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Koblenz/Kreis MYK

Haushalte und Kommunen stöhnen: Der lange Winter geht ganz schön ins Geld

Der lange Winter kommt Privathaushalte, Kommunen sowie die Wirtschaft an Rhein und Mosel teuer zu stehen. Dies zeigt eine Umfrage unserer Zeitung. Besonders der extrem kalte März reißt tiefe Löcher in die Kassen.

Auch für die Stadtgärtnerei ist der lange Winter eine Herausforderung – doch die Experten haben die Situation im Griff. Durch Steuerung der eigenen Pflanzenproduktion reagieren sie auf alle Wetterkapriolen. Derzeit topft der Auszubildende René Breidbach beispielsweise schon die Sommerpflanzen.
Auch für die Stadtgärtnerei ist der lange Winter eine Herausforderung – doch die Experten haben die Situation im Griff. Durch Steuerung der eigenen Pflanzenproduktion reagieren sie auf alle Wetterkapriolen. Derzeit topft der Auszubildende René Breidbach beispielsweise schon die Sommerpflanzen.

So gab die Energieversorgung Mittelrhein (EVM), die ungefähr 146 000 Kunden in unserer Region versorgt, in der Heizperiode von Oktober bis jetzt rund 7 Prozent mehr Erdgas an ihre Kunden ab als im Vergleichszeitraum der vorherigen Heizperiode. Besonders markant ist die Abweichung im noch laufenden März. Hier rechnet die EVM mit einer Zunahme um 28 Prozent beim abgegebenen Erdgas gegenüber dem März 2012.

Der Winter 2013 reißt tiefe Löcher auch in die Haushalte der Kommunen – übrigens schon im Januar. So verbrauchten die beiden Koblenzer Rathaus-Gebäude in diesem Januar 236 000 Kilowattstunden (kWh) Energie zum Heizen im Gegensatz zu 168 000 kWh im Januar 2012. Allein dies bedeutete im Januar somit Mehrausgaben von rund 7000 Euro.

Ähnlich sieht auch die Bilanz für das Gebäude der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz aus. Im Januar 2013 hatte man hier einen Energieverbrauch von rund 160 000 kWh, im Januar 2012 hingegen waren es nur 143 000 kWh.

Vergleichbare Werte liefern die Schulen. So stieg der Gasbedarf an der Realschule plus an der Untermosel in Kobern-Gondorf im Januar 2013 um 11 000 kWh (Mehrkosten von 600 Euro) und an der Integrierten Gesamtschule Maifeld in Polch um 27 000 kWh (Mehrkosten von 1452 Euro). Im Februar, der 2012 kälter war als 2013, dürfte sich diese Bilanz zwar umgekehrt haben, aber durch den extrem kalten März ist das Plus schnell aufgebraucht.

Ein Beispiel dafür sind die Zahlen über den Energieverbrauch im Andernacher Rathausgebäude, der bislang im März um 84 Prozent höher lag als im März 2012. Insgesamt verzeichnete man beim Andernacher Rathaus eine Steigerung beim Gasverbrauch in diesem Winter um 12 Prozent.

Auch in der Privatwirtschaft der Region macht sich der lange Winter bemerkbar. "Allein für unser Hochhaus in Koblenz liegt der Energieverbrauch 24 Prozent über dem des vergangenen Jahres", sagt Christian Arns, Pressesprecher der Koblenzer Debeka. Doch nicht nur die Heizkostenabrechnung belastet die Wirtschaft. So blieben nach einer Studie der Kaufmännischen Krankenkasse im Januar 2013 ein Drittel mehr Arbeitnehmer krankheitsbedingt zu Hause als im Januar 2012.

Was den Baubereich betrifft, so hatte man wohl schon im Vorfeld mit einem harten Winter gerechnet. "Baustellenverzögerungen gibt es eigentlich nicht, und die Neubauabteilung der Stadt plant für die Wintermonate eh nur reduzierte Tagesleistungen", erklärt Thomas Knaak, Pressesprecher der Stadt Koblenz. Ähnlich fällt das Fazit beim Landesbetrieb Mobilität (LBM) aus, der für die Bundes- und Landesstraßen zuständig ist. "Mit gewissen Baustellen wie dem Straßenbau zwischen Winningen und Güls haben wir halt später begonnen. Aber bei den bestehenden Baustellen gab es keine nennenswerten Verzögerungen", sagt Werner Oster, stellvertretender Leiter des LBM Cochem-Koblenz.

Weitgehend gelassen betrachtet man den langen Winter auch in der Landwirtschaft. "Solange der Wein nicht blüht, besteht keine Gefahr", sagt Winzer Andreas Barth vom Niederfeller Weingut Lubentiushof. Genauso verhält es sich bei den Kirschen und den Äpfeln, die ebenfalls noch nicht in der Blüte stehen. "Ich rechne erst Ende April mit der Apfelblüte, für die Qualität ist der späte Zeitpunkt allerdings egal", sagt der Dieblicher Obstbauer Norbert Schäfer. Und auch Landwirt Johannes Nikenich aus Mülheim-Kärlich blickt dem späten Winterende gelassen entgegen. "Dann gibt es halt erst Ende Juni Kirschen" , sagt er.

Verzögern wird sich gleichfalls die Spargelernte. "Im vergangenen Jahr wagten sich am 24. März bereits die ersten Stangen aus der Erde", erinnert sich der Polcher Landwirt Gregor Adams. In diesem Jahr wird es aber zu Ostern wohl keinen hiesigen Spargel geben.

Von unseren Mitarbeitern Peter Karges und Heinz Israel

Koblenz
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