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    Krank in der Seele: Die Zahl der Fehltage steigt

    Die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen steigt in Rheinland-Pfalz, auch in Koblenz, wenn auch knapp unterdurchschnittlich. Wir haben mit Experten über Wege aus der Krise gesprochen.

    Symbolfoto.
    Symbolfoto.
    Foto: AOK-Medienservice

    Ein anstrengender Beruf, nur selten Entspannung und private Krisen: Der Alltag birgt eine Vielzahl an Problemquellen, die zur Störung der psychischen Gesundheit führen können. Laut der AOK nimmt die Anzahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen in Rheinland-Pfalz konstant zu. Doch woran liegt das und wie kann dagegen vorgegangen werden? Die RZ hat beim Experten nachgefragt.

    „Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen haben in Rheinland-Pfalz in den vergangenen zehn Jahren um rund 75 Prozent zugenommen“, weiß Jan Rößler, Pressereferent der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland. Für das erste Halbjahr 2017 fallen 10 Prozent aller Krankheitstage aufgrund psychischer Probleme an. Für die Stadt Koblenz sind es in diesem Zeitraum 10,4 Prozent. „Für psychische Erkrankungen liegen die Werte in Koblenz ansonsten knapp unter dem Rheinland-Pfalz-Schnitt“, fügt Rößler hinzu.

    Besonders problematisch: Psychische Erkrankungen führen oftmals zu langen Ausfällen oder gar zur Berufsunfähigkeit. 2015 lag die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung aufgrund einer solchen Erkrankung laut Bundespsychotherapeutenkammer bei 34 Tagen – ein weit überdurchschnittlicher Wert im Vergleich zu körperlichen Erkrankungen.

    „Psychische Erkrankungen haben deutlich zugenommen. Sie dauern oftmals lange an und sind der häufigste Fall für Berufsunfähigkeit“, sagt Dr. Bernhard Kügelgen, Ärztlicher Direktor des Therapie-Zentrums und Medizinischen Versorgungszentrums Koblenz. Ein Großteil dieser Erkrankungen resultiert dabei aus chronischen körperlichen Erkrankungen. „Lange körperliche Krankheiten wirken sich immer auf die Psyche und Soziales aus“, so Kügelgen. Was dagegen hilft? „Wir brauchen eine starke Prävention und schnelle professionelle Unterstützung, die den Mensch als Ganzes betrachtet.“

    Ein Grund für die Probleme sieht Kügelgen unter anderem in einem Wandel in der Arbeitswelt: „Mit der Technik und der Industrialisierung wurde der Mensch fremdbestimmter. Es herrschen Hektik und Gebundenheit an Zeittakte.“ Schließlich werde oftmals jede Kleinigkeit von der Uhr erfasst und bestimmt.

    Diese Kehrseite des technologischen Fortschritts geht gerade für Ältere schlichtweg zu schnell und setzt Menschen unter Druck. „Stress ist nicht zwangsweise schlecht“, erklärt Kügelgen. Der sogenannte Eustress ist es, den beispielsweise Sportler in Wettkampfsituationen verspüren und der am Ende durch Erfolg aufgelöst wird. Von Dysstress wird gesprochen, wenn man denkt, man schafft es nicht und kommt nicht hinterher. „Diese Form von Stress ist quälend“, so der Ärztliche Direktor.

    Stress kommt nicht nur von der Arbeit, auch die Freizeit wird falsch genutzt. „Wir vertreiben oftmals unsere Zeit nur, anstatt sie sinnvoll für Kommunikation mit Vertrauten oder zur Muße zu nutzen“, sagt Bernhard Kügelgen. Dass ausgiebiges Reden hilft, zeigen Therapiesitzungen: „Wir nennen das die Katharsis des Gesprächs. Der Patient wird einfach reden gelassen, denn allein das Sprechen hat oftmals eine enorme Wirkung“, berichtet Kügelgen aus der Praxis.

    Was kann unternommen werden? „Es fehlt einfach an Prävention“, klagt der Experte. Wenn eine Vorbereitung gegeben ist, verläuft die Verarbeitung auch besser. Für den gestressten Arbeitnehmer heißt das: sich Pausen nehmen, Präventionsmaßnahmen wahrnehmen, die Freizeit aktiv nutzen und im Bedarfsfall frühzeitig Hilfe suchen. Felix Bartsch

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