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Nahversorgung: Wo Ortschefs Lücken sehen

Volker Schmidt

Etwa die Hälfte der Orte im nördlichen Rheinland-Pfalz ist unterversorgt. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie von Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz und Handwerkskammer (HwK) Koblenz. Für diese hatten IHK und HwK rund 1000 Ortsbürgermeister in dem von ihnen betreuten Bezirk befragt – somit auch die Ortschefs im Landkreis Mayen-Koblenz. Stadtbürgermeister wurden nicht befragt. Verglichen mit anderen Landkreisen sieht es im Kreis MYK noch recht gut aus, was die Nahversorgung betrifft – allerdings nicht überall.

Einzelhandel? Nahezu Fehlanzeige: Lebensmittel bekommt man in Stromberg nur noch bei einem Bäcker. In den Geschäftsräumen eines früheren Bäckers findet man nun eine Pizzeria. Ansonsten ist der Bendorfer Höhenstadtteil unterversorgt, was aus der Studie von HwK und IHK allerdings nicht hervorgeht, da bei Städten eine ausreichende Versorgungsstruktur vorausgesetzt wurde.
Einzelhandel? Nahezu Fehlanzeige: Lebensmittel bekommt man in Stromberg nur noch bei einem Bäcker. In den Geschäftsräumen eines früheren Bäckers findet man nun eine Pizzeria. Ansonsten ist der Bendorfer Höhenstadtteil unterversorgt, was aus der Studie von HwK und IHK allerdings nicht hervorgeht, da bei Städten eine ausreichende Versorgungsstruktur vorausgesetzt wurde.
Foto: Sascha Ditscher

Die Situation im Landkreis Mayen Koblenz: Das gute Ergebnis wird in der Studie daran festgemacht, dass im Landkreis 63 Prozent der insgesamt 84 Gemeinden und Städte durch Einzelhandelsgeschäfte im Ort versorgt sind. Eine Unterversorgung gibt es demnach vor allem in ländlicheren Gebiet wie etwa der Verbandsgemeinde Maifeld, in der es nur in 5 der 14 Ortsgemeinden Einzelhandelsgeschäfte gibt. „Trotz der positiven Lage haben die Ortsbürgermeister überwiegend angegeben (45 Prozent), dass sich die Nahversorgungssituation seit dem Jahr 2000 verschlechtert bis stark verschlechtert hat“, heißt es. Ein positiveres Bild ergibt sich vor allem in den nahe an Koblenz liegenden Gebieten wie den VGs Weißenthurm, Vallendar oder in Teilen der VG Rhein-Mosel. Obwohl sich auch hier und da Versorgungslücken auftun.

Die Situation in den (nahe an Koblenz liegenden) Verbandsgemeinden: In den Verbandsgemeinden rund um Koblenz ergibt sich ein höchst unterschiedliches Bild. Je weiter man sich von Koblenz entfernt, desto lückenhafter ist die Versorgungsstruktur. In der VG Vallendar gibt es nur auf dem Niederwerth keine Geschäfte, die der Nahversorgung dienen. Zu diesen werden Bäcker, Metzger, Supermarkt oder Discounter, Drogerie, Tankstellenshop oder Hofläden und Ähnliches gezählt. Noch besser sieht es in der VG Weißenthurm aus, in der es keine Gemeinde ohne Einkaufsmöglichkeit gibt. In der VG Rhein-Mosel haben vor allem die Orte keine Nahversorgung, die weit von Koblenz entfernt liegen. Dazu zählen Hatzenport, Löf, Macken und Nörtershausen.

Die Situation in den Städten: In Weißenthurm, Mülheim-Kärlich, Bendorf, Vallendar und Rhens ist eine Versorgungsstruktur vorhanden – davon ist man bei der Studie ausgegangen. Und daher wurden die Stadtbürgermeister auch gar nicht befragt. Allerdings ist dies nur ein recht oberflächlicher Blick auf die Situation. Beispiel Bendorf: Dort gibt es insgesamt natürlich ausreichend viele Geschäfte – nur nicht in jedem Stadtteil. So hatte die FDP Bendorf jüngst in einer Pressemitteilung „erhebliche Mängel“ in der Grundversorgung und eine unzureichende Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr des Stadtteils Stromberg konstatiert. „Man muss mobil sein in Stromberg, um sich nicht abgehängt zu fühlen“, erklärte die FDP. „Das kann man vonseiten der Politik natürlich anprangern“, sagt der Bendorfer Wirtschaftsförderer Werner Prümm, fügt aber hinzu: „Aber man muss auch Unternehmer finden, die das umsetzen.“ In Stromberg hätte es mal den Ansatz für eine Alternativlösung mit einem Dorfladen gegeben, die sich aber bislang nicht umsetzen ließ. Die Voraussetzungen, um dort einen Discounter oder einen größeren Lebensmittelladen zu etablieren, seien eher ungünstig, weil in Stromberg zu wenig potenzielle Kunden leben würden. Zudem müsste auch die passende Fläche vorhanden sein.

Die Situation in den Gemeinden: Rund um Koblenz gibt es viele Gemeinden, in denen mindestens zwei Kategorien von Geschäften, die Lebensmittel anbieten, vertreten sind. In den Orten der VG Weißenthurm ist dies sogar der Mindeststandard. In den Orten der deutlich ländlicher geprägten VG Rhein-Mosel ist dies – mit Ausnahme der Stadt Rhens und von Spay – allerdings das Höchstmaß. In Hatzenport, Löf, Macken und Nörtershausen sind die Bürger sogar auf Verkehrsmittel angewiesen, da es dort keine Nahversorgung gibt. In Hatzenport denkt man schon bereits seit Jahren über einen Dorfladen nach – bislang ohne Ergebnis. Kein Einzelhandelsgeschäft gibt es auch auf der Insel Niederwerth. Allerdings ist das Gebiet der VG Vallendar, zu der die Insel gehört, deutlich dichter besiedelt, sodass die Wege nicht ganz so weit sind wie in der VG Rhein-Mosel. Auffallend ist oft, dass sich gerade zwischen zwei Gemeinden oder Städten, die eine gute Versorgungsstruktur vorweisen, Orte befinden, in denen es nur wenig Läden gibt. Dies ist in dem zwischen Vallendar und Bendorf gelegenen Weitersburg der Fall, aber auch in Brey, das zwischen Rhens und Spay liegt. In vielen der ländlichen Gemeinden ergänzen mobile Verkäufer das Lebensmittelangebot, heißt es in der Studie.

Von unserem Redakteur Volker Schmidt

So schätzen die Ortsbürgermeister die Situation ein

Die Ortschefs wurden befragt, wie sie die aktuelle Situation, die Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren und die Zukunft sehen.

VG Weißenthurm: Keine Probleme scheint in es in den Ortsgemeinden der VG Weißenthurm zu geben. Alle fünf Ortsbürgermeister glauben, dass es eine ausreichende Versorgung mit Einzelhandelsgeschäften gibt. Drei sprechen von einer Verbesserung der Situation seit 2000. Für zwei Ortschefs ist die Situation unverändert geblieben. An eine Verschlechterung in den kommenden zehn Jahren glaubt keiner.

VG Vallendar: Höchst unterschiedlich fällt die Einschätzung dagegen in der VG Vallendar aus. Von den drei Ortschefs ist einer der Ansicht, dass die Versorgung nicht gegeben ist. Eine Verbesserung der Situation seit 2000 sieht keiner, einer sieht sogar eine starke Verschlechterung. Und dass es in den nächsten zehn Jahren besser werden könnte, glaubt auch keiner.

VG Rhein-Mosel: 13 von 17 Ortsbürgermeistern sind der Ansicht, dass die Versorgung durch Einzelhandelsgeschäfte gegeben ist, vier behaupten das Gegenteil. Allerdings ist mehr als die Hälfte auch der Ansicht, dass sich die Situation seit dem Jahr 2000 verschlechtert (acht Stimmen) beziehungsweise stark verschlechtert hat. Drei sehen eine Verbesserung. An eine weitere Verschlechterung in den kommenden zehn Jahren glauben nur vier Ortschefs, acht sind der Ansicht, dass die Situation gleich bleiben wird. vos

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