Und eine christliche Nutzung wird bereits für das 7. Jahrhundert angenommen – für Begräbnisse. Die Vorgängerkirche wurde im 10. Jahrhundert ausgebaut, berichtet Böckling, bis Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts dann der heutige Bau in seiner ursprünglichen Form entstand. Die charakteristischen Zwiebelhauben über den Türmen wurden allerdings erst deutlich später, nämlich im Jahr 1694, fertiggestellt. is
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