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Koblenz

Jobcenter Koblenz: Arbeitsmarkt bietet auch Chancen für die Generation Ü 50

Wer älter als 50 ist und seine Stelle verliert, hat kaum noch Chancen auf einen beruflichen Neuanfang: Diese Einschätzung ist zwar weit verbreitet, wird aber dadurch nicht richtiger. Die Statistiken des Jobcenters Koblenz sprechen eine andere Sprache.

Für viele ältere Arbeitnehmer (hier auf einem Symbolbild aus der Logistikbranche) sind die Chancen, nach längerer Arbeitslosigkeit wieder ins Berufsleben zurückzufinden, besser als landläufig angenomm
Für viele ältere Arbeitnehmer (hier auf einem Symbolbild aus der Logistikbranche) sind die Chancen, nach längerer Arbeitslosigkeit wieder ins Berufsleben zurückzufinden, besser als landläufig angenomm
Foto: picture alliance

Die Vermittlungschancen sind demnach – und nach den Erfahrungen des Beschäftigungspaktes West-Süd-West – gar nicht so schlecht- Auch deshalb, weil im Rahmen des Programms „Perspektive 50 plus" des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales Zuschüsse fließen.

Arno Ackermann ist mit der Vermittlungsarbeit grundsätzlich zufrieden. Der Chef des Jobcenters Koblenz weist darauf hin, dass es 2012 gelungen ist, 2027 von 2776 Frauen und Männern Ü 50, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, wieder ins Erwerbsleben zurückzuführen.

Ackermann betont aber auch, dass viele Betroffene den Absprung aus eigener Kraft schaffen.Dennoch ist die Nachfrage nach den sogenannten integrationsvorbereitenden Maßnahmen groß. So nahmen allein 2012 genau 2686 Personen an solchen Schulungen teil.

Diese werden übrigens nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt. Die Maßnahmen erfolgen zielgerichtet. So haben Metall-Facharbeiter die Chance, ihren Schweißerschein zu erneuern. Ein anderes Beispiel: der Führerschein für Gabelstapler, ohne den Lagerarbeiter nicht weiterkommen.

Um die Kunden Ü 50 zu betreuen, hat das Jobcenter ein eigenes Team gegründet, das durchweg aus Praktikern mit Erfahrungen in mehreren Berufen besteht. Sie werden immer wieder mit Bewerbern mit „multiplen Vermittlungshemmnissen" konfrontiert.

Teamleiter Volker Sabel nennt zum Beispiel die Sucht- oder Drogenproblematik. Und auch wenn Kunden gesundheitlich und fachlich auf der Höhe sind, kann es Probleme geben – beispielsweise dann, wenn ein Bewerber ein Familienmitglied pflegen muss und deshalb nicht in Vollzeit arbeiten kann. Insgesamt waren es 2012 genau 95 Kunden, die noch intensiver betreut wurden. Die Vermittlungsquote erreichte stolze 90,4 Prozent – ein Ansporn für das Jobcenter, die Kapazitäten weiter auszubauen.

Die Koblenzer Erfahrungen und Erfolge sind übrigens kein Sonderfall. Auch der vom Bund geförderte Beschäftigungspakt, dem 37 Jobcenter und 76 Vermittlungszentren in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Hessen angeschlossen sind, meldete positive Zahlen. So wurden 2012 insgesamt 4700 Personen vermittelt, die für die Intensivbetreuung ausgewählt worden waren – davon 1600 Männer und 3000 Frauen. Der Anteil der unbefristeten Arbeitsverträge lag dabei bei 60 Prozent.

Dass dieser Wert so hoch ist, liegt vor allem an den kleinen und mittelständischen Unternehmen. Ein Beispiel ist der Rhenser Mineralbrunnen, der Partner des Beschäftigungspaktes ist. Nicht umsonst betont Geschäftsführer Hans-Achim Daschmann, dass er vor allem auf die Qualifikation der Mitarbeiter achtet. Ergebnis: Im Betrieb sind 40 Prozent der rund 150 Mitarbeiter älter als 50 Jahre.

Aber es gibt auch Positivbeispiele aus Großunternehmen. Dazu gehört auch das oft gescholtene Internetkaufhaus Amazon, das maßgeblich für die guten Zahlen des Koblenzer Jobcenters sorgte.Die Erfahrungen der Koblenzer Vermittler zeigen aber auch, dass Lohndumping und Jugendwahn nicht unbedingt eine Spezialität von Großunternehmen sein müssen.

So liefert auch die Gastronomie in der Region zahlreiche Negativbeispiele. Die Betroffenen reden nur nicht gern darüber. Zu den Ausnahmen zählt Wolfgang Wagner (61), der jetzt auf dem Koblenzer Campingplatz Arbeit gefunden hat. Der dortige Pächter gehört zu den wenigen, die die Zuverlässigkeit von älteren Arbeitnehmern zu schätzen wissen – aber sie nur saisonal beschäftigen kann.

Von unserem Redakteur Reinhard Kallenbach

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