40.000
Aus unserem Archiv
Koblenz/Berlin

nebenan.de: Internetplattform will Nachbarn in Koblenz zusammenbringen

Gerade in Großstädten ist oft Anonymität an die Stelle einer echten Nachbarschaft getreten, in der man sich kennt und sich unterstützt. Das wollen sechs Gründer mit einer Internetplattform ändern.

Im Urlaub nebenan die Blumen gießen, einen gemeinsamen Lauftreff gründen oder Tipps für einen guten Babysitter geben: Auf der Internetplattform nebenan.de sollen Nachbarn zusammenfinden, die sich austauschen und unterstützen wollen.
Im Urlaub nebenan die Blumen gießen, einen gemeinsamen Lauftreff gründen oder Tipps für einen guten Babysitter geben: Auf der Internetplattform nebenan.de sollen Nachbarn zusammenfinden, die sich austauschen und unterstützen wollen.

Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

Gerade in vielen Dörfern oder ländlich geprägten Stadtteilen gibt es sie noch: echte Nachbarschaft, die mehr bedeutet, als dass man eben nebeneinander wohnt. Die Leute kennen sich, sie sprechen miteinander und helfen sich auch mal, wenn Not am Mann ist. Doch in den Städten gibt es diese Form des Zusammenhalts immer seltener. Man wohnt zwar oft dicht an dicht, über den knappen Gruß auf der Straße oder im Treppenhaus geht die Gemeinschaft aber kaum hinaus. Ein Verlust für viele – und ein Anlass für sechs Gründer aus Berlin, um gegenzusteuern, mittlerweile auch in Koblenz.

Seit ein paar Wochen ist die Good Hood GmbH, die im vergangenen Jahr gegründet wurde und bereits Preisträger im Land der Ideen ist, auch hier aktiv. Ihre Onlineplattform nebenan.de will just das fördern, was manche Städter wohl vor allem aus den Erzählungen von Oma kennen: eine richtige Nachbarschaft. "Unsere Grundfrage ist: Wie belebe ich eine Nachbarschaft wieder, und zwar praktisch, zwischenmenschlich, kulturell, sozial und später auch gewerblich", erklärt Mitgründerin Ina Brunk. Mit nebenan.de wollen sie und ihre Mitstreiter Menschen unterstützen, die mit ihrer Umgebung in Verbindung treten wollen.

Und so funktioniert das: Interessenten registrieren sich auf nebenan.de und geben dafür ihren Namen und – ganz wichtig – ihre Adresse an. Nach außen werden diese Daten nicht getragen, sie sind aber wichtig dafür, Menschen aus derselben Ecke einer Stadt miteinander zu vernetzen.

Im zweiten Schritt geben die Macher der Plattform eine Art Starthilfe: "Wir bieten an, dabei zu helfen, dass möglichst schnell viele Leute zusammenkommen und eine Nachbarschaft anfangen kann zu leben", sagt Ina Brunk. Wenn ein Nachbar, der auf nebenan.de registriert ist, dies will, werden in seinem Namen (genannt werden Vorname und Straßenname) Einladungen in alle Briefkästen in der Nachbarschaft gesteckt. So wird dafür geworben, auf nebenan.de eine Nachbarschaft zu gründen.

In 50 Städten haben sich so mittlerweile 1200 Nachbarschaften mit jeweils 100 bis 300 Mitgliedern gefunden. Auf der Onlineplattform können diese dann Nachrichten und Fragen einstellen, die jeweils nur die anderen Menschen aus der eigenen Nachbarschaft lesen können. Hier geht es dann darum, wer im Urlaub die Blumen gießen kann, wer sich mit PCs auskennt, wer einen guten Arzt kennt oder einen Aktenvernichter zu Hause hat. "Oft heißt es aber auch einfach: Wollen wir uns nicht mal treffen?", sagt Brunk.

Auch Gruppen sind so schon entstanden: Lauftreffs, Strickkreise, Mutter-Kind-Runden und so weiter. Und: Wenn sich die Nachbarschaften einmal gefunden haben, bleiben sie auch aktiv, ist die Erfahrung von Ina Brunk.

Nun hofft sie, dass nebenan.de auch in Koblenz etwas bewegt. Rund 100 Menschen haben sich bereits registriert, darunter allein 20 aus der Südlichen Vorstadt. Hier wurde auch bereits eine Nachbarschaft eröffnet, ebenso wie in der Altstadt.

Einen großen Unterschied zwischen einer Metropole wie Berlin und einer kleinen Großstadt wie Koblenz sieht Brunk eigentlich nicht: Auch in Berlin sind die Menschen ja vor allem in ihrem direkten Umfeld unterwegs, nicht in der ganzen Stadt. Die zunehmende Anonymität ist hier ebenso ein Problem wie in Moselweiß oder Goldgrube. Und: Eine Generationenfrage ist dies nicht. Auf nebenan.de sind junge Leute ebenso aktiv wie Senioren, sagt Ina Brunk, "das Thema treibt ja alle um".

Mehr auf nebenan.de

Koblenz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

epaper-startseite
Wetter
Freitag

2°C - 10°C
Samstag

-1°C - 9°C
Sonntag

1°C - 6°C
Montag

1°C - 5°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerie: Fotos unserer Leser
Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
Koblenzer Stadt-Geschichten

Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf