40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Koblenz
  • » Luftqualität verbessern: Sind Obusse eine Alternative für Koblenz?
  • Aus unserem Archiv
    Koblenz

    Luftqualität verbessern: Sind Obusse eine Alternative für Koblenz?

    Dieselverbot, Umweltzone, E-Mobilität: Schlagwörter, die auch für Koblenz eine immer größere Relevanz bekommen. Die Luftqualität ist an manchen Punkten in der Stadt schlecht, und so wird unter Hochdruck über Konsequenzen für den Verkehr nachgedacht.

    Sind Obusse, wie sie einst schon mal durch Koblenz fuhren, eine elektrisch angetriebene Alternative zu Dieselbussen? 
    Sind Obusse, wie sie einst schon mal durch Koblenz fuhren, eine elektrisch angetriebene Alternative zu Dieselbussen? 
    Foto: EVM-Archiv

    Klar ist bereits, dass die Dieselbusse der EVM umgerüstet werden, außerdem denkt man über Elektrobusse nach, und mit Wasserstoff angetriebene Busse werden in einigen Großstädten getestet. Eine andere Idee hat Christian Rauen – und zwar eine, die in Koblenz schon Geschichte hat.

    Vor seinem Ruhestand war Rauen 34 Jahre lang Omnibusverkäufer, und er fragt: Was ist eigentlich mit Trolley- beziehungsweise Oberleitungsbussen, kurz Obussen? Wäre das nicht eine Alternative für den öffentlichen Personennahverkehr in Koblenz?

    Als die "Elektrisch" durch Koblenz rollte

    Tatsächlich ist die Idee auf den ersten Blick gar nicht abwegig: Bis zum Oktober 1970 fuhren auf sechs Linien durch die Koblenzer Innenstadt, aber auch bis nach Bendorf-Sayn oder Arenberg Obusse. Sie dienten zunächst vor allem als Ersatz für stillgelegte Strecken der Straßenbahn. „Mit der Elektromobilität beschreiten wir beim ÖPNV Wege, die wir nicht beschreiten müssten“, ist Rauen überzeugt, denn Obusse gibt es noch in vielen Ländern. Als Beispiel führt er Salzburg an, wo rund 100 Obusse täglich für den öffentlichen Personennahverkehr im Einsatz sind. Aber auch in Osteuropa sind Oberleitungsbusse nach wie vor ein häufig genutztes Verkehrsmittel für den öffentlichen Personennahverkehr.

    Für die alte Oberleitungstechnik und gegen Elektrobusse spricht laut Rauen auch die Produktion von leistungsstarken Batterien, die für Hybrid- oder E-Bussen gebraucht werden. Für diese werden sogenannte Seltene Erden benötigt, die vor allem in China oft unter menschenunwürdigen Bedingungen gefördert werden. „Dazu haben sie eine begrenzte Lebensdauer und müssen aufwendig entsorgt und recycelt werden“. Für Obusse müsste natürlich erst einmal die Infrastruktur geschaffen werden, doch das müsste sie auch für andere Antriebsarten. Darüber hinaus gebe es mittlerweile Hybrid-Obusse, die auch ein Stück ohne den Strom aus den Oberleitungen fahren können.

    Ob Trolleybusse tatsächlich eine Alternative für Koblenz sind, das kann und möchte Rauen nicht entscheiden. Was ihn stört, ist, dass sich niemand mit dieser Möglichkeit auseinandersetzt und öffentlich darüber spricht. Stattdessen wurde in Zeiten des Wahlkampfs lieber über eine innerstädtische Seilbahn nachgedacht – was sich Rauen überhaupt nicht vorstellen kann: „Haben Sie schon einmal eine Seilbahn gesehen, die um die Ecke fährt?“

    "Man spricht auch von einer visuellen Umweltverschmutzung."

    Für die EVM Verkehrs GmbH kommt es nicht infrage, wieder Oberleitungsbusse in Koblenz zu etablieren – allein schon aus städtebaulicher Sicht sei eine Genehmigung fraglich.

    Um sich für die Zukunft aufzustellen, rüstet derzeit die EVM Verkehrs GmbH ihre Dieselbusse nach. Eine Umstellung des ÖPNV auf Oberleitungsbusse kommt für sie jedoch „überhaupt nicht in Betracht“. Natürlich gebe es einige Vorteile bei den Obussen, doch die Nachteile würden überwiegen. Der wesentliche Grund ist, dass eine Obus-Anlage für Koblenz aus städtebaulicher Sicht nicht genehmigt würde, „man spricht dabei auch von einer visuellen Umweltverschmutzung“. Wie ein Spinnennetz müssten Gleichstromleitungen über die Straßenzüge gespannt werden. Darüber hinaus wäre man an feste Trassen gebunden, bei Festen oder Baustellen zum Beispiel könnte man keine Alternativstrecken fahren. Und zu guter Letzt sprechen auch wirtschaftliche Gründe gegen Obusse: Angefangen damit, dass erst einmal die Infrastruktur errichtet werden müsste, sind Obusse in der Anschaffung etwa doppelt so teuer wie Dieselbusse, so die EVM. Die Instandhaltung sei etwa ein Drittel teurer als bei konventionellen Bussen, außerdem seien Obusse deutlich schwerer und würden die Straßen stärker abnutzen, sodass die Instandhaltung für die Stadt teurer würde.

    Nichtsdestoweniger ist es gerade in Zeiten, in denen Alternativen für den mit Benzin oder Diesel angetriebenen Straßenverkehr dringend gebraucht werden, durchaus sinnvoll und interessant, auch alte Ideen wieder hervorzuholen und auf den Prüfstand zu stellen. Für Deutschland scheint die Rückbesinnung auf den Trolleybus allerdings nichts zu sein. Von 77 Städten, in denen einst der Obus fuhr, sind lediglich drei Standorte geblieben: In Eberswald, Esslingen am Neckar und Solingen verkehren noch die Busse mit ihren langen Antennen.

    Von unserer Redakteurin Mira Müller

    Koblenz
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    epaper-startseite
    Wetter
    Dienstag

    1°C - 6°C
    Mittwoch

    4°C - 6°C
    Donnerstag

    3°C - 7°C
    Freitag

    2°C - 6°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Bildergalerie: Fotos unserer Leser
    Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

    Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

    Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
    Koblenzer Stadt-Geschichten

    Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf

    Anzeige