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Region/Niederwerth

Jetzt machen sich Bauern wieder den Buckel krumm: Spargelernte hat begonnen

Die kommenden Wochen wird Helmut Schmidt größtenteils wieder in gebeugter Haltung verbringen. Um seinen Beruf auszuüben, ist diese unbedingt erforderlich – zumindest derzeit. Denn Helmut Schmidt ist Landwirt. Sein Betrieb auf dem Niederwerth produziert Obst und Gemüse, unter anderem Spargel. Und für diesen hat in der Region die Erntezeit gerade begonnen.

Um den Spargel zu stechen, muss sich Helmut Schmidt tief runterbeugen. Doch die Arbeit lohnt sich für den Landwirt vom Niederwerth. Die Nachfrage nach dem königlichen Gemüse ist in der Region um Koblenz nach wie vor hoch.
Um den Spargel zu stechen, muss sich Helmut Schmidt tief runterbeugen. Doch die Arbeit lohnt sich für den Landwirt vom Niederwerth. Die Nachfrage nach dem königlichen Gemüse ist in der Region um Koblenz nach wie vor hoch.
Foto: Volker Schmidt

„Das geht ganz schön in den Rücken“, sagt Schmidt in Bezug auf die Körperhaltung, die nötig ist, um den reifen Spargel im Sanddamm freizulegen und dann mit dem Stechmesser abzutrennen. Spargelstechen ist und bleibt Handarbeit in Schmidts Betrieb – und nicht nur dort. „Von den Jungen will sich keiner mehr die Arbeit machen“, sagt er und meint damit nicht nur die körperliche Beanspruchung, die ihm persönlich gar nicht so viel ausmacht.

Die Bedingungen für die Landwirte sind nach Schmidts Ansicht schwerer geworden in den vergangenen Jahren. Die Einführung des Mindestlohns bringt für die Landwirte nicht nur eine zusätzliche finanzielle Belastung, sondern wegen der bürokratischen Auflagen auch einen zeitlichen Mehraufwand. Die Anschaffung eines mechanischen Erntehelfers für Spargel, um die Arbeit zu erleichtern, ist aus seiner Sicht zu teuer. Hinzu kommt der Preisdruck. „Wenn ich versuchen würde, den Spargel über den Großhandel zu verkaufen, wäre der Ofen schnell aus“, sagt Schmidt. Daher setzt er auf Direktvermarktung, verkauft seinen Spargel im Hofladen oder über zwei Verkaufswagen.

Das funktioniert für seinen Betrieb. Mit den Preisen im Supermarkt können die Direktvermarkter zwar nicht mithalten. Das Bewusstsein der Leute für regionale Produkte habe sich aber in den vergangenen Jahren verbessert, sagt Schmidt. Die Nachfrage bei ihm sei jedenfalls relativ hoch – vor allem an Wochenenden.

Um dem Bedürfnis der Kunden nach dem beliebten Gewächs so früh wie möglich nachzukommen, arbeiten Landwirte wie Helmut Schmidt inzwischen mit ein paar Tricks. Die Folien über den Dämmen sorgen für mehr Wärme und sollen das Wachstum beschleunigen – jedenfalls dann, wenn die schwarze Seite nach oben zeigt. Indem die Landwirte die weiße Seite nach oben drehen, bewirken sie das Gegenteil. Um einen zusätzlichen Wärmeeffekt zu erzielen, hatte Schmidt bis kurz vor Erntebeginn zusätzlich noch Minitunnel über die Dämme gespannt. Die frühe Sorte Gijnlim ist so inzwischen bereit, um geerntet zu werden. In den nächsten Wochen werden aus den Wurzeln immer wieder Stangen herauswachsen. Allerdings wird Schmidt das Wachstum nicht bis zuletzt ausreizen. „Der Spargel benötigt Zeit, um sich zu regenerieren“, sagt er. Wenn man zu lange sticht, rächt sich das im kommenden Jahr. Um die Nachfrage nach dem königlichen Gemüse bis zum Johannistag am 24. Juni, dem traditionellen Ende der Spargelernte, zu bedienen, baut er frühe und späte Sorten an.

In Dieblich ist die Ernte noch nicht so weit fortgeschritten. „Wir gehen aber davon aus, dass es in den nächsten Tagen soweit ist“, sagt Holger Scherhag vom Naturhof Scherhag. Was die Vegetation angeht, spricht er von einem normalen Jahr. „Im vergangenen Jahr waren wir extrem früh dran“, erklärt der promovierte Diplom-Agraringenieur. Er glaubt an eine normale Ernte – wenn die Natur nicht verrückt spielt. Soll heißen: Der Spargelwachstum korreliert unmittelbar mit den Temperaturen. Daher würde Bodenfrost bedeuten, dass der Wachstum stoppen würde. Aber auch zu hohe Temperaturen und Trockenheit wirken sich negativ aus, denn in diesem Fall würde der Spargel „nach zwei bis drei Wochen die Grätsche machen, weil ihm das Wasser ausgeht“, so Scherhag. Derzeit sieht es aber weder nach dem einen, noch nach dem anderen Extrem aus. Und so können sich Feinschmecker schon jetzt auf den frischen Spargel aus der Region freuen. Volker Schmidt

Koblenz
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