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Koblenz

Koblenzer fordern: Beim Verkehr in der Stadt muss sich etwas tun

Die Verkehrssituation in der Stadt bewegt die Menschen: Einwohner, Pendler – alle, die Tag für Tag mit Auto, Fahrrad, Bus oder zu Fuß auf den Straßen unterwegs sind.

Die Verkehrsprobleme in Koblenz betreffen eigentlich alle, die in der Stadt unterwegs sind: Busnutzer, Radler, Fußgänger und auch Autofahrer. Die etwa klagen, das sie zu oft vor roten Ampeln stehen – was zu Lärm, Abgasen und stockendem Verkehr führt.
Die Verkehrsprobleme in Koblenz betreffen eigentlich alle, die in der Stadt unterwegs sind: Busnutzer, Radler, Fußgänger und auch Autofahrer. Die etwa klagen, das sie zu oft vor roten Ampeln stehen – was zu Lärm, Abgasen und stockendem Verkehr führt.
Foto: Sascha Ditscher

Wirklich zufrieden sind die wenigsten von ihnen, das haben auch zahlreiche Leser bestätigt, die sich in dieser Woche bei unserer Zeitung gemeldet haben.

Am Mittwoch hatten wir in einem Bericht die Frage aufgeworfen, ob Koblenz zu autofreundlich ist. Den Eindruck hatte auch Prof. Dr. Harald Simons vom Empirica-Institut gewonnen, als er sich 2017 intensiv mit Koblenz beschäftigte. Im Gespräch mit unserer Zeitung regte er jetzt ein komplett neues Verkehrskonzept für Koblenz an – inklusive des Abrisses von Straßenkonstrukten wie dem Saarplatzkreisel.

Darauf reagiert auch Reinhard Nett. Er ist überzeugt: Das Auto ist eine heilige Kuh, die in Deutschland jahrzehntelang gehegt und gepflegt wurde – „und Koblenz war hier besonders eifrig“. Um die althergebrachte Verkehrsplanung auf den Kopf zu stellen, braucht es Mut und einen langen Atem, findet er.

Immer wieder sagen oder schreiben uns Leser, dass sie ihr Auto eigentlich gern abschaffen würden – wenn sie denn in Koblenz nicht darauf angewiesen wären. „Ich würde liebend gern auf mein Auto verzichten“, sagt etwa Ursula Kost-Schlief – wenn es für sie als Bewohnerin der Goldgrube einfacher wäre, ihren wöchentlichen Einkauf zu machen.

Denn: Die nächsten Supermärkte sind im benachbarten Rauental, das man aber nur über große Umwege erreicht. Und der ÖPNV ist auch keine Alternative: Mit dem Bus kann Kost-Schlief nur in die Innenstadt fahren und von da aus mit einem anderen Bus ins Rauental – viel zu zeitaufwendig. Auch zu ihrem Chor in der Altstadt muss sie mit dem Auto fahren: Auf dem Hinweg könnte sie zwar den Bus nehmen, auf dem Rückweg fährt der aber nicht mehr.

Von solchen Hindernissen kann auch Andrea Müller aus Bendorf-Mülhofen ein Lied singen. Sie ist Rentnerin, aber sehr aktiv und oft unterwegs – und zwar ohne Auto. „In Koblenz ist das aber anstrengend, erst an diesem Dienstag habe ich ewig gebraucht, um nach Lützel zu kommen“, erzählt sie.

Zu Fuß zur Bushaltestelle, mit dem Bus zum Löhr-Center, mit einem anderen Bus nach Lützel: Letztlich kam sie eine Viertelstunde zu spät zu ihrem Termin, hat für Hin- und Rückweg 12 Euro ausgegeben und für eine Strecke rund zwei Stunden gebraucht – statt 10 bis 15 Minuten mit dem Auto.

In ihrer Heimatstadt Ulm – ähnlich groß wie Koblenz – sieht das ganz anders aus, „da kommt spätestens alle 10 Minuten eine Straßenbahn oder ein Bus“, sagt Müller. Die Konsequenz der Mülhofenerin: Sie und Mann überlegen, ihr Haus zu verkaufen und in eine andere Region zu ziehen. Den großen Wurf beim Verkehr hätte Koblenz bisher schlicht verschlafen.

Andere Leser kritisieren zum Teil lebensgefährliche Bedingungen für Radfahrer und das miserable Radwegenetz in der Stadt, das defekte Parkleitsystem, den Lärm und die Abgase, die beim Parkplatzsuchverkehr entstehen, das Wabensystem bei den Bustarifen, die Trennung von Goldgrube und Rauental durch die Bahngleise.

An baulichen Problemstellen sehen sie nicht nur die Bauten der 60er- und 70er-Jahre wie den Saarplatzkreisel, sondern auch aktuelle. Horst Strack etwa kritisiert den Verkehr rund um den „neuen“ Zentralplatz: „Dass die Clemensstraße wieder für den Verkehr geöffnet wurde, war ein Fehler. Hier wurden nur die Belange der Autofahrer berücksichtigt.“

Dabei sind auch die Bedingungen für die Autofahrer nicht zwangsläufig gut. Dirk Seidel etwa muss als Lokführer zu den verschiedensten Zeiten arbeiten – und ärgert sich immer wieder, wenn er mitten in der Nacht vor roten Ampeln steht. In Reutlingen etwa würden die Ampeln nachts gelb blinken, das würde schon Abhilfe schaffen.

Generell findet er: Wenn schon kein Geld für den ganz großen Umbau des Verkehrs da ist, „dann sollte das bestehende System besser genutzt werden, etwa indem man die Ampelschaltung optimiert.“ Dann würde der Verkehr – auch der Busverkehr – besser fließen, und die Umwelt würde auch entlastet.

Größere bauliche Veränderungen sind für manche ohnehin eine weltfremde Fantasterei. Tatsächlich ist es so, dass die Stadt Koblenz auf einem riesigen Schuldenberg sitzt und nur die nötigsten Investitionen getätigt werden. Manche haben aber auch Angst, dass man das Auto ganz abschaffen will und so dem Einkaufs- und Arbeitsstandort Koblenz schadet. „Wer die Autofahrer aus Koblenz vertreibt, schickt sie nach Mülheim-Kärlich“, heißt es auf Facebook.

Eine Entwicklung vom Auto weg, so die Sorge, würde vor allem die Pendler aus der Region treffen. Ein Facebook-Nutzer kommt deshalb zu dem Schluss: „Man muss den Individualverkehr hier nicht toll finden. Aber umgehen lässt er sich in absehbarer Zeit kaum.“

Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

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