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Koblenz

Koblenz im Schnelldurchlauf im Netz sehen: Christian Emam macht aus Tausenden Fotos ganz besondere Filme

Der Hobby-Fotograf Christian Emam aus Koblenz stellte zwei Filme, die er aus Tausenden einzelner Fotos zusammengeschnitten hat, bei Youtube und Facebook ein. Die Folge: unerwartet zahlreiche Klicks und viel positive Resonanz.

Filmt Koblenz im Schnelldurchlauf: Christian Emam fotografiert seine Heimatstadt und erstellt aus den Fotos Streifen mit Zeitraffer-Effekt.
Filmt Koblenz im Schnelldurchlauf: Christian Emam fotografiert seine Heimatstadt und erstellt aus den Fotos Streifen mit Zeitraffer-Effekt.
Foto: Dinah Schmidt

Koblenz – Einfach auf den Auslöser zu drücken, das ist Christian Emam zu langweilig. Der Hobby-Fotograf, von Beruf Controller, mag außergewöhnliche Filmprojekte. Zwei solcher Filme, die er aus Tausenden einzelner Fotos zusammengeschnitten hat, stellte er bei Youtube und Facebook ein. "Koblenz bei Nacht" und "Summer in Koblenz" heißen die beiden Streifen, die die Stadt an Rhein und Mosel per Zeitraffereffekt liebevoll in Szene setzen. Die Folge: unerwartet zahlreiche Klicks und viel positive Resonanz.

Autos rasen durch die Nacht. Eine Fahrt über die Pfaffendorfer Brücke, während die Schiffe unter der Querung hindurch sausen. Menschen, die rund ums Eck flitzen, Wölkchen, die sich in irrer Geschwindigkeit über der Festung Ehrenbreitstein formieren. Um diese Effekte zu erreichen, war Einsatz gefragt. Geduldig hat Christian Emam, der junge Mann mit dem Sinn für Ästhetik, neben seiner Kamera ausgeharrt. Auch im Winter. Stunde um Stunde, bei Eiseskälte. Es war düster, und er stand im Abseits, zum Beispiel auf dem Glockenberg oberhalb der Pfaffendorfer Brücke. "Da war es wirklich sehr dunkel", erzählt er im Nachhinein lachend. "Ich habe mir eine Taschenlampe zurechtgelegt, falls mal ein Radfahrer vorbeikommt. Damit der mich nicht übersieht."

Schließlich stand Emam stundenlang mitten auf dem schmalen Pfad, den abendlichen Autoverkehr durchs nächtliche Koblenz aus der Vogelperspektive im Visier. Die Lichteindrücke der Laternen und Wagen neben dem festlich erleuchteten Kurfürstlichen Schloss waren es, die er einfangen wollte in Hunderten von Bildern. Alle 30 Sekunden löste die Kamera aus, erzählt er. Die einzelnen Bilder schnitt er hinterher am Computer zu einem Filmstreifen zusammen – Timelapse nennt sich diese Technik. Christian Emam hat einen solchen Film einmal im Fernsehen gesehen, war begeistert und beschloss: Das probiere ich auch.

Als "Vorstudie" bezeichnet er seinen Winterfilm. Wie leuchtende Flimmerpunkte oder glühende Schlangen bewegen sich hier die Autos durch die Straßen. Romantisch sieht das aus. Das eigentliche Projekt aber, das er von langer Hand plante, war "Summer in Koblenz". Dass es ihm gelungen ist, lässt sich unschwer an den Zahlen ablesen. Mehr als 6000 Aufrufe bei Youtube kann Emam bereits jetzt verbuchen. "Meist sind es Koblenzer, die sich freuen, ihre Heimatstadt so dargestellt zu sehen. Sie sind dann ganz stolz", sagt er. "Oft ist ja so, dass man zwar die Orte, an denen man Urlaub macht, bestens kennt, aber die schönen Ecken in der Heimat im Alltag übersieht."

"Beim ersten, also dem Winterfilm, habe ich die Kamera jeweils an einem Standort belassen. Unbeweglich. Das habe ich beim zweiten Projekt anders gemacht, um noch mehr Effekte zu erzielen", schildert Emam. Auf der Pfaffendorfer Brücke, zum Beispiel, hat er sich dabei an den Streben des Geländers orientiert. Ein Foto schießen, dann die Kamera mit Dreibein um eine Stange weiter nach rechts verschieben, wieder ein Fotos schießen, dann an die nächste Strebe und so weiter. Hatte er keinen solchen Anhaltspunkt, nahm er die eigenen Füße zu Hilfe. Die Kamera immer zwei Fußbreit weiterschieben. Auf diese Weise entstanden Schwenks, die mehr von der Umgebung im Hintergrund erzählen.

Die Kunst ist, dass alles zwar bewegt, trotzdem aber ruhig und gleichmäßig wirkt. Das erfordert Geduld, weiß Christian Emam nun zu gut. Schließlich sollen die Lichtverhältnisse im Hintergrund gleich bleiben. Für die 2:42 Minuten Film hat er 17 Stunden durch die Kamera geschaut und mehrere Tausend Bilder produziert. Verdunkelt sich der Himmel rascher als gedacht, muss der Fotograf sein Projekt fürs Erste abbrechen und unverrichteter Dinge nach Hause gehen. Auch dem jungen, aus Emmerich zugezogenen Controller ist das mehrfach passiert.

Wie haben die Passanten auf die "Dreharbeiten" reagiert? Durchweg nett, sagt Emam. Der ein oder andere blieb rücksichtsvoll stehen, um nicht ins Bild zu laufen, sagt er lachend. "Dann habe ich erklärt, dass aber ja gerade das erwünscht ist." Manch einer fragte auch neugierig nach, was er da denn tue.

Das Ergebnis seiner Arbeit, unterlegt mit Musik, ist nun für jedermann zu sehen. Gondeln der Seilbahn sausen an der Talstation rund wie auf einem Karussell, Licht- und Schattenspiele, die durch ein Wolkenband über dem Rhein und der Stadt entstehen, die festlich erleuchtete Herz-Jesu-Kirche: An diesen Bildern dürften sicher noch viele Zuschauer mehr ihre Freude haben.

Dinah Schmidt

Wie ein Timelapse-Film entsteht

Sogenannte Time- lapse-Filme werden aus einer Serie von vielen, vielen Einzelbildern erstellt. Dabei steht die Kamera an ein und demselben Platz oder wird nur ganz wenig bewegt. Alle paar Sekunden schießt der Fotograf ein Bild. Am besten geht das automatisch mit Timerfunktion. Die einzelnen Fotos werden dann später zu einem Film zusammengeschnitten. Verändert sich etwas im Motiv, zum Beispiel Passanten, die sich durch das Bild bewegen oder die Sonne, die untergeht, ist das als Bewegung im Zeitraffer-Effekt originell und eindrucksvoll zu sehen. dis

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