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Koblenz

Nach brutalem Mord an Obdachlosem: Koblenzer können sich heute verabschieden

Auch rund sechs Wochen nach dem brutalen Mord an Gerd Michael Straten bewegt die Koblenzer die grausame Tat. Die Anteilenahme in der Bevölkerung ist enorm. Die Koblenzer können heute ab 14 Uhr in der Friedhofshalle in Lützel Abschied nehmen.

Nach Bekanntwerden der Tat war zunächst unklar, ob es Angehörige gibt. Polizei und Staatsanwaltschaft haben dann bekanntgegeben, dass sich die Familie um das Begräbnis des Mordopfers kümmern wird. Durch die Koblenzer Polizei lässt die Familie mitteilen, dass die Bevölkerung die Möglichkeit bekommen soll, sich zu verabschieden.

Der Sarg wird am heutigen Freitag, 4. Mai, in der Friedhofshalle des Friedhofs in Koblenz-Lützel, Am Petersberg, aufgebahrt. Zwischen 14 Uhr und 18 Uhr besteht dort die Möglichkeit Abschied zu nehmen. Ein Kondolenzbuch ist ebenfalls ausgelegt, heißt es in einer Pressemeldung der Polizei. Warum die Verabschiedung auf dem Lützeler Friedhof stattfindet und nicht an einem anderen Ort, weiß die Polizei auch nicht. Das hat die Familie so entschieden. Gut möglich, dass der Hauptfriedhof ihnen nicht der richtige Ort erschien, da der Koblenzer ja dort getötet wurde. Ob Straten in Koblenz beigesetzt wird oder anderswo, zum Beispiel in Köln, wo er früher gelebt hat, ist unbekannt: „Gemäß dem Wunsch der Familie wird die Bestattung zu einem späteren Zeitpunkt unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen“, so die Polizei in einer Pressemitteilung.

Warum Gerd Michael Straten, dessen enthauptete Leiche vor etwas mehr als einem Monat in der Batterie Hübbeling auf dem Hauptfriedhof entdeckt wurde, sterben musste, ist nach wie vor ein Rätsel. Die Details, die zur Tat bisher bekannt sind, sind verstörend: Der Leichnam wurde in einem Festungsgebäude im oberen Teil des Hauptfriedhofs gefunden, unter einer Statue, die einen Friedensengel darstellt. Der Kopf des Toten war abgetrennt. Mit welcher Waffe oder welchem Instrument, dazu macht die Polizei bisher keine Angaben.

Und auch, wie der 59-Jährige getötet wurde, wird nicht bekannt gegeben. Nur dass es ein gewaltsamer Tod war, das sagt die Polizei. Lange wurde der Leichnam in der Rechtsmedizin in Mainz untersucht. Über die Ergebnisse schweigt sich die 35-köpfige Soko Hauptfriedhof aus. Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft aber bestätigt, dass der Mord in dem Gebäude auf dem Friedhof verübt wurde, in dem der Leichnam gefunden wurde, und dass der Kopf des Toten ebenfalls am Tatort lag.

Die Ermordung von Gerd Michael Straten, der 1979 nach Koblenz zog und von 1986 bis 1997 in der Altstadt einen Kunst- und Rahmenladen führte, hat die Koblenzer in den vergangenen fünf Wochen stark beschäftigt. Im Internet nahmen viele Anteil an seinem Leben und Tod, eine Gruppe gründete sich in Facebook, deren Mitglieder eine würdige Bestattung hätten finanzieren wollen, wenn sich keine Angehörigen gefunden hätten. Das hat sich dann ja anders herausgestellt. Übrig bleibt dennoch der positive Eindruck, dass es viele Menschen gibt, denen Stratens Tod persönlich sehr nahe gegangen ist: Eine Trauerrednerin wollte ohne Honorar die Bestattung begleiten, ein Steinmetzbetrieb für einen Grabstein sorgen, viele wollten Geld spenden.

Allerdings gab und gibt es auch andere Stimmen. Früher habe man sich nicht um den wohnungslosen Straten gekümmert, heute aber zeige man sich tief betroffen, so die Kritik. Dass Straten aber überhaupt wohnungslos war, das wusste kaum jemand. Auch Menschen, die ihn ganz gut kannten, hatten davon keine Ahnung. Denn er legte großen Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Auch in anderer Hinsicht entsprach er überhaupt nicht dem gängigen Klischee des Obdachlosen, auch wenn er sich häufiger zum Beispiel am Bahnhof aufhielt und sich mit Pfandflaschensammlung Geld verdiente: Straten trank keinen Alkohol, er nahm keine Drogen. Fast jeden Tag ging er in die Bibliotheken und las ausgiebig Zeitungen. Überhaupt las er viel und war sehr gebildet und interessiert an Gott und der Welt, sagen die, die ihn gekannt haben. Warum er ermordet wurde, dafür findet niemand eine Erklärung.

dos/nbo

Wer kann helfen, den Mord aufzuklären?

Die Soko Hauptfriedhof sucht weiterhin Zeugen, die etwas über den Ermordeten und sein Umfeld sagen können.

Gerd Michael Straten wurde brutal getötet. Von wem ist weiter unklar. Foto: Polizei
Gerd Michael Straten wurde brutal getötet. Von wem ist weiter unklar.
Foto: Polizei
  • Wer kannte Gerd Michael Straten?
  • Wer kann Angaben zu seinem Umfeld und zu Kontaktpersonen machen?
  • Wer hat Auffälliges im Bereich des Hauptfriedhofes bemerkt?
  • Wer kann Angaben zu Streitigkeiten zwischen dem Opfer und anderen Personen machen?
  • Wer kennt weitere Personen, die auf dem Hauptfriedhof leben oder sich dort oft aufhalten?
  • Wer kann sonstige sachdienliche Hinweise geben?

Hinweise nehmen die Kriminaldirektion Koblenz, Tel. 0261/1031, sowie jede andere Polizeidienststelle entgegen. Infos: www.polizei.rlp.de/de/fahndung

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