40.000
Aus unserem Archiv
Bad Ems/Koblenz

Karriere: Baut Josef Oster auf das Koblenzer Rathaus?

Eine gesunde Portion Ehrgeiz darf man Josef Oster durchaus attestieren. In jungen Jahren schon zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bad Ems gewählt, brachte er sich 2006 kurzfristig als möglicher CDU-Kandidat für den Posten des Cochem-Zeller Landrats in Stellung. Zehn Jahre später verdichten sich nun Gerüchte, der 45-jährige Politiker habe Ambitionen auf den Chefsessel im Koblenzer Rathaus.

Der Bad Emser VG-Bürgermeister Josef Oster baut im Koblenzer Stadtteil Güls ein Haus. Soll dieses Anwesen in der Schwester-Modesta-Straße in Kürze schon Ausgangspunkt für eine Kampagne um den Chefposten im Koblenzer Rathaus werden? Oster selbst sagt, der Umzug nach Güls erfolge aus privaten Gründen. Foto: Sascha Ditscher
Der Bad Emser VG-Bürgermeister Josef Oster baut im Koblenzer Stadtteil Güls ein Haus. Soll dieses Anwesen in der Schwester-Modesta-Straße in Kürze schon Ausgangspunkt für eine Kampagne um den Chefposten im Koblenzer Rathaus werden? Oster selbst sagt, der Umzug nach Güls erfolge aus privaten Gründen.
Foto: Sascha Ditscher

Von Michael Stoll

Und in der Tat: Es wäre jetzt der richtige Zeitpunkt für eine solche Entscheidung. Potenzielle Kandidaten für die Nachfolge von Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig haben noch etwa eineinhalb Jahre zum Warmlaufen: Im April 2018 endet die Wahlperiode des Amtsinhabers, spätestens ein halbes Jahr zuvor müssten die OB-Wahlen ausgefochten werden.

Obwohl die Ära Hofmann-Göttig also nur noch kurze Zeit währt, blieb die politische Gerüchteküche bislang kalt. Was ja für Koblenzer Verhältnisse durchaus ungewohnt ist. Nachdem nun aber die Landtagswahlen gelaufen sind, dürfte sich das ändern. Erstes Indiz: Mit Josef Oster taucht hinter vorgehaltener Hand ein neuer Name, eine mögliche erste Besetzung fürs Kandidatenkarussell auf. Der Hintergrund ist rasch erzählt: Als Bad Emser Bürgermeister wohnt Oster zurzeit zwar (noch) in der kleinen Kurstadt, gleichzeitig aber baut er im Koblenzer Stadtteil Güls ein schmuckes Haus, dessen architektonische (Höhen)gestaltung den Bebauungsplan 260 im "Bombenviertel" Südliches Güls – zumindest – voll ausschöpft. Soll dieses Anwesen in der Schwester-Modesta-Straße in Kürze Ausgangspunkt für eine Kampagne sein? Will Oster Koblenzer Oberbürgermeister werden?

Zumindest würde er nicht den Lapsus seines Parteifreundes Peter Labonte wiederholen, der 2009 nicht als Schängel, sondern als Rathauschef im benachbarten Lahnstein gegen Hofmann-Göttig ins Rennen gegangen war. Hofmann-Göttig wohnte da schon auf dem Oberwerth, ging also als "Kowelenzer" halbwegs durch. Er holte satte 54,4 Prozent, Labonte musste sich mit 45,6 Prozent der Stimmen geschlagen geben. Und auch Labontes "Vorgänger" bei der Kandidatur um den Koblenzer Chefsessel, Peter Knüpper (ebenfalls CDU), unterlag seinerzeit mit 28 Stimmen gegen Eberhard Schulte-Wissermann (SPD), unter anderem deshalb, weil er während der Kampagne in Bernkastel wohnen blieb.

Seit 2002 Bürgermeister der VG Bad Ems

Im politischen Umfeld von Josef Oster traut man dem gestandenen Kommunalpolitiker durchaus höhere Weihen zu. Zwar musste er seine Cochemer Landratsambitionen 2006 aufgeben, da die Unions-Oberen einen anderen Kandidaten ausgeguckt hatten, doch er ist zielstrebig, was sich in seiner Biografie widerspiegelt: Am 4. Januar 1971 in Zell an der Mosel geboren, besuchte er die Realschule, wurde in der Kreisverwaltung Cochem-Zell ausgebildet, besuchte in Abendkursen die Fachoberschule Wirtschaft/Verwaltung, anschließend die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Koblenz mit Abschluss Verwaltungs- und Betriebswirt (VWA). Seit Januar 2002 ist er Bürgermeister der VG Bad Ems, 2009 wurde er mit rund 80 Prozent der Stimmen wiedergewählt. "Auch in den kommenden acht Jahren möchte ich mich für die Menschen in der Region einsetzen", sagte Oster damals. Was nach den acht Jahren kommen sollte, ließ er offen ...

Nicht wenige, die den ausgewiesenen Verwaltungsfachmann kennen, erwarten eigentlich nun einen nächsten Karriereschritt. Dass man ihn sich durchaus auf dem Posten eines Staatssekretärs vorstellen könnte, wurde ab und an schon mal gemunkelt. Viel näher aber könnte ihm der Job als Oberbürgermeister von Koblenz liegen, wo ja auch sein Bruder als Gülser Organist tätig ist. Oster müsste sich jedenfalls rasch entscheiden, denn seine Amtszeit in Bad Ems läuft Ende des kommenden Jahres, konkret am 31. Dezember 2017, ab.

Gegenüber unserer Zeitung sagt Josef Oster, sein Umzug nach Güls habe einen "rein privaten Charakter". Seine Entscheidung, was den künftigen Wohnort angeht, "hat keine Auswirkungen auf meine beruflichen Überlegungen. Ich bin Bürgermeister in Bad Ems und will das auch bleiben ..."

Perfekter Nachfolger?

Der sportliche Christdemokrat wäre aber auf jeden Fall der perfekte Nachfolge-Kandidat für Joachim Hofmann-Göttig: Zwar ebenso selbstbewusst, aber gänzlich uneitel, dabei offen und korrekt im Umgang mit Menschen. Oster hat Humor, was er im Karneval immer wieder beweist. Und er ist ein sachbezogener Verwaltungsarbeiter, der seinen Job von der Pike auf gelernt hat und parteiintern nicht "entsorgt" werden muss.

Hofmann-Göttig indes brachte 2009 eine Voraussetzung mit, die ihm vermutlich einen gehörigen Vorteil in den meisten Stadtteilen und eben auch in den gehobenen Wohnquartieren verschaffte: Der Sozialdemokrat trat zwar als "unabhängiger Kandidat" zur Wahl an, konnte aber auf seine langjährige Tätigkeit als Staatssekretär in Mainz verweisen. Da liegt es nahe, dass sich nicht wenige Koblenzer von solch "guten Beziehungen" einen gewissen "Mehrwert" für ihre Stadt ausrechneten und ihre Stimme insofern taktisch vergaben. Zumindest indirekt hat Josef Oster auch da etwas zu bieten: Von 1999 bis 2001 war er Büroleiter beim Bundestagsabgeordneten Peter Bleser. Und diese Kontakte zum heutigen Staatssekretär im Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung, also der direkte Draht ins Berliner Machtzentrum, sind auch für eine Großstadt wie Koblenz sicherlich nicht verkehrt.

Koblenz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

epaper-startseite
Wetter
Montag

11°C - 19°C
Dienstag

6°C - 15°C
Mittwoch

5°C - 12°C
Donnerstag

4°C - 11°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerie: Fotos unserer Leser
Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
Koblenzer Stadt-Geschichten

Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf