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Mülheim-Kärlich/Weißenthurm

Mülheim-Kärlich: Die erste von drei Schulen entsteht

An den Wänden hängen die Entwürfe, Materialproben von Klinker und Holz lehnen an der Wand, eine Skizzenrolle versteckt sich zwischen Computer und Telefon: Das Büro von Raphaela Adler in der Verbandsgemeindeverwaltung Weißenthurm ist das planerische Herzstück der neu zu bauenden Grundschule in Kärlich. Gemeinsam mit zwei anderen Architekten entwirft die 47-Jährige den Neubau für die i-Dötzchen.

Mit der Planung der neuen Grundschule Kärlich hat die Architektin der VG Weißenthurm, Raphaela Adler, alle Hände voll zu tun. Foto: Agatha Mazur
Mit der Planung der neuen Grundschule Kärlich hat die Architektin der VG Weißenthurm, Raphaela Adler, alle Hände voll zu tun.
Foto: Agatha Mazur

Von unserer Reporterin Agatha Mazur

Rückblick: Im Februar 2014 beauftragt die Stadt Mülheim-Kärlich die Architekten der VG Weißenthurm mit der Planung der Kärlicher Grundschule. Auch in den Stadtteilen Urmitz-Bahnhof und Mülheim müssen neue Schulen errichtet werden, die Planungen dafür übernehmen jedoch externe Architekten. Denn alle drei Gebäude wären für Raphaela Adler und ihre zwei Kollegen zu viel. So eine Planung ist schließlich ein Mammutprojekt. Das Wichtigste dabei: Abstimmen, abstimmen, abstimmen. Mit dem Stadtrat von Mülheim-Kärlich, mit der Arbeitsgruppe der VG Weißenthurm, mit Elternvertretern, mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD). Auch wichtig ist, die Vorgaben der Schulbaurichtlinie einzuhalten. Denn einfach "drauflosbauen" darf man nicht. Alles ist genau geregelt.

60 Quadratmeter groß wird jeder der acht Klassenräume, erklärt Raphaela Adler. Gruppenräume zwischen den Klassenzimmern dienen als Arbeitsräume und Puffer. Die Nutzfläche, also der Platz, an dem die Kinder lernen, muss in einem bestimmten Verhältnis zur Bewegungsfläche, beispielsweise den Fluren stehen. "Das war eine Herausforderung", sagt Adler. Sie zieht einen Schnellhefter aus ihren Unterlagen: Alle Zahlen hat auch die Architektin nicht im Kopf und muss erst einmal nachschlagen.

Es ist eine Sonderlage: Alle drei Grundschulen der Stadt Mülheim-Kärlich müssen neu gebaut werden (die RZ berichtete). Doch wie entsteht eigentlich eine Schule? Wie laufen die Planungen dafür ab? Was gibt es alles zu beachten? Diese und weitere Fragen beantwortet die RZ am Beispiel Grundschule Kärlich, die als erste der drei Schulen errichtet wird. Wir begleiten das Bauprojekt etappenweise bis zu seiner Fertigstellung.
Es ist eine Sonderlage: Alle drei Grundschulen der Stadt Mülheim-Kärlich müssen neu gebaut werden (die RZ berichtete). Doch wie entsteht eigentlich eine Schule? Wie laufen die Planungen dafür ab? Was gibt es alles zu beachten? Diese und weitere Fragen beantwortet die RZ am Beispiel Grundschule Kärlich, die als erste der drei Schulen errichtet wird. Wir begleiten das Bauprojekt etappenweise bis zu seiner Fertigstellung.

Dann geht es an die konkrete Planung: Welche Materialien nehmen wir, wo kommt was hin? Kann die Architektin trotz aller Vorgaben ihrer Kreativität freien Lauf lassen? Bei der Gestaltung ist sie durchaus frei, sagt Adler. "Wir wollten nachhaltig bauen!" Der Wille zur Nachhaltigkeit, einer ihrer besonderen Vorsätze, schlägt sich auch in den Materialien nieder. Die Grundschule soll eine Fassade aus Klinker erhalten. Da muss man nichts verputzen und streichen, was wiederum die Folgekosten senkt. "Im Lebenszyklus eines Gebäudes werden nur 20 bis 30 Prozent für den Neubau gebraucht", betont Adler. Der Rest sind Folgekosten. Doch nicht nur in finanzieller Hinsicht möchte die gebürtige Polcherin nachhaltig bauen, sie hat auch ein Auge auf die Umweltverträglichkeit. Viel Holz soll verbaut werden, außen wie innen.

So gehen die Monate ins Land, Adler und ihre Kollegen planen, entwerfen, stimmen sich ab. "Die Planungs- und die Genehmigungsphase gehen ineinander über", erklärt die Architektin, die seit drei Jahren bei der Verbandsgemeinde angestellt ist. Ende 2014 ist es dann so weit: Der Bauantrag wird genehmigt. Ein Meilenstein.

Nun geht es an die Feinplanung: Statiker, Fachplaner, Haustechniker kommen zu Wort. Welche Deckenspannweite wird benötigt, welche Heizung soll man einbauen, und wie gelangt man an den Wärmeschutznachweis? Das sind die Fragen, die nach und nach abgearbeitet werden. Und immer wieder: Abstimmen, abstimmen, abstimmen.

Eine Grundschule plant Raphaela Adler zum ersten Mal. So ein Gebäude hält besondere Herausforderungen bereit. Der Boden muss rutschsicher sein: Adler hat Kunststoff dafür vorgesehen. Bei einer Klasse, in der bis zu 30 Kinder durcheinanderrufen, ist das Thema Schallschutz ein großes. Adler hat einen Fachingenieur zurate gezogen, der spezielle Akustikdecken mit Platten empfohlen hat. Die sollen den Lärm dämpfen. Eine Amokalarmanlage, bei der der Lehrer einen Knopf drücken und so die Polizei verständigen kann, wird es nicht geben. Allerdings wird keiner die Schule während der Unterrichtszeiten von außen betreten können, ohne zu klingeln.

Im Frühjahr dieses Jahres konnten Adler und ihre Kollegen anfangen, die Aufträge auszuschreiben. Wird ein Projekt in öffentlicher Hand gebaut, müssen sie immer öffentlich ausgeschrieben werden. Ab einer gewissen Größe hätte man sogar europaweit ausschreiben müssen. "Doch wir sind weit darunter geblieben", erklärt Adler. Knapp 3 Millionen Euro wird die Schule insgesamt kosten. Auf der Webseite der VG und anderen Plattformen werden die Aufträge ausgeschrieben und präsentiert. Gerade das Volumen anzugeben ist wichtig, erklärt Adler: "Die jeweilige Firma muss einschätzen können: Kann ich das erfüllen oder nicht?" Wie viele Angebote reinkommen, hat auch immer etwas mit der Jahreszeit zu tun: Sind die Auftragsbücher der Firmen gut gefüllt? Und nicht jede Firma, die Infos anfordert, gibt hinterher auch ein Angebot ab. Architektin Adler ist aber zufrieden: "Dieses Mal hatten wir eine gute Beteiligung."

Welche Firma den Zuschlag erhält, steht schnell fest: "Das wirtschaftlichste Angebot wird genommen", bekräftigt Adler. Der erste Schwung an Aufträgen, die den Rohbau betreffen, wurde bereits in der vergangenen Stadtratssitzung vergeben, bis Ende des Jahres sollen auch alle anderen Aufträge vergeben sein. Spatenstich ist am heutigen Dienstag: Über Herbst und Winter soll der Rohbau entstehen. Ob dieser bis Anfang des kommenden Jahres steht, "hängt von der Witterung ab". Wenn es lange friert, verzögert es sich. Nach dem Winter kann Adler eine Prognose abgeben, wann die neue Grundschule steht. 14 bis 16 Monate soll es insgesamt dauern, bis die neue Schule von lachenden, spielenden Kindern bevölkert werden kann.

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