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Koblenz

Koblenz: Nilgänse sind eine Gefahr für die Hygiene im Freibad

Stephanie Mersmann

Die Freibadsaison auf dem Oberwerth ist in der vergangenen Woche gestartet – und damit auch die Hoch-Zeit der Nil- und Kanadagänse.

Nil- und Kanadagänse vermehren sich rapide, hier eine Aufnahme vom Rauentaler Moselufer.
Nil- und Kanadagänse vermehren sich rapide, hier eine Aufnahme vom Rauentaler Moselufer.
Foto: Dieter Menzer

Zig Tiere sind wieder am Rheinufer und auch auf dem Gelände des Schwimmbads unterwegs – und seit mehreren Jahren ist unverändert klar: Das Problem wird tendenziell größer und nicht kleiner.

Und das, obwohl in Koblenz in der Vergangenheit wirklich viel ausprobiert wurde, um die Tiere zu vertreiben: mit Flatterbändern, Raubvogelschreiben aus dem Lautsprecher, mit Drohnen, Flugdrachen, Knallgeräten. Aktuell wird eine neue Methode getestet, sagt Dieter Kronenberg von der Unteren Jagdbehörde der Stadt: „Wir haben Schnüre gespannt, und wenn die Tiere über die Wiese watscheln, stolpern sie.“

Fischreiher hat das schon einmal vertrieben – aber ob das bei den Gänsen auch so ist? Bislang jedenfalls haben diese sich noch an alles gewöhnt und sich von nichts dauerhaft vertreiben lassen. Und so verdrecken sie weiterhin die Umgebung, was vor allem im Freibad ein großes Problem ist, greifen heimische Arten an und vermehren sich munter weiter.

Letztlich führt auch die Bejagung der Tiere nicht dazu, dass die Nil- und Kanadagänse dauerhaft vertrieben werden. Kronenberg befürwortet dies trotzdem, er und Jägerkollegen schießen immer wieder einzelne Vögel ab, zum Missfallen von Naturschützern. In der Brutzeit ist aktuell Pause, aber danach werden die Jäger weitermachen. Dass die Population dadurch eingedämmt wird, kann sein – verschwinden tun die Gänse aber ganz offensichtlich nicht.

Die Sorge um die Hygiene im Freibad steigt derweil, weil die Tiere das Wasser und die Anlage verunreinigen. „Die Furcht existiert immer, dass wir das Bad irgendwann schließen müssen“, sagt Kronenberg. Mehrmals täglich wird das Wasser in den Becken überprüft, und bislang wurde keine unmittelbare Gesundheitsgefahr festgestellt, sagt er – aber der Kot der Nil- und Kanadagänse ist eben nicht nur unappetitlich, sondern birgt auch ein Risiko für die Gesundheit der Badegäste.

Der Aufwand für die Freibad-Mitarbeiter ist zudem deutlich gestiegen: „Früher wurden die Beckenumgänge, Überlaufrinnen und der Bachlauf nach Bedarf gereinigt, inzwischen sind täglich ein bis zwei Personen bis zu zwei Stunden ausschließlich damit beschäftigt, die Verunreinigungen durch die Gänse an den Becken sowie auf der Liegewiese zu beseitigen“, sagt Rüdiger Sonntag, Leiter des Sport- und Bäderamts. Da das Beckenwasser Trinkwasserqualität haben muss, wird es mehrmals täglich kontrolliert – das wurde aber auch früher gemacht.

Und Koblenz ist nicht allein mit dem Gänseproblem. In Köln ist die Situation bereits so eskaliert, dass überlegt wird, ein Schwimmbad wegen zahlloser Kanadagänse zu schließen. „Wir stehen kurz davor, dass uns die Gesundheitsbehörde das Naturfreibad in Vingst aus hygienischen Gründen schließt“, zitierte die FAZ kürzlich den Grünflächenamtsleiter der Stadt Köln. Und auch in anderen Städten ist das Problem offensichtlich riesig.

Die Zeitung schreibt unter anderem von bis zu 100 Nilgänsen, die im vergangenen Sommer im Brentanobad in Frankfurt durch das Becken schwammen und nach Ende der Saison abgeschossen wurden. Im Essener Grugapark müssen Wege und Stege doppelt so oft gereinigt werden wie sonst, die Kanadagänse, die hier leben, sollen 160 bis 170 Mal am Tag Kot ausscheiden, und der sei jeweils sechs Zentimeter lang. Auf die Ankündigung hin, zur Not schießen zu müssen, erhielt der Verantwortliche Morddrohungen.

In Koblenz sind die Gänse nicht nur am Wasser eine Plage. Auf Feldern in der Umgebung zum Beispiel hinterlassen sie Riesenschäden, sagt Dieter Kronenberg. Die Bauern seien verzweifelt, weil die Vögel die Ernte fressen würden. Ein Nilgänse-Paar hat sich zum Brüten sogar auf dem Kirchturm in Bassenheim niedergelassen. Am Rhein in Koblenz selbst tun die Tiere das gar nicht, „die fallen nur bei uns ein“.

Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

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